Erst fassungslos, dann enttäuscht: Cristiano Ronaldo nach seinem verschossenen Elfer
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Mit einem ansprechenden Spiel vor fast 100.000 Zuschauern im Camp Nou meldet sich der FC Barcelona wieder zurück und «gibt Anlass zum Träumen». Doch der Weckruf kam vom Gegner. Mit Video.
Die gestrige Halbfinal-Partie der Champions League zwischen dem gastgebenden FC Barcelona und Manchester United stand schon im voraus unter dem Stern zweier Akteure. Dass beide das Spiel dann auch entscheidend prägten, war also keine Überraschung – nur die Art und Weise. Während Barca-Jungstar Lionel Messi bis zu seiner Auswechslung in der 62. Minute der beste Spieler auf dem Platz war, sorgte «ManU»-Star Cristiano Ronaldo für andere Schlagzeilen. Ausgerechnet der wohl zurzeit weltbeste Fußballer lässt den FC Barcelona doch noch vom Finale träumen.
Schon in der dritten Minute hätte er seine eigene Erfolgsgeschichte und die seines Klubs fortschreiben können. Doch Cristiano Ronaldo vergab die Chance zur frühen Führung aus elf Metern. Hernach spielte der portugiesische Nationalspieler die mögliche Bedeutung seines Fehlschusses von Elfmeterpunkt mit dem unerschütterlichen Selbstbewusstsein eines Weltstars herunter. «Das kann schon mal passieren, dass man einen Strafstoß verschießt. Das ist kein Drama. Dann treffe ich eben im Rückspiel», kündigte der Profi von Manchester United nach dem 0:0 im Camp Nou am Mittwochabend großspurig an. Dem 23-Jährigen versagten vor knapp 96.000 Zuschauern die Nerven, und durch den etwas arrogant vergebenen, neben das Tor geschossenen Elfmeter verpasste «ManU» eine weit bessere Ausgangsposition für das zweite Duell in Old Trafford am kommenden Dienstag (20.45 Uhr/Premiere). «Wenn er den Elfer verwandelt hätte, wäre es für uns sehr schwer geworden», gestand «Barca»-Trainer Frank Rijkaard, und fügte hoffnungsvoll an: «Aber so ist noch alles offen.»
«Ronaldo fühlt den Schmerz»
Alex Fergusen nahm Ronaldos Versagen nicht ganz so leicht wie sein Schützling. Auf die Frage, ob der Fehlversuch noch richtig wehtun könne, meinte der Schotte: «Ich hoffe nicht. Aber das Spiel fängt nun wieder bei Null an. Ronaldo hatte ein wenig Rücklage. Er ist enttäuscht, aber er hat trotzdem großartig gespielt», sagte der Manchester-Manager. Etwas anders urteilte «The Times» am Donnerstag: «Ronaldo fühlt den Schmerz, während der vergebene Elfmeter Barcelona vom Haken lässt.»
Auf die wie «ManU» in dieser Champions League-Saison noch ungeschlagenen Katalanen wirkte der Strafstoß wie ein Weckruf. Fortan zog der Schalke-Bezwinger, der wieder auf die beiden Stars Lionel Messi und Deco zurückgreifen konnte, sein weltweit bewundertes Kurzpassspiel auf und setzte die Engländer mächtig unter Druck. Doch wie so oft in letzter Zeit haperte es an klaren Tormöglichkeiten und an der Verwertung sich bietender Chancen.
Barcelonas «bestes Spiel seit zwei Jahren»
So bejubelte die spanische Presse zwar die schöne Fußball-Show, kritisierte aber auch die Uneffektivität der Elf. «Barca gibt Anlass zum Träumen. Die Katalanen zeigten ihr bestes Spiel seit zwei Jahren, konnten aber das gegnerische Tor nicht finden», schrieb «El Mundo». Und «Sport» meinte: «Manchester hing in den Seilen, doch Barca landete nicht den K.o.-Schlag.» Die Briten, die wie Barcelona (1992, 2006) den Landesmeistertitel zweimal (1968, 1999) gewinnen konnten, verließen sich im Stile italienischer Defensiv-Künstler vor allem auf eine starke Abwehr-Leistung. Nun bauen sie auf ihre Heimstärke. «Das 0:0 ist ein gutes Ergebnis für uns», meinte Ronaldo. «Wir haben eine großartige Heimbilanz und eine gute Chance, das Finale zu erreichen.»
Old Trafford ruft
In fünf Tagen schlägt nun die Stunde der Wahrheit für die beiden europäischen Spitzenklubs, die vor dem Showdown in Old Trafford die exakt gleiche Bilanz aufweisen: Acht Siege, drei Remis, 18:5 Tore. Gut möglich, dass es mehr als 90 Minuten dauert, bis ein Gegner für einen der anderen Endspiel-Kandidaten FC Chelsea und FC Liverpool (Hinspiel: 1:1) gefunden ist. «ManU»-Coach Fergusen weiß, dass sein Team vor den eigenen Fans die Zurückhaltung aufgeben muss: «Daheim müssen wir das Spiel stärker in die Hand nehmen. Wenn wir verlieren, sind wir draußen. Wenn wir gewinnen, sind wir weiter.»
(nz/dpa)
Der von «ManU»-Superstar Cristiano Ronaldo verschossene Elfmeter gegen «Barca».