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Landesweite Proteste gegen Uefa-Strafe: 

Atléticos Stadionsperre wird verschoben

15. Okt 2008 13:44, ergänzt 20:48
Folgen der Gewalt: Ein verletzter Fan in Madrid
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Die Proteste gegen die harte Strafe, die Atlético Madrid von der Uefa aufgebrummt bekommen hat, tragen offenbar erste Früchte. Die Spanier dürfen ihr nächstes Heimspiel wohl doch im Estadio Vincente Calderon austragen.

Die von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) verhängte Stadionsperre gegen Atlético Madrid hat einen Sturm der Entrüstung in Spanien ausgelöst und selbst die Regierung auf den Plan gerufen. Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero sagte dem Klub am Mittwoch seine Unterstützung zu. «Ich stehe an der Seite Atléticos und der Polizei», erklärte er.

Die Uefa machte laut spanischer Medien am Mittwochabend offenbar einen ersten Rückzieher und gestand Atlético einen Aufschub der Sperre zu. Damit kann das Champions-League-Spiel am kommenden Mittwoch gegen den FC Liverpool im heimischen Vincente-Calderón-Stadion stattfinden. Als Begründung hieß es, ein Ausweichstadion in mindestens 300 Kilometer Entfernung sei in der Kürze der Zeit nicht zu finden gewesen.

Zuvor hatte Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba den Uefa-Vorwurf scharf zurück gewiesen, die spanische Polizei sei für die Krawalle beim Champions-League-Spiel gegen Olympique Marseille (2:1) am 1. Oktober verantwortlich gewesen. Diese Anschuldigung sei «unerhört», die Beamten hätten absolut korrekt gehandelt.

«Die Strafe ist wie ein Überfall»

Nach den Worten Pérez Rubalcabas hatten Olympique-Hooligans die Polizisten mit Stadionsitzen beworfen. Fünf Gesetzeshüter wurden verletzt, einer musste am Kopf genäht werden. «Ich werde den Herren (der Uefa) die Videoaufnahmen schicken, damit sie sehen, was wirklich passiert ist», ergänzte der Innenminister. Die Polizeigewerkschaften forderten ihrerseits den Kontinental-Verband zu einer Richtigstellung auf. «Die Strafe ist wie ein Überfall», kritisierte Industrieminister Miguel Sebastián.

Uefa-Sprecher William Gaillard hatte erklärt, die spanische Polizei habe überreagiert und «ohne jeden Grund» die Ausschreitungen provoziert. Laut der Zeitung «El País» ist es das erste Mal, dass ein Klub wegen angeblicher Polizeiübergriffe von der Uefa bestraft wird.

Spanische Presse wittert «French Connection»

Nach Angaben von Sicherheitskräften und Innenministerium hatten Uefa-Stewards die Beamten gebeten, ein als Nazi-Symbol verbotenes Totenkopf-Transparent der Olympique-Fans zu entfernen. Dabei sei es zu den Auseinandersetzungen gekommen. Die Uefa erklärte jedoch, die Polizei habe auf eigene Faust gehandelt und damit die Krawalle heraufbeschworen. Zudem habe es sich nicht um das Bild eines Totenkopfs, sondern um das eines Clowns mit Mütze gehandelt. Abgesehen davon warf die Uefa den Atlético-Fans rassistische Gesänge gegen dunkelhäutige Olympique-Spieler vor.

Atlético und Teile der Presse führten die harte Strafe auf die guten Beziehungen des Uefa-Präsidenten Michel Platini zu Olympique Marseille zurück. Die Sportzeitung «Marca» sprach von einer «French Connection». Wegen der Krawalle und des rassistischen Fan-Verhaltens muss der Klub die nächsten Champions-League-Heimspiele nach dem Duell mit Liverpool mindestens 300 Kilometer von Madrid entfernt austragen. Als Bewährungsprobe darf Atlético im anschließenden Heimspiel ins Vicente-Calderón-Stadion zurück. Der Verein wurde zudem zu 150.000 Euro Geldstrafe verurteilt. (dpa)

 
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