07.12.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Schalker nur noch müde und frustriert
Schalke 04 bot dem AC Mailand auch im Rückspiel Paroli. Aber der letzte Tick fehlte - und so stand am Ende das Champions-League-Aus. Bilderschau: Bittere Niederlage für Schalke 04 ...
Von Ulli BrüngerVor achteinhalb Jahren feierte der FC Schalke 04 im Giuseppe-Meazza-Stadion ausgelassen bis in die tiefe Nacht den Gewinn des Uefa-Cups, die Nachfolge-Generation verließ den selben Ort am Dienstagabend voller Frust. «Wenn du in der Champions League spielst und dein Ziel so knapp verpasst, ist die Enttäuschung natürlich riesig», fasste Gerald Asamoah die Stimmungslage der «Königsblauen» nach dem 2:3 (1:1) im letzten Gruppenspiel am Dienstagabend beim AC Mailand zusammen.
Wie schon beim 2:2 im Hinspiel hatten die Schalker dem 17-maligen italienischen Meister einen großen Kampf geliefert. Den Rückstand durch einen fulminanten 30-Meter-Freistoß von Andrea Pirlo (42.) machte der von den Tifosi ständig ausgepfiffene Christian Poulsen (44.) per Kopf wett. Doch nach dem Doppelschlag von Kaka (52./60.) geriet der deutsche Vizemeister auf die Verliererstraße. Mehr als das 2:3 durch Lincoln (66.) gelang nicht mehr. Ein weiterer Treffer, und das zweite «Wunder von Mailand» wäre perfekt gewesen.
Keine SchützenhilfeAuch die wage Hoffnung auf Schützenhilfe von Fenerbahce Istanbul erfüllte sich nicht. Beim PSV Eindhoven verloren die Türken 0:2, so dass die Niederländer als Zweiter der Gruppe E ins Achtelfinale einzogen. Anders als 2001/2002, als Schalke beim Debüt als Vierter ausschied, bleibt durch Platz drei nun der Uefa-Cup als Trostpreis.
«Was mich am meisten ärgert und enttäuscht, ist dass wir in unserer stärksten Phase zu Beginn der 2. Halbzeit durch unnötige Ballverluste die beiden Gegentore bekommen haben», analysierte Ralf Rangnick. Den Grund für das Aus in der «Königsklasse» sieht der Trainer aber woanders. «Bei Fenerbahce waren wir die klar bessere Mannschaft und hätten das Spiel nach zweimaliger Führung nicht mehr aus der Hand geben dürfen. Beim 3:3 in Istanbul haben wir die fehlenden Punkte liegen gelassen.»
Müller: Letzter Tick hat gefehltTeammanager Andreas Müller, beim Uefa-Cup-Triumph 1997 noch aktiv dabei, pflichtete dem Coach bei. «Insgesamt war bei allen drei Auswärtsspielen mehr drin. Dort hat der letzte Tick gefehlt.» Müller glaubt jedoch, dass die Elf in der Beletage einen guten Lernprozess durchgemacht hat. «Wir müssen auf diesem Niveau noch intelligenter, noch cooler spielen. Aber die Mannschaft kann von den Erfahrungen auch in der Bundesliga profitieren», lautet sein Fazit.
Doch selbst Lob und die Erkenntnis, dass man näher an die europäische Spitze herangerückt ist, konnten die Spieler zunächst nicht über das Scheitern hinwegtrösten. «Es ist schon bitter, weil es so knapp war», sagte Fabian Ernst. Frank Rost kam mit einem dicken Eisbeutel um die linke Hand gewickelt aus der Kabine, weil ihm Andrej Schewtschenko auf die Hand getreten war. Der Torhüter bemühte sich, das Positive mitzunehmen und beschrieb den Unterschied zwischen Schalke und Mailand so: «Wir sind knapp an einem Team gescheitert, das den Gewinn der Champions League zum Ziel hat. Milan hat absolute Weltklassespieler, die ein Spiel allein entscheiden können. Uns fehlt dagegen noch ein wenig die Erfahrung.»
Heimreise mit hängenden KöpfenDirekt nach der Partie in dem mit 43.816 Besuchern nur halb gefüllten Giuseppe-Meazza-Stadion - darunter 6000 Schalke-Fans - traten die «Knappen» die Heimreise an. Um 3.00 Uhr am Mittwoch landeten sie müde und frustriert auf dem Flughafen in Münster. Rangnick, der laut Schalkes Aufsichtsratsvorsitzendem Clemens Tönnies bald einen neuen Zweijahresvertrag bis 2008 erhalten soll, bleibt wenig Zeit, die Elf physisch und psychisch aufzupäppeln. Bereits am Samstag steht das letzte Heimspiel des Jahres gegen Mainz 05 an. Eine Woche später geht es zum Hinrunden-Abschluss zum VfB Stuttgart: «Wir müssen nun die Enttäuschung aus den Köpfen kriegen. Es kommen noch zwei wichtige Spiele, dann ist Winterpause.» (dpa)