Lahm: Ich bin der Richtige für Linksaußen
31.03.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Netzeitung: Innerhalb eines Jahres ist es mit Ihrer Karriere steil bergauf gegangen. Wie haben Sie das erlebt?
Philipp Lahm: Es war natürlich sensationell schnell. Noch vor einem Jahr habe ich Regionalliga gespielt und habe mir natürlich Gedanken gemacht, wie ich in die Bundesliga komme. Und jetzt bin ich beim VfB Stuttgart, das ist Klasse.
Netzeitung: Wenn man mit 17 oder 18 Jahre die Nationalmannschaft im Fernsehen sieht, stellt man sich dann vor, dass man selbst irgendwann dabei ist?
Lahm: Man träumt natürlich davon, in der Nationalmannschaft zu spielen. Schon als kleiner Junge. Das es jetzt so schnell gegangen ist und ich dabei bin, ist natürlich was ganz besonderes.
Lahm: Man sagt natürlich erst mal allen Hallo. Die haben mich auch super aufgenommen die Spieler. Deswegen konnte ich auch meine Leistung bringen. Das ist für mich sehr wichtig und deshalb fühle ich mich hier auch wohl.
Netzeitung: Traut man sich im Training auch mal laut zu werden oder Kommandos zu brüllen?
Lahm: Man hält sich vielleicht noch ein bisschen zurück. Vor allem im ersten Länderspiel. Aber man muss natürlich auf dem Platz mit den anderen reden. Das ist ganz normal und gehört zum Fußball dazu. Das nehmen alle anderen Spieler auch nicht negativ auf, sondern eher positiv.
Lahm: Ich hoffe es natürlich.
Netzeitung: Angst, dass es nicht klappen könnte?
Lahm: Nein, Angst darf man nie haben! Ich bin zuversichtlich. Aber ich weiß auch, dass ich nicht davon ausgehen kann. Ich bin ja erst zum zweiten Mal dabei. Ich hoffe, wie gesagt, dass ich dabei bin und es würde mich sehr freuen.
Netzeitung: Mal ehrlich. Spielen sie den Linksaußen, weil Rudi Völler keine Alternativen hat oder sind sie der Mann?
Lahm: Ich glaube, ich habe in der Saison bewiesen, dass ich links spielen kann. Ich glaube, ich habe auch in der Champions League gute Spiele gemacht, also international. Deswegen bin ich hier dabei. Wegen meiner Leistungen, weil ich gut gespielt habe. So denke ich.
Netzeitung: Was ist gegen Belgien drin?
Lahm: Sie sind bei der EM nicht dabei. Aber es ist eine gute Mannschaft mit namhaften Spielern. Es wird sicher schwer, denn Belgien ist spielerisch eine gute Mannschaft.
Netzeitung: Ihre Ausleihe des FC Bayern an den VfB Stuttgart läuft 2005 aus? Gehen Sie gerne zurück?
Lahm: Das ist noch über ein Jahr. Da denke ich noch nicht dran. Zur Zeit fühle ich mich wohl, aber es kann so viel passieren, bis ich weg muss. Deswegen: Ich spiele Fußball beim VfB Stuttgart. Etwas anderes interessiert mich derzeit nicht.
Lahm: Man muss sich mal vorstellen, was Felix Magath mit Stuttgart schon alles erreicht hat. Es läuft gut mit dem Trainer. Für ihn ist der VfB Stuttgart auch was besonderes. Deshalb gehe ich nicht davon aus, dass er weggeht. Ich gehe davon aus, dass er bis 2005 bleibt.
Netzeitung: Haben Magath und ihr früherer Trainer Hermann Gerland Gemeinsamkeiten?
Lahm: Nein, die kann man nicht vergleichen. Das sind ganz unterschiedliche Menschen. Aber doch. Eine Gemeinsamkeit haben sie: Sie sind beide sehr ehrlich, und das schätze ich sehr.
Netzeitung: Als Magath die Meisterschaft als Ziel ausgegeben hat, dachtet Sie da tatsächlich, dass es noch klappen kann?
Lahm: Klar, wenn der Trainer so was sagt, nimmt man es ernst. Aber, wenn man Meister werden will, darf man gegen Köln eben nicht Unentschieden spielen. Dann hätten wir auch am Sonntag gegen Bremen gewinnen müssen.
Lahm (lacht): Die wissen, dass ich das hinkriege. Alle meine Verwandten und Bekannten freuen sich für mich. Ich bin auch nicht der Typ, der abhebt. Ich hoffe es! Ich glaube meine Eltern und meine ältere Schwester würden mich schnell wieder auf den Boden der Realität holen. Die sitzen auch alle vorm Fernseher und gucken das Spiel.
Netzeitung: Und wenn Sie nach Spielen in den Bus steigen, ist das Handy dann voller Nachrichten?
Lahm: Ich steige in den Bus ein, schalte das Handy an und rufe zu aller erst meine Eltern an. Für mich gehört es dazu. Ich habe regelmäßigen Kontakt mit meinen Eltern. Die freuen sich riesig und wollen wissen, ob es mir gut geht.
Netzeitung: Sind Sie als Kind wegen ihres Nachnamens gehänselt worden?
Lahm: Nein, ich war schon im Kindergarten einer der Schnellsten. Da kam keiner auf die Idee.
Lahm: Ich würde nie sagen, dass ich beidfüssig bin. Ich glaub mein linker Fuß ist ganz okay. Ich kann einen vernünftigen Pass spielen, kann mit links auch flanken. Ich übe das im Training. Ich weiß, das muss ich verbessern. Klar spiele ich trotzdem lieber Pässe mit rechts.
Netzeitung: Haben Sie ein großes Ziel als Fußballer?
Lahm: Ziele muss man immer haben im Leben. Auch als Fußballer. In dieser Saison ist es mit Stuttgart mein Ziel, Zweiter in der Liga zu werden und die direkte Qualifikation für die Champions League zu schaffen. Das andere Ziel ist, dass ich bei der Europameisterschaft dabei bin.
Netzeitung: Das sind kurzfristige Ziele.
Lahm: Ja. Erst wenn das vorbei ist, kann man sich aufs nächste konzentrieren. Immer Step by Step.
Das Interview mit Philipp Lahm führte Dorothea Jantschke

