EM-Spezial Teil 15 - Spanien:
«Viva Espana»
15. Mai 2008 13:34
 |  Aufgestellte Erfolglosigkeit: die spanische Nationalelf bei der WM 2006 | Foto: dpa |
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16 Länder nehmen an der Europameisterschaft im Juni in der Schweiz und in Österreich teil. Wir stellen jedes Land vor: seine fußballerischen Fähigkeiten, seine Fans, seine Helden und seine Stadien.
Im Juni findet es statt, das Schaulaufen der europäischen Nationen in kurzen Hosen und auf grünem Rasen. Die Netzeitung stellt die Teilnehmer der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz vor. Dieses Mal: Dauerfavorit Spanien (Gruppe D zusammen mit Europameister Griechenland, Schweden und Außenseiter Russland). Lesen Sie am Montag, 19. Mai, unser Porträt Russlands.
Spanien in der Fußballwelt
Spanien steht in der Fußballwelt besser da als die Fußballwelt in Spanien. Vor wenigen Jahren fand eine europaweit angelegte Studie heraus, dass Spanien das einzige Land Europas ist, in dem sich die Fans mehr für die nationale Liga interessieren als für Welt- oder Europameisterschaften.
Für dieses sympathisch unnationalistische Fanverhalten gibt es auch gute Gründe: Von allen Spitzennationalmannschaften in der ganzen Welt dürfte die spanische die notorisch erfolgloseste sein. Ein Titel, nämlich der EM-Gewinn 1964 im eigenen Land, konnte verbucht werden. Und das in dem Land, das mit Real Madrid und dem FC Barcelona zwei der seit Jahrzehnten besten Klubmannschaften der Welt stellt.Die Stärke der spanischen Liga und die Schwäche der Nationalelf korrelieren miteinander, und zwar schon immer: Das erste offizielle Fußballspiel Spaniens wurde 1890 zwischen Recreativo de Huelva und Colonia Inglesa Sevillana ausgetragen. Was man beim zweitgenannten Team wegen seines Namens ahnt, dass es eine Mannschaft englischer Arbeiter war, wird beim erstgenannten Team verborgen: Doch auch hier dominierten Engländer, nur zwei Spanier spielten mit.
Die Stärke der spanischen Liga verdankt sich der Finanzstärke der großen Klubs, und die wiederum verdankt sich dem Umstand, dass Fußball ein gigantisches soziales und kulturelles Phänomen darstellt. In der Zeit des Franco-Faschismus war Barcelona – von den Faschisten aus dem katalanischen FC ins spanischsprachige CF umgetauft – einer der wichtigsten Orte des Widerstands. Real Madrid hingegen war immer der Klub des Königs und der politischen Herrschaft.
Doch die Schwäche der Nationalelf sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Spanien auch dieses Jahr wieder als Favorit zum Turnier reist, dass es auch dieses Mal wieder auf der Fifa-Weltrangliste sehr gut platziert ist – aktuell Platz vier – und dass die «Furia Roja» mit großen Stars bestückt ist.
Klubs
Dass die erste spanische Liga, die Liga de Fútbol Profesional, so stark ist, liegt daran, dass Barca und Real ab und an auch schwächeln. So stark die Teams im Weltfußball verankert sind, so sehr gelingt es anderen spanischen Mannschaften doch immer, ihnen in der nationalen Liga ein Bein zu stellen. Wie man zuletzt seit dem FC Getafe weiß – dem zweimaligen Vizepokalsieger, der um ein Haar Bayern München aus dem Uefa-Cup geworfen hätte.
Dennoch, in den letzten zehn Jahren gab es nur zweimal einen Meister, der nicht Barca oder Real hieß: 2002 war es der FC Valencia, 2000 Deportivo La Coruna. Und in den zehn Jahren zuvor konnte sich nur Atletico Madrid 1996 einmal dazwischen drängen.Und auch die spanische Öffentlichkeit wendet sich den Großklubs zu: Etwa ein Drittel der Spanier sympathisiert mit Real Madrid, etwa ein Viertel mit dem FC Barcelona, und der drittbeliebteste Klub ist abgeschlagen der FC Valencia mit 5,2 Prozent landesweiten Anhängern.
Helden
Ein Land, das den FC Barcelona und Real Madrid hervorgebracht hat, schuf damit zwangsläufig auch große Fußballhelden. Ihre Liste wäre nie vollständig, und auch mit wem man anfangen sollte, lässt sich kaum klären: Emilio Butragueno, Luis Enrique, Luis Suarez, Ricarodo Zamora, Fernando Hierro, Juanito, Andoni Zubizarreta oder oder oder.Oder Alfred di Stefano. Der gebürtige Argentinier war der übergroße Weltstar in einer Zeit, als es sogar für Spanien noch wichtig war, dass Weltstars den nationalen Pass besitzen: 1956, da spielte er schon bei Real Madrid, wurde die Stefano spanischer Staatsbürger und schuf damit die Voraussetzung, außer für die argentinische und die kolumbianische auch für die spanische Nationalelf zu spielen.
Doch nach die Stefano blieben die Weltstars meist bei ihrem alten Pass. Und mehrten so Spaniens Fußballruhm durch große Spiele für ihre Klubs. Bei Real Madrid etwa spielten, seit diese Ehrung 1990 eingeführt wurde, vier Weltfußballer des Jahres: Luis Figo, Ronaldo, Zinedine Zidane und Fabio Cannavaro. Der FC Barcelona konnte sogar fünf Mal den Spieler stellen, der diese große Ehre zugesprochen bekam: Romário (zwei Mal), Rivaldo und Ronaldinho (auch zwei Mal). Keiner dieser Spieler war Spanier.
Fans
Das große Thema des spanischen Fußballs – starke Vereine und schwache Nationalmannschaft – spiegelt sich auch bei den Fans. Die Nationalelf hat kaum Fans, schon gar keine Problemfans.Alles, was es an Hooliganismus gibt - aber auch an großer emphatischer und sympathischer Hingabe zum Fußball - findet sich entlang der Vereine. Sogar das Innenministerium verkündete kürzlich, dass die Nationalelf in Spanien nur «eine untergeordnete Rolle» spiele.
Aber jenseits der Nationalelf ist Fußballgewalt in Spanien schon ein Thema. In den letzten Monaten wurden etwa drei Fans von Espanol Barcelona zu je drei Jahren Gefängnis verurteilt: Sie hatten beim Derby gegen den FC Barcelona – ein auch politisch aufgeladenes Duell, denn Barca steht für die katalonische Autonomie, Espanol für die Anbindung Kataloniens zu Zentralspanien – Gegenstände aufs Spielfeld geworfen. Und ein Fan von Betis Sevilla wurde zu einer 60.000-Euro-Geldstrafe verurteilt: Er hatte einen gegnerischen Fan mit einem Baseballschläger schwer verletzt.
Stadien
98.787 Zuschauer fasst das Camp Nou, das große Stadion des FC Barcelona. 48 Meter hoch, 250 Meter lang, 220 Meter breit und mit drei Rängen versehen. Das Camp Nou, katalanisch für «neues Feld», ist eins der beeindruckendsten Fußballstadien der Welt. 1982, für die WM in Spanien, wurde es sogar um einen vierten Rang erweitert und fasste damals 120.000 Zuschauer.An Ruhm steht das Santiago-Bernabeu-Stadion in Madrid dem Camp Nou kaum nicht nach. Die Heimstätte von Real Madrid fasst 80.000 Zuschauer. Es wurde mehrfach in seiner Geschichte sehr gründlich umgebaut. Auch das Bernabeu gilt als eines der Topstadien der Welt, das Champions-League-Finale 2010 wird hier ausgetragen werden.
Doch, wie beim aktiven Fußball so im Stadionbau, auch außerhalb von Madrid und Barcelona gibt es sehenswertes. In Sevilla beispielsweise gibt es ein Olympiastadion – nur, weil die Stadt sich letztlich erfolglos um die Ausrichtung der Spiele 2004 beworben hatte. Die miteinander verfeindeten Klubs Betis und FC Sevilla tragen ihre Spiele aber lieber in dem je eigenen Stadion aus.
Für das Web ediert von Martin Krauss