netzeitung.deQuo vadis, Schalke?

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Lachen oder weinen? Fabian Ernst (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Lachen oder weinen? Fabian Ernst
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Wieder steht Schalke 04 und damit auch der Trainer kurz vor der Winterpause am Scheideweg, findet Andreas Morbach . Ein Treffer gegen Trondheim könnte alles verändern - doch dafür braucht man dringend einen Torschützen. Bilderschau: Wunder an der Weser

Für jene Schalker Fans, die Estadio Mestalla vom Viertelfinalspiel der Gelsenkirchener im Jahre 1997 in Valencia kannten, kam es einem Kulturschock gleich. Der Anhang der Gastgeber präsentierte sich beim 0:0 am vorletzten Spieltag der Gruppenphase in der Champions League äußerst reserviert. Drei Heimniederlagen in der Liga plus zwei in der Champions League, gepaart mit einem Fußball, der auch unter dem neuen Trainer Ronald Koeman nichts von seiner Behäbigkeit eingebüßt hat – da wird der Stadionbesuch zur Qual und somit gestrichen. Dagegen wissen die Schalker, dass sie beim finalen Gruppenspiel am 11. Dezember gegen Rosenborg Trondheim vor ausverkauftem Haus auftreten können. Ein Sieg über die Norweger würde den Revierklub beim dritten Anlauf in der Königsklasse dabei erstmals ins Achtelfinale hieven.

Mit dem wichtigsten Zahlenwerk gab es also keine Probleme, dafür aber mit den etwas komplizierteren Fragen. Wie etwa: Warum ziert sich die Mannschaft von Mirko Slomka so beharrlich beim Toreschießen? Oder: Warum fressen Angst immer wieder Seele auf? Und: Warum wird die Angst noch gefräßiger, obwohl der Gegner dank eines brutalen Fouls seines Kapitäns David Albelda eine Stunde lang in der Unterzahl spielt? Oder ganz prinzipiell: Quo vadis, Schalke?

Manager gerät in Rage
Das wüsste auch Andreas Müller sehr gerne. Der Manager meckerte sich nach dem vierten torlosen Auftritt der Blau-Weißen in Europas Meisterklasse in Stimmung: «Wir haben in keiner Phase des Spiels unseren Rhythmus gefunden, haben uns hier durch viele Unkonzentriertheiten und viel Nervosität einiges kaputt gemacht», hob Müller an. Anschließend tadelte er die «schlampigen Abspiele» der Schalker Spieler, wunderte sich über deren «Angst, das Spiel auch gegen zehn Spanier doch noch verlieren zu können», und schloss mit der ultimativen Forderung an Mannschaft und Trainer: «Wir müssen die vielen Dinge, die wir heute sehr schlecht gemacht haben, schnellstmöglich abstellen.»
Deja-vu-Erlebnis
Das sollte vor allem Chefcoach Mirko Slomka zu denken geben. Von der Ankunft am Stadion bis zu der ein oder anderen bissigen Antwort bei der Pressekonferenz blieb die Anspannung ständige Begleiterin des 40-jährigen Übungsleiters. In der Weihnachtspause will sich der Schalker Vorstand mit Slomka zusammensetzen und Bilanz ziehen. Vor allem in der heimischen Liga, wo der Vizemeister acht Punkte hinter den angestrebten Champions-League-Plätzen her hinkt, liegt einiges im Argen. Drei Siege würden da bis zur Winterpause deutliche Linderung verschaffen.

Und zwischen den Spielen wird der Coach wohl immer wieder mal an seinen Vorgänger denken. Schließlich war Ralf Rangnick vor zwei Jahren in einer ähnlichen Situation wie er jetzt: mäßig erfolgreich in der Bundesliga, dafür aber immerhin auf dem Sprung unter die besten 16 des Kontinents. Dazu brauchte es damals im letzten Gruppenspiel allerdings einen Sieg (oder ein 3:3) beim AC Mailand – die jetzige Aufgabe gegen Trondheim wirkt da im Vergleich überaus dankbar. Und woran sich Slomka auch erinnern wird: am Rande des Mailand-Spiels wurde vor zwei Jahren um Rangnicks Zukunft debattiert.

Torverhinderungs-Taktiker
Seitdem sitzt sein einstiger Assistent Slomka am Ruder, der – im Gegensatz zu Rangnick – gerade auf internationaler Ebene das Toreverhindern dem Toreschießen eindeutig vorzieht. «Vielleicht lagen uns 2005 die Gegner in der Champions League einfach mehr, weil sie auf dem Platz selbst mehr unternommen haben», verteidigt Manager Müller die dürre Bilanz von zwei Toren in fünf Spielen vorsichtig. Rangnicks Mannschaft schied damals mit acht Punkten und zwölf erzielten Treffern aus, Slomkas Ensemble könnte es nun mit acht Punkten und drei selbst fabrizierten Toren schaffen. Das eine Tor gegen Trondheim muss allerdings schon sein. Oder, wie Mittelfeldspieler Jermaine Jones im Namen der Defensivkünstler aus dem Revier vorschlägt: «In der Champions League musst du aus nichts ein Tor machen.»