Manchester United im CL-Finale:
Späte Genugtuung für Paul Scholes
30. Apr 2008 14:27
 |  Paul Scholes (l.) und Carlos Tevez feiern den Finaleinzug | Foto: AP |
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Neun Jahre nach dem für ihn verpassten Finale von Barcelona sichert der Mittelfeldmotor aus Manchester seinem Team den Einzug in das Endspiel der Königsklasse. Und diesmal soll Scholes im Finale auch auf dem Platz stehen.
Darauf hatte Paul Scholes neun Jahre gewartet: Nun darf der Mittelfeldspieler doch noch ein Champions-League-Finale für Manchester United bestreiten. Bei ManU's legendärem 2:1-Sieg im Jahr 1999 über Bayern München hatte Scholes wegen einer Gelbsperre zuschauen müssen. Jetzt sorgte der Rotschopf mit einem Sonntagsschuss aus 25 Metern selbst dafür, dass Manchester das Halbfinalrückspiel gegen den FC Barcelona 1:0 gewann und nach dem 0:0 im Hinspiel ins Endspiel einzog.
Im Finale am 21. Mai in Moskau - dem ersten rein englischen Endspiel der Champions-League-Geschichte - hat der Schütze des Goldenen Tores von Old Trafford seinen Platz bereits sicher. «Paul wird in der Mannschaftsliste an erster Stelle stehen», versprach Trainer Sir Alex Ferguson. «Scholes repräsentiert den Geist dieser Elf.» Der ManU-Dauerbrenner hatte in der 14. Minute von einer verunglückten Abwehr des Barça-Verteidigers Gianluca Zambrotta profitiert und den Ball in den rechten Torwinkel gedroschen.
Kommentarloser Held
«Der Schweiger Scholes macht von sich reden», titelte die «Times». Der für seine Bescheidenheit bekannte Torschütze blieb jedoch seinem Stil treu und verschwand nach dem Abpfiff wortlos aus dem Stadion. Die Zeitung konnte sich allerdings denken, was der wortkarge Scholes wohl von sich gegeben hätte: «Ich habe den Ball halt reingehauen.» Barcelona vergab nach dem Aus im Rennen um die spanische Meisterschaft die letzte Chance, doch noch einen Titel zu gewinnen. Die Katalanen waren wie schon im Hinspiel zumeist feldüberlegen, spielten aber kaum zwingende Torchancen heraus. «Wir haben besser gespielt, aber kein Tor geschossen», meinte Spielmacher Xavi.
Rijkaard vor dem Abschied
Die Blauroten stehen nach zwei Jahren ohne Titel vor einem Neuanfang. «Dieses Barça ist erledigt», konstatierte die Zeitung «El Periódico». «Die Ära von Trainer Frank Rijkaard und Ronaldinho ist zu Ende.» Das Blatt «El País» fand noch drastischere Worte: «Barça stirbt in Old Trafford wie ein Vögelchen, ohne einen Pieps von sich zu geben.» Rijkaard selbst ließ seine Zukunft offen. «Ich trete nicht zurück», sagte der Niederländer. «Anders sieht die Lage aus, wenn die Spieler mich darum bäten zu gehen.» Die katalanische Presse geht jedoch davon aus, dass eine Ablösung Rijkaards beschlossene Sache ist. Als Favorit für die Nachfolge gilt der Ex-Kapitän Josep Guardiola, der derzeit die B-Elf betreut. Das Fachblatt «Sport» will auch wissen, welche Spieler bei Barça auf der «Abschussliste» stehen: Ronaldinho, Zambrotta, Lilian Thuram, Edmilson, Deco, Santiago Ezquerro und Eidur Gudjohnson sollen nach Angaben der Zeitung den Club verlassen.
Ronaldinhos Schuld
Während in Barcelona Untergangsstimmung herrscht, macht ManU sich Hoffnungen auf ein Double von englischer Meisterschaft und Europapokal. «Das lange Warten ist vorbei - für Ferguson, und erst recht für Scholes», jubelte die Boulevardzeitung «Daily Mail». «Das zweite Champions-League-Finale für den besten Trainer und das erste für den herausragenden Spieler seiner Generation.» Spielerisch blieb der Tabellenführer der Premier League allerdings einiges schuldig. «Die ManU-Elf wirkte bieder, sie zeigte weder Größe noch Risikofreude», bemängelte das Madrider Sportblatt «As». Auf der Gegenseite war bei Barça auch nicht alles schlecht. «Die Blauroten wahrten ihren Stil und ihre Klasse», betonte «El País». «Sie schieden aus wegen der Formschwäche ihres Torjägers Samuel Eto'o und wegen des Wankelmuts des (verletzten) Ronaldinho, der die ganze Saison nicht in Erscheinung trat.» An Herbert Fandel hatte indes niemand etwas auszusetzen. Der deutsche Schiedsrichter lieferte eine tadellose Partie. (dpa)