netzeitung.de«Flitzer» macht Schleichwerbung

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Flitzer im Frankenstadion. (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Flitzer im Frankenstadion.
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Bereits zum vierten Mal störte ein «Flitzer» ein Fußballspiel beim Confed Cup. Beim Zwischenfall im Frankenstadion hatte der Mann allerdings ein ganz bestimmtes Anliegen.

Die Zwischenfälle durch Chaoten beim Confederations Cup haben eine neue Qualität erreicht. Der 27 Jahre alte spanische Störenfried, der am Samstag beim 2:3 von Vize-Weltmeister Deutschland gegen WM-Titelträger Brasilien in Nürnberg bereits in der siebten Minute auf das Spielfeld des Frankenstadions gestürmt war, wurde für seine Aktion bezahlt, um Schleichwerbung zu betreiben.

Der Mann trug auf seinem T-Shirt die Aufschrift eines Internet-Wettanbieters aus den USA (www.golden-palace.com) und warb damit für ein im US-Bundesstaat Nevada ansässiges Online-Spielkasino. Offenbar wurde der Mann von einem Discotheken-Besitzer aus Barcelona bezahlt. Schiedsrichter Carlos Ghandia (Chile) musste wegen der Aktion des Iberers die Partie kurzfristig unterbrechen.

Casino in Nevada verantwortlich
Für solche Marketing-Aktionen vor einem Millionen-TV-Publikum ist das Casino aus Nevada geradezu berüchtigt, Freiwillige werden speziell dafür geschult und auch bezahlt. In Deutschland gab es einen ähnlichen Auftritt zuletzt bei den letztjährigen Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Dortmund, seinerzeit direkt vor dem Kürauftritt der mehrfachen Weltmeisterin Michelle Kwan aus den USA.

Die Behörden leiteten gegen den spanischen Spielfeldläufer, der bei seinem Störmanöver eine Knieverletzung erlitt, Ermittlungen wegen Hausfriedensbruchs ein. Gegen eine Kaution von 400 Euro entließ die Polizei den Mann wieder aus dem Gewahrsam. «Das ist ärgerlich, unerfreulich und ein Thema für das OK. So etwas muss natürlich verhindert werden», sagte Bundestrainer Jürgen Klinsmann nach der Begegnung.

Insgesamt wurden vier Störenfriede, die aufs Spielfeld gelaufen waren, beim Confed-Cup bis einschließlich des Halbfinales Deutschland-Brasilien verzeichnet. Bei einigen waren Wetten der Hintergrund für das Eindringen in den Stadioninnenraum. Mehr als ein bundesweites Stadionverbot kann allerdings nicht ausgesprochen werden. Eine Klage gegen den Spanier wird es nicht geben, die Möglichkeit mit einer drakonischen Straf abzuschrecken, ist nicht gegeben.

Security besser schulen
«Es gibt in Deutschland keine juristische Grundlage dafür», sagte WM-OK-Sprecher Gerd Graus auf sid-Anfrage. Die Ordnungskräfte sollen im Hinblick auf die WM 2006 (9. Juni bis 9. Juli) noch besser geschult werden, um ähnliche Vorkommnisse im kommenden Jahr zu verhindern. «Die Stewards werden für die WM auf den Umgang mit diesen Situationen speziell trainiert werden», sagte Graus.

Die Sicherheitsfragen müssen im Hinblick auf die WM 2006 allerdings grundsätzlich neu diskutiert werden. Auch die Frage, ob nicht letztlich doch wieder Zäune in den zwölf WM-Stadien 2006 installiert werden müssen, um ähnliche Zwischenfälle wie beim Konföderationen-Cup auszuschließen. «Wir wollen keine Zäune. Das widerspricht unserer Philosophie. Wir wollen auch keinen Kordon von Sicherheitskräften im Innenraum. Aber wir müssen die Lage analysieren. Bislang haben wir alle acht bis zehn Meter einen Sicherheitsmann stehen. Wer den Vorsatz hat, in den Innenraum zu gelangen, lässt sich schon etwas einfallen, um die Aufmerksamkeit abzulenken», hatte OK-Vize-Präsident Horst R. Schmidt zuletzt erklärt. Graus kündigte an, dass alle Dinge nach dem Confed Cup neu diskutiert werden - auch die Wiedererrichtung von Zäunen. (nz)