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EM-Spezial Teil 16 - Russland: 

«Rossija vperiod»

19. Mai 2008 09:19
Autokorso russischer Fans: Zenit St. Peterburg hat den Uefa-Cup 2008
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16 Länder nehmen an der Europameisterschaft im Juni in der Schweiz und in Österreich teil. Wir stellen jedes Land vor: seine fußballerischen Fähigkeiten, seine Fans, seine Helden und seine Stadien.

Im Juni findet es statt, das Schaulaufen der europäischen Nationen in kurzen Hosen und auf grünem Rasen. Die Netzeitung stellt die Teilnehmer der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz vor.

Dieses Mal: Russland (Gruppe D zusammen mit Europameister Griechenland, Schweden und Dauerfavorit Spanien).

Russland in der Fußballwelt

Wenn es nach dem Weltfußballverband Fifa geht, ist Russland eine Fußballmacht. Die Fifa hat nämlich erklärt, dass Russland der einzige Nachfolger der Sowjetunion ist, und so betrachtet war Russland schon dreimal Vizeeuropameister und 1960 sogar Europameister. Allerdings belegt Russland aktuell nur Platz 25 der Fifa-Weltrangliste, und überhaupt hat Russland, seit es Russland ist – statt der größeren Sowjetunion – fußballerisch wenig gerissen.

Dieser Satz trifft allerdings nicht auf die Klubmannschaften zu, die mit ZSKA Moskau (2005) und zuletzt Zenit St. Petersburg schon zweimal den Uefa-Cup gewonnen. Auf die Nationalmannschaft trifft der Satz aber allemal zu: Sowohl bei WM als auch bei EM konnte das Team, wenn es denn qualifiziert war, nie die Vorrunde überstehen.

Allerdings gibt es Gründe zu vermuten, dass es diesmal anders sein könnte. Grund eins heißt Guus Hiddinck. Der niederländische Trainer hat schon mit Südkorea und Australien gezeigt, dass er Teams, denen man nicht so viel zutraut, recht hoch führen kann. In der Qualifikation konnte Hiddinks Team immerhin sogar England ausschalten. Grund zwei heißt: Zenit St. Petersburg. Nicht nur wegen des aktuellen Erfolgs, sondern vor allem, mit wem dieser Erfolg gelang: nur drei Ausländer, ansonsten kicken nur Russen im Team von Dick Advocaat, der, auch eine Parallele zur Nationalelf, auch aus den Niederlanden stammt. Im Nationalkader von Guus Hiddinck kicken fast alle Spieler in der russischen Liga. Nur zwei Spieler – Marat Ismailow (Sporting Lissabon) und Ivan Saenko (1. FC Nürnberg) – spielen in halbwegs angesehenen internationalen Ligen. Aber sie sind weder in einer wirklichen Topliga (nein, auch die Bundesliga ist das nicht) noch bei einem wirklichen Topverein untergekommen. Grund drei könnte die Unterschätzung der anderen Teams bei der EM sein, gepaart mit dem Umstand, dass die Gruppe D nicht zu den stärksten Vorrundengruppen zählt.

Klubs

Die russischen Spitzenklubs bilden auf prägnante Weise die russische Gesellschaft ab: Der aktuelle Meister und frische Uefa-Cup-Sieger Zenit St. Petersburg wird von Gazprom finanziert, der Energiekonzern, der in Deutschland auch Schalke 04 unterstützt. ZSKA Moskau hat den Ölmilliardär Roman Abramowitsch im Hintergrund, der im englischen Fußball mit dem Champions-League-Finalisten Chelsea FC mit seinem Geld vertreten ist. In ZSKA schießt Abramowitsch 18 Millionen Dollar jährlich.

Das viele Geld und die erstaunlich rigide Abschottung vom Ausland, die sich in einer restriktiven Ausländerregel niederschlägt, sorgen für den Aufschwung. Und da es noch mehr Oligarchen als nur Abramowitsch gibt, ist die Lig auch durchaus spannend. In der erst im März begonnenen Liga findet sich auf Platz eins der im Westen kaum bekannte Rubin Kasan vor Amkar Perm, von dem man ähnliches behaupten kann. ZSKA Moskau belegte Platz sechs, und Zenit St. Petersburg bewegt gar nur Platz 14.

Gerade an Rubin Kasan, dem Klub aus Tatarstans Hauptstadt Kasan, lässt sich die Ausgewogenheit der russischen Premjer-Liga zeigen: Erst seit 2002 spielt das Team in der höchsten Klasse, erreichte 2003 gleich den dritten Platz, und spielte 2004 und 2007 um den Uefa-Cup mit.

Helden

Helden, so man von ihnen erwartet, dass sie auch außerhalb Russlands bekannt sind, hat der russische Fußball erstaunlich wenige hervorgebracht. Große Spieler der früheren Sowjetzeit wie etwa Oleg Blochin oder Igor Belanow waren Ukrainer.

Ein richtiger Russe, zumal eine der großen Legenden des Weltfußballs war Lew Jaschin. Der Torwart spielte bei Dynamo Moskau, 1963 wurde er Europas Fußballer des Jahres. In 78 Nationalmannschaftseinsätzen kassierte er gerade mal 70 Tore. Zur Jahrhundertwende wurde Lew Jaschin von dem Fußballstatistikverein IFFHS zum Welttorhüter des Jahrhunderts gewählt.

Fans

Erkundigt man sich bei den österreichischen und Schweizer Behörden, erfährt man überwiegend schlechtes über die russischen Fans. Man wisse wenig, schreibt etwa die österreichische «Presse», aber soweit wisse man immerhin Bescheid: «In Russland gelten die Anhänger von Zenit St. Petersburg als gewaltbereit.» Das gelte auch für die Nationalmannschaft.

Von Randale seitens St.-Petersburg-Fans wird des Öfteren berichtet. Es gibt übrigens eine Theorie, wonach das englische Wort Hooligan vom russischen chuligany, was Halbstarker oder Raufbold bedeutet, abgeleitet ist. Das hat, was die Medienberichte angeht, zur Folge, dass oft von Hooligans geschrieben wird, auch wenn der Hintergrund nichts mit Fußball zu tun hat. Russische Neonazis gelten in hiesigen Medienberichten oft als Hooligans.

Doch sind Bezüge zum Fußball auch hier nicht zu leugnen: Niederlagen gerade der russischen Nationalmannschaft gelten als Gründe loszuschlagen. Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea diente die Niederlage Russlands gegen Japan als Anlass in der russischen Hauptstadt loszuziehen. Ein Toter war damals zu beklagen.

Stadien

ZSKA und Dynamo Moskau spielen im Dynamo-Stadion in der Moskauer Innenstadt. Gerade mal 37.000 Fans passen hier hinein, und das 1928 gebaute Stadion könnte eine Modernisierung gut vertragen.

Wie die aussehen könnte, kann man sich beim Lokalrivale Lokomotive im Osten der Stadt anschauen. Der spielt im Lokomotive, einer hochmodernen, im Jahr 2001 fertiggestellten Arena, die 30.000 Plätze aufweist.

Spartak und Torpedo Moskau kicken im Olympiastadion, gebaut 1956 als Zentralstadion und modernisiert für die Olympischen Sommerspiele 1980. Mit 84.000 Plätzen ist es auch der ideale Austragungsort für große Länderspiele.

Eins der schönsten russischen Stadien ist das von Zenit St. Petersburg: das Petrowski-Stadion. Es fasst nur 21.000 Zuschauer und liegt direkt am Wasser, auf einer Insel in der Kleinen Newa. Langfristig setzt Zenit auf ein anderes, größeres Stadion, auch auf einer Insel gelegen: Das Kirow-Stadion wurde 2006 abgerissen und soll bis 2010 neu fertiggestellt werden: eine Arena für 62.000 Fans mit verschließbarem Dach und ausfahrbarem Rasen.

 
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