EM-Spezial Teil 16 - Russland:
«Rossija vperiod»
19.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Dieses Mal: Russland (Gruppe D zusammen mit Europameister Griechenland, Schweden und Dauerfavorit Spanien).
Allerdings gibt es Gründe zu vermuten, dass es diesmal anders sein könnte. Grund eins heißt Guus Hiddinck. Der niederländische Trainer hat schon mit Südkorea und Australien gezeigt, dass er Teams, denen man nicht so viel zutraut, recht hoch führen kann. In der Qualifikation konnte Hiddinks Team immerhin sogar England ausschalten. Grund zwei heißt: Zenit St. Petersburg. Nicht nur wegen des aktuellen Erfolgs, sondern vor allem, mit wem dieser Erfolg gelang: nur drei Ausländer, ansonsten kicken nur Russen im Team von Dick Advocaat, der, auch eine Parallele zur Nationalelf, auch aus den Niederlanden stammt. Im Nationalkader von Guus Hiddinck kicken fast alle Spieler in der russischen Liga. Nur zwei Spieler Marat Ismailow (Sporting Lissabon) und Ivan Saenko (1. FC Nürnberg) spielen in halbwegs angesehenen internationalen Ligen. Aber sie sind weder in einer wirklichen Topliga (nein, auch die Bundesliga ist das nicht) noch bei einem wirklichen Topverein untergekommen. Grund drei könnte die Unterschätzung der anderen Teams bei der EM sein, gepaart mit dem Umstand, dass die Gruppe D nicht zu den stärksten Vorrundengruppen zählt.
Gerade an Rubin Kasan, dem Klub aus Tatarstans Hauptstadt Kasan, lässt sich die Ausgewogenheit der russischen Premjer-Liga zeigen: Erst seit 2002 spielt das Team in der höchsten Klasse, erreichte 2003 gleich den dritten Platz, und spielte 2004 und 2007 um den Uefa-Cup mit.
Ein richtiger Russe, zumal eine der großen Legenden des Weltfußballs war Lew Jaschin. Der Torwart spielte bei Dynamo Moskau, 1963 wurde er Europas Fußballer des Jahres. In 78 Nationalmannschaftseinsätzen kassierte er gerade mal 70 Tore. Zur Jahrhundertwende wurde Lew Jaschin von dem Fußballstatistikverein IFFHS zum Welttorhüter des Jahrhunderts gewählt.
Von Randale seitens St.-Petersburg-Fans wird des Öfteren berichtet. Es gibt übrigens eine Theorie, wonach das englische Wort Hooligan vom russischen chuligany, was Halbstarker oder Raufbold bedeutet, abgeleitet ist. Das hat, was die Medienberichte angeht, zur Folge, dass oft von Hooligans geschrieben wird, auch wenn der Hintergrund nichts mit Fußball zu tun hat. Russische Neonazis gelten in hiesigen Medienberichten oft als Hooligans.
Doch sind Bezüge zum Fußball auch hier nicht zu leugnen: Niederlagen gerade der russischen Nationalmannschaft gelten als Gründe loszuschlagen. Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea diente die Niederlage Russlands gegen Japan als Anlass in der russischen Hauptstadt loszuziehen. Ein Toter war damals zu beklagen.
Wie die aussehen könnte, kann man sich beim Lokalrivale Lokomotive im Osten der Stadt anschauen. Der spielt im Lokomotive, einer hochmodernen, im Jahr 2001 fertiggestellten Arena, die 30.000 Plätze aufweist.
Spartak und Torpedo Moskau kicken im Olympiastadion, gebaut 1956 als Zentralstadion und modernisiert für die Olympischen Sommerspiele 1980. Mit 84.000 Plätzen ist es auch der ideale Austragungsort für große Länderspiele.
Eins der schönsten russischen Stadien ist das von Zenit St. Petersburg: das Petrowski-Stadion. Es fasst nur 21.000 Zuschauer und liegt direkt am Wasser, auf einer Insel in der Kleinen Newa. Langfristig setzt Zenit auf ein anderes, größeres Stadion, auch auf einer Insel gelegen: Das Kirow-Stadion wurde 2006 abgerissen und soll bis 2010 neu fertiggestellt werden: eine Arena für 62.000 Fans mit verschließbarem Dach und ausfahrbarem Rasen.
Für das Web ediert von Martin Krauss

