EM-Spezial Teil 14 - Schweden:
«Heja Sverige»
12. Mai 2008 14:12, ergänzt 15. Mai 2008 11:04
 |  Traurige Erinnerung: Schwedische Fans bei der WM 2006 | Foto: dpa |
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16 Länder nehmen an der Europameisterschaft im Juni in der Schweiz und in Österreich teil. Wir stellen jedes Land vor: seine fußballerischen Fähigkeiten, seine Fans, seine Helden und seine Stadien.
Im Juni findet es statt, das Schaulaufen der europäischen Nationen in kurzen Hosen und auf grünem Rasen. Die Netzeitung stellt die Teilnehmer der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz vor. Dieses Mal: Schweden (Gruppe D zusammen mit Europameister Griechenland, Favorit Spanien und Außenseiter Russland). Lesen Sie am Donnerstag, 15. Mai, unser Porträt Spaniens.
Schweden in der Fußballwelt
Schweden steht, schaut man sich die gesamte Fußballhistorie an, nicht schlecht da: Vizeweltmeister wurde das Team 1958, nachdem es, mit nicht gerade geringem Heimvorteil, gegen Deutschland gewonnen hatte. Zuletzt, bei der WM 2006, schied das Team im Achtelfinale gegen Deutschland aus, 2002 erreichten sie auch das Achtelfinale, und 1994 gar den dritten Platz.
Aber Schweden, auf dem nicht unbedingt viel Perspektive verheißendem 23. Platz der Fifa-Weltrangliste gerankt – hinter den USA, Israel oder der Elfenbeinküste -, fällt nie so recht auf. In der Qualifikation zur EM folgte einem bemerkenswerten 2:0-Sieg über Spanien eine 1:2-Niederlage gegen Nordirland.Nicht mal das lustige Etikett „Turniermannschaft“ mag man dem Team, das mittlerweile alleine von Lars Lagerbäck betreut wird, anheften. Schließlich war das 2006er-Achtelfinale eher ein unverdienter Erfolg, und dass sich das Team von Auftritt zu Auftritt gesteigert hätte, ist auch niemandem in Erinnerung. Wenn schon Etikett, dann könnte man das Team „potenzielle Überraschungsmannschaft“ nennen – aber wer, bitte, ist das nicht?
Klubs
Die schwedische Liga gehört nicht zu den starken Europas. Es gibt den IFK Göteoborg, der immerhin schon zwei Mal den Uefa-Cup gewonnen hat und der, nach langer sportlicher Krise im vergangenen Jahr wieder als Meister abschloss. In dieser Saison, die in Schweden noch jung ist: sie begann Ende März, liegt IFK Göteborg auf Platz zwei.
Das Überraschungsteam des schwedischen Fußballs ist Kalmar FF, amtierender Pokalsieger. Deren bislang größter Erfolg ist mal ein Platz drei in der Allsvenskan, der schwedischen ersten Liga, und das Erreichen der 2. Runde im Europapokal der Pokalsieger – als es den noch gab: 1987/88.Zu den größeren schwedischen Teams zählt noch Hammarby IF, einer der wenigen Spitzenklubs aus der Hauptstadt Stockholm. Eine Meisterschaft und eine Vizemeisterschaft in den letzten zehn Jahren zeigen, dass der Klub Perspektive hat.
Helden
Was die Stars angeht, so war Schweden vor zwei Jahren noch besser besetzt als gegenwärtig. Zwar laufen mit Fredrik Ljungberg – den das Internetlexikon Wikipedia als „Fußballspieler und Fotomodell“ vorstellt – und dem zwischenzeitlich aus disziplinarischen Gründen verbannten Zlatan Ibrahimovic noch international bekannte Spieler auf. Mit Markus Rosenberg von Werder Bremen kann man auch einen in der Bundesliga bekannten Stürmer erwarten. Aber das Gros des Kaders von Trainer Lars Lagerbäck kommt aus der schwedischen Liga und ist international noch nicht so bekannt. Ausnahmen bilden Torwart Andreas Isaksson (Manchester City), Christian Wilhelmsson (Deportivo La Coruna) oder auch Matias Concha vom VfL Bochum.
Mit klangvollen Namen von früher kann es diese Blagult, so der Spitzname der Auswahl, nicht aufnehmen. Für Tomas Brolin oder Thomas Ravelli gab es keinen richtigen Ersatz. Und für einen, aus der Bundesliga der siebziger Jahre bekannten Torwart wie Ronny Hellström auch nicht. Immerhin, Henrik Larsson, 36jähriger eigentlich schon zurückgetretener Stürmer, gab jüngst sein Comeback bekannt. Und prompt gehen die schwedischen Hoffnungen nach oben.
Fans
Schwedens Liga ist international betrachtet nicht die stärkste, aber sie hat ein Fanproblem. Es gibt eine Reihe organisierter Hooligans: Zur WM in Deutschland reisten etwa 120 Hools an. Nicht nur entlang der Länderspiele treten schwedische Hools in Aktion, auch in der Liga machen sie oft von sich reden. Weil der Problemdruck so groß ist, hat die schwedische Sektion von Attac, der globalisierungskritischen Organisation, eine Arbeitsgruppe zu „Hooliganismus und Neonazismus“ eingerichtet.
Stadien
Als Gastgeberland der Europameisterschaft 1992 konnte Schweden einen großen Teil der Stadien modernisieren. Und als die Frauen-WM 1995 stattfand, geschah ähnliches noch einmal. Das traditionsreichste Stadion ist das Rasundastadion in Solna, einer Stadt nahe Stockholm. Etwa 36.000 Zuschauer fasst es, und es fungiert als Nationalstadion. In der Liga wird es vor allem für die Derbys der Stockholmer Mannschaften benötigt.
Der IFK Göteborg spielt im Ullevi, ein Stadion, das deutschen Fans noch von 1958 gekannt sein könnte, als es Ort des WM-Halbfinals zwischen Deutschland und Schweden war. 2005 wurde es gründlich umgebaut, und 2006 fand hier die Leichtathletik-WM statt.. Es fasst nun 43.000 Zuschauer.
Für das Web ediert von Martin Krauss