EM-Spezial Teil 15 - Spanien:
«Viva Espana»
15.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Dieses Mal: Dauerfavorit Spanien (Gruppe D zusammen mit Europameister Griechenland, Schweden und Außenseiter Russland). Lesen Sie am Montag, 19. Mai, unser Porträt Russlands.
Die Stärke der spanischen Liga und die Schwäche der Nationalelf korrelieren miteinander, und zwar schon immer: Das erste offizielle Fußballspiel Spaniens wurde 1890 zwischen Recreativo de Huelva und Colonia Inglesa Sevillana ausgetragen. Was man beim zweitgenannten Team wegen seines Namens ahnt, dass es eine Mannschaft englischer Arbeiter war, wird beim erstgenannten Team verborgen: Doch auch hier dominierten Engländer, nur zwei Spanier spielten mit.
Die Stärke der spanischen Liga verdankt sich der Finanzstärke der großen Klubs, und die wiederum verdankt sich dem Umstand, dass Fußball ein gigantisches soziales und kulturelles Phänomen darstellt. In der Zeit des Franco-Faschismus war Barcelona von den Faschisten aus dem katalanischen FC ins spanischsprachige CF umgetauft einer der wichtigsten Orte des Widerstands. Real Madrid hingegen war immer der Klub des Königs und der politischen Herrschaft.
Doch die Schwäche der Nationalelf sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Spanien auch dieses Jahr wieder als Favorit zum Turnier reist, dass es auch dieses Mal wieder auf der Fifa-Weltrangliste sehr gut platziert ist aktuell Platz vier und dass die «Furia Roja» mit großen Stars bestückt ist.
Und auch die spanische Öffentlichkeit wendet sich den Großklubs zu: Etwa ein Drittel der Spanier sympathisiert mit Real Madrid, etwa ein Viertel mit dem FC Barcelona, und der drittbeliebteste Klub ist abgeschlagen der FC Valencia mit 5,2 Prozent landesweiten Anhängern.
Oder Alfred di Stefano. Der gebürtige Argentinier war der übergroße Weltstar in einer Zeit, als es sogar für Spanien noch wichtig war, dass Weltstars den nationalen Pass besitzen: 1956, da spielte er schon bei Real Madrid, wurde die Stefano spanischer Staatsbürger und schuf damit die Voraussetzung, außer für die argentinische und die kolumbianische auch für die spanische Nationalelf zu spielen.
Doch nach die Stefano blieben die Weltstars meist bei ihrem alten Pass. Und mehrten so Spaniens Fußballruhm durch große Spiele für ihre Klubs. Bei Real Madrid etwa spielten, seit diese Ehrung 1990 eingeführt wurde, vier Weltfußballer des Jahres: Luis Figo, Ronaldo, Zinedine Zidane und Fabio Cannavaro. Der FC Barcelona konnte sogar fünf Mal den Spieler stellen, der diese große Ehre zugesprochen bekam: Romário (zwei Mal), Rivaldo und Ronaldinho (auch zwei Mal). Keiner dieser Spieler war Spanier.
Alles, was es an Hooliganismus gibt - aber auch an großer emphatischer und sympathischer Hingabe zum Fußball - findet sich entlang der Vereine. Sogar das Innenministerium verkündete kürzlich, dass die Nationalelf in Spanien nur «eine untergeordnete Rolle» spiele.
Aber jenseits der Nationalelf ist Fußballgewalt in Spanien schon ein Thema. In den letzten Monaten wurden etwa drei Fans von Espanol Barcelona zu je drei Jahren Gefängnis verurteilt: Sie hatten beim Derby gegen den FC Barcelona ein auch politisch aufgeladenes Duell, denn Barca steht für die katalonische Autonomie, Espanol für die Anbindung Kataloniens zu Zentralspanien Gegenstände aufs Spielfeld geworfen. Und ein Fan von Betis Sevilla wurde zu einer 60.000-Euro-Geldstrafe verurteilt: Er hatte einen gegnerischen Fan mit einem Baseballschläger schwer verletzt.
An Ruhm steht das Santiago-Bernabeu-Stadion in Madrid dem Camp Nou kaum nicht nach. Die Heimstätte von Real Madrid fasst 80.000 Zuschauer. Es wurde mehrfach in seiner Geschichte sehr gründlich umgebaut. Auch das Bernabeu gilt als eines der Topstadien der Welt, das Champions-League-Finale 2010 wird hier ausgetragen werden.
Doch, wie beim aktiven Fußball so im Stadionbau, auch außerhalb von Madrid und Barcelona gibt es sehenswertes. In Sevilla beispielsweise gibt es ein Olympiastadion nur, weil die Stadt sich letztlich erfolglos um die Ausrichtung der Spiele 2004 beworben hatte. Die miteinander verfeindeten Klubs Betis und FC Sevilla tragen ihre Spiele aber lieber in dem je eigenen Stadion aus.
Für das Web ediert von Martin Krauss

