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Deutsch-polnische Belastungen: 

Podolski und der polnische Pass

12. Jun 2008 10:20
Poldi parliert Polnisch: Der deutsche Nationalspieler im Gespräch mit polnischen Fans
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Der deutsch-polnische Schlagzeilenkrieg geht in die nächste Runde: Ein polnischer Politiker fordert, Lukas Podolski den Pass abzunehmen. Und um die Staatsbürgerschaft des Formel-1-Piloten Robert Kubica sorgt man sich auch.

Die deutsch-polnischen Fußballauseinandersetzungen weiten sich aus. Ein polnischer Politiker, Miroslaw Orzechowski von der rechtsgerichteten Partei Liga Polnischer Familien (LPR), forderte in einem Radiointerview, Staatspräsident Lech Kaczynski solle Lukas Podolski die polnische Staatsbürgerschaft aberkennen. Podolski konterte im Kölner «Express»: «Der Witz ist: Ich habe gar keinen polnischen Pass.»

Podolskis Geste

Lukas Podolski, der 1985 in Gliwice, dem früheren Gleiwitz, geboren wurde, besitzt die doppelte Staatsbürgerschaft, hat sich aber fußballerisch für die DFB-Auswahl entschieden. Im EM-Spiel gegen Polen hatte Podolski beide Treffer für Deutschland erzielt. Auf besonders ausufernden Jubel verzichtete er. «Ich habe großen Respekt für das Land Polen», hatte er danach erklärt, «und diesen Respekt habe ich nach meinen Toren gezeigt.» Er spiele unter anderem deswegen in der deutschen Nationalmannschaft, sagte Podolski, weil sich vom polnischen Verband niemand um ihn gekümmert habe. «Dennoch schlagen in meiner Brust zwei Herzen.«

Nach dem Spiel war Podolski in den polnischen Fanblock gegangen. Er hatte polnischen Fans Autogramme gegeben, und sich lange mit seiner Familie, die das Spiel im polnischen Block gesehen hatte, unterhalten. Podolskis Geste wurde in Polen und in Deutchland gleichermaßen gelobt.

Soll Formel-1-Pilot Kubica Deutscher werden?

Mit Orzechowski Forderung, die in Polen auf breite Ablehnung stößt, hat sich der deutsch-polnische Fußballstreit erstmals aus den Boulevardzeitungen in die Politik verlagert.

Parallel dazu hat sich der Streit, der vor allem von den Boulevardzeitungen «Fakt» aus Polen und «Bild» aus Deutschland ausgetragen wird, die beide dem deutschen Axel-Springer-Konzern gehören, erstmals vom Fußball entfernt. Nachdem am vergangenen Wochenende mit dem Motorsportler Robert Kubica erstmals ein Pole ein Formel-1-Rennen gewonnen hatte, überschrieb «Bild» einen Text: «Können wir den nicht auch einbürgern?» Das polnische Schwesterblatt «Fakt» nahm die Herausforderung an und titelte: «Sie wollen uns auch noch Kubica nehmen».

Rechtsextremer Hintergrund

Miroslaw Orzechowski, der versucht, die Ausbürgerung von Lukas Podolski in die Politik zu tragen, war im Kabinett von Jaroslaw Kaczynski Erziehungsminister gewesen. Erst jüngst fiel er mit dem Vorstoß auf, Sex bei Unter-18-Jährigen unter Strafe zu stellen. Seine Ausbürgerungsforderung begründete er damit, dass es in Polen keine doppelte Staatsbürgerschaft gebe. Seine Partei, die LPR, erzielte bei den letzten Parlamentswahlen gerade mal 1,7 Prozent der Wählerstimmen. Sie fällt immer wieder durch antisemitische und homophobe Kampagnen auf. (nz)

 
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