Mourinhos Ära bei Chelsea scheint zu Ende
Tatsächlich bleiben dem Team aus London in dieser Saison wohl höchstens zwei Titel in den nationalen Pokalwettbewerben. Drei Spieltage vor Schluss hat Chelsea in der Premier League fünf Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Manchester United, trifft im Endspiel des FA-Cups aber noch auf «ManU». Der bislang einzige Titel in dieser Spielzeit ist der eher unbedeutende Ligapokal. Ob allerdings der exzentrische Chelsea-Trainer Mourinho noch einmal die Chance erhalten wird, einen neuen Angriff auf die von Klub-Eigentümer Roman Abramowitsch eingeforderte Champions-League- Trophäe zu starten, ist nach der Pleite mehr als fraglich. Der russische Milliardär war nicht einmal im Stadion.
Mourinho stand nach der Partie, in der Daniel Agger (22.) nach Chelseas 1:0 aus dem Hinspiel die Verlängerung erzwang und Liverpools Torhüter José Reina im Elfmeter-Krimi die Schüsse von Geremi und Arjen Robben parierte, mit seiner Meinung einmal mehr alleine da. «Wir waren das bessere Team und haben als einzige versucht, in 90 oder 120 Minuten zu gewinnen», sagte Mourinho - in Verkennung der Tatsache, dass Liverpool mehr Torchancen hatte und das Spiel bestimmte. Ohne den verletzten DFB-Kapitän Michael Ballack und den ukrainischen Stürmerstar Andrej Schewtschenko lief im Offensivspiel der Blues wenig zusammen. «Im Elfmeterschießen haben sie vier Mal getroffen und wir ein Mal - das war die Geschichte des Spiels», sagte Mourinho - um dann zu ergänzen: «Ich bin sehr, sehr traurig.»
Festtagsstimmung herrschte dagegen an der Anfield Road. «Das war eine der besten Nächte, die ich hier je erlebt habe», sagte Liverpools Kapitän Steven Gerrard. Als gutes Omen werten die «Reds», dass sie 2005 nach dem Halbfinal-Sieg gegen Chelsea auch das Endspiel gegen den AC Mailand gewannen. Nur Trainer Rafael Benitez hatte ein Luxusproblem. «Für mich ist es egal, ob wir im Finale gegen Milan oder Manchester spielen. Wenn ich einen Wunsch abgeben würde, wäre die nicht genannte Mannschaft nur enttäuscht», sagte der Coach. (Wolfgang Müller, dpa)

