Einen Monat vor EM-Beginn:
Löws finale Sichtung
09. Mai 13:31
 |  Entscheidungen gefragt: Bundestrainer Joachim Löw | Foto: dpa |
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Ursprünglich wollte der Bundestrainer am 16. Mai das Aufgebot für die Europameisterschaft benennen, der Meldeschluss der Uefa aber lässt noch Spielraum. An den letzten Bundesliga-Spieltagen werden die Akteure noch einmal genau beobachtet.
Zwei Spieltage vor dem Saisonende geht der Kampf um die 23 Plätze im Kader für die EM 2008 geht in die entscheidende Phase - und Joachim Löw schickt noch einmal all seine Scouts in die Stadien der Bundesliga. Der Bundestrainer selbst wird vor dem Fernseher sitzen und Kontakt halten. «Ich werde mir von zu Hause nochmals einen Gesamtüberblick verschaffen», berichtete Löw der dpa.
Zuletzt war auch der DFB-Chefcoach intensiv auf Scouting-Tour, erst beobachtete er Schalke, dann Mönchengladbach. Seinen Torwart-Coach Andreas Köpke hatte er nach Leverkusen entsandt. Ab Pfingstmontag folgt dann zusammen mit dem Trainerstab der Nationalmannschaft die finale dreitägige Klausur, «da machen wir die gesamte Auswertung», erklärte Löw am Freitag.
Vier Kandidaten für freien Platz im Angriff
Pluspunkte bei Löw sammelten in den vergangenen Wochen Oliver Neuville und Patrick Helmes, die in der 2. Bundesliga glänzten. Zumindest einer von ihnen darf wahrscheinlich am 19. Mai mit ins Trainingslager nach Mallorca. «Wir machen keinen Halt vor der 2. Liga. Neuville hat mit seinen Toren maßgeblichen Anteil daran, dass Borussia Mönchengladbach der direkte Wiederaufstieg gelungen ist. Und auch Helmes hat mit Köln eine sehr gute Rückrunde gespielt», sagte Löw. Da auch noch Mike Hanke und Stefan Kießling im Rennen um den fünften Stürmer-Platz nach Klose, Gomez, Podolski und Kuranyi sind, meinte Löw: «Das ist die schwierigste Entscheidung. Jeder hat seine Stärken.»
Metzelder lässt hoffen
Gute Nachrichten bekam der Bundestrainer in dieser Woche von «Sorgenkind» Christoph Metzelder, der wegen einer Fußsohlen-Verletzung 2008 noch kein Spiel bestreiten konnte. «Es sieht gut aus. Christoph trainiert schon seit einiger Zeit bei Real Madrid voll mit der Mannschaft und hat keine Probleme», berichtete der Bundestrainer. Dennoch deutet immer mehr darauf hin, dass Löw mit 25 oder 26 Spielern ins Trainingscamp reisen und erst zum Meldeschluss am 28. Mai der Uefa die endgültigen 23 Namen nennen könnte. Im Trainerstab hat man diese Variante schon intensiv diskutiert.
Entscheidung nach hinten verschieben
«Warum soll man das nicht nutzen, wenn man die Möglichkeit hat? Wenn ein Spieler bei uns auf Mallorca mittrainiert, hat das eine ganz andere Qualität als wenn einer allein im Urlaub am Strand trainieren muss», zeigte Löw einen Vorteil der späteren Nominierung auf, vor allem wenn Verletzungen auftreten sollten und Nachrücker nötig werden. «Man kann das als positiven Konkurrenzkampf sehen, zudem haben wir noch ein Testspiel», ergänzte der Bundestrainer. Er könnte dann noch die Eindrücke der Partie gegen Weißrussland am 27. Mai in Kaiserslautern in die letzte Entscheidung einfließen lassen. Auch die Aussage von Teammanager Oliver Bierhoff passt in diesen Plan. Der hatte gewarnt: «Wir müssen auf der einen oder anderen Position aufpassen, dass wir nicht zu wenig Alternativen haben.»
Wackelkandidaten mit neuer Hoffnung
Der Nachteile dieser Taktik ist sich die sportliche Leitung allerdings auch bewusst: «Es gäbe natürlich eine Diskussion: Wer geht nach Hause? Kann es auch mich treffen? Da ist die Frage, wie man damit auch öffentlich umgeht», meinte Löw, der am kommenden Freitag auf der Zugspitze das Geheimnis um die «EM-Bergtour 2008» lüften wird. Ohnehin sind noch höchstens zwei oder drei Positionen im 23er Kader wirklich offen. Der Bremer Tim Borowski und der Wahl-Spanier David Odonkor haben mit einer deutlichen Formverbesserung und auch mit Toren zuletzt ihre Ambitionen unterstrichen. «Ich würde mich freuen, wenn man sich spätestens auf Mallorca wiedersieht», sagte Borowski, der von Löw in diesem Jahr zu den Tests in Österreich (3:0) und der Schweiz (4:0) wie Odonkor noch nicht berücksichtigt worden war.
Auch der Schalker Jermaine Jones scheint plötzlich wieder als Überraschung denkbar. «Er hat seine eigene Art zu spielen, ist sehr einsatzstark», sagte Löw. Und gerade auf die «besonderen Fähigkeiten» legt der 48- jährige Cheftrainer großen Wert. (dpa/nz)