Chelsea im Champions-League-Finale:
Ballack greift nach den Sternen
01. Mai 2008 15:50
 |  Michael Ballack (2.v.l.) freut sich mit den Mannschaftskollegen über den Finaleinzug | Foto: AP |
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Noch vor einem halben Jahr war Michael Ballack beim FC Chelsea ein Problemfall. Jetzt kämpft der Kapitän der Nationalmannschaft mit den «Blues» um zwei Titel und kann mit drei weiteren Siegen eine «Riesen-Saison» perfekt machen.
Erst ausgebootet, nun gefeiert: Michael Ballack kämpft mit dem FC Chelsea um die Krone des europäischen Vereins-Fußballs und will sich einen langgehegten Traum erfüllen. «Das kann eine Riesen-Saison für uns werden. Wenn man erst mal im Finale steht, dann will man es auch gewinnen», jubelte der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nach dem harterkämpften 3:2 (1:1/1:0) nach Verlängerung im Champions-League-Halbfinale über den FC Liverpool. Für die «Blues» ist im doppelten Kräftemessen mit Manchester United nun sogar das Double möglich - im Fernduell um den nationalen Meistertitel und im ersten englischen Champions-League-Endspiel am 21. Mai in Moskau um Europas wertvollste Klub-Trophäe.
«Das war ein klarer Elfmeter»
«ManU und wir spielen beide eine fantastische Saison, in der Meisterschaft liegen wir Kopf an Kopf, nun stehen wir beide im Champions-League-Finale - mal sehen, wer da am Ende die Nase vorn hat», meinte Ballack. Der wiedererstarkte Mittelfeldstar, der am Samstag mit zwei Toren beim 2:1 United fast im Alleingang besiegte, war auch am Mittwoch gegen Liverpool Wegbereiter des Erfolgs. Vor dem vorentscheidenden zweiten Treffer durch Frank Lampard holte er gegen Sami Hyypiä den Foulelfmeter heraus. Und zwar bewusst. «Ich erkenne die Situation, er (Hyypiä) kommt einen Schritt zu spät. Ich glaube, das war ein klarer Elfmeter», erklärte Ballack, der bei Chelsea durch Top-Leistungen zum anerkannten Führungsspieler aufgestiegen ist.
Das war allerdings nicht immer so. Zu Saisonbeginn war der Ex-Profi des FC Bayern München dauerverletzt. Sein damaliger Coach José Mourinho meldete ihn daraufhin erst gar nicht bei der Uefa für die Champions-League-Gruppenphase an und verurteilte ihn damit zum Zuschauen. Erst in diesem Jahr - der Portugiese Mourinho war längst durch den Israeli Avram Grant ersetzt worden - griff Ballack in der Königsklasse ins Geschehen ein. Und wurde für den Klub zuletzt immer wertvoller. «Vor einem halben Jahr hat es noch ganz anders für mich ausgesehen, umso froher bin ich, dass ich wichtige Tore machen konnte und heute den Elfmeter herausgeholt habe», betonte Ballack.
Ein «Riesenerfolg für den ganzen Klub»
Während Chelsea ausgerechnet unter «Notlösung» Grant erstmals ins Finale der Königsklasse gelangte, soll für den Mittelfeldstar nach dem missglückten ersten Versuch (2002 mit Leverkusen 1:2 gegen Real Madrid) der finale Triumph im zweiten Anlauf gelingen. Dafür würde er auch «gern» ein paar Tage zu spät in die Vorbereitung der DFB-Auswahl auf die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz starten, gestand der 31-Jährige lächelnd nach dem 120-minütigen Kraftakt. Vor dem Finale steht jedoch noch die Entscheidung in der Premier League an. Am Samstag bei Newcastle United und am letzten Spieltag gegen die Bolton Wanderers (11. Mai) zählen für die «Blues» nur Siege. Gleichzeitig müssen sie auf einen Ausrutscher von «ManU» gegen West Ham, bzw. Wigan lauern, dann wäre auch der Meistertitel perfekt.Dass die harte Arbeit im Dauerregen im Stadion an der Stamford Bridge am Ende belohnt wurde, sei ein «Riesenerfolg - nicht nur für mich, für den ganzen Klub. Wir stehen zum ersten Mal im Finale, entsprechend glücklich sind wir», so Ballack. Es sei ein Spiel für die Zuschauer gewesen, ergänzte der Mittelfeld-Star, der sich unter anderem bei einem knapp vorbeigezirkelten Freistoß in Szene setzen konnte (44.). «Ich denke, wir haben verdient gewonnen. Wir haben noch einmal zulegen können in der Verlängerung, die größeren Kraftreserven gehabt und noch schöne Tore gemacht. Mehr ging nicht.»
«Wir freuen uns auf das Endspiel»
Nach dem Hinspiel-1:1 bestimmte Chelsea die Partie, ging durch Didier Drogba (33.) in Führung, die Fernando Torres (65.) für die nach der Pause spielbestimmenden «Reds» ausglich und die Verlängerung erzwang. Ballack holte dann den Elfmeter heraus, den der nach dem Tod seiner Mutter ins Team zurückgekehrte Lampard vollstreckte (98.). Der starke Drogba erhöhte auf 3:1 (105.), ehe es Ryan Babel (117.) für Chelsea noch einmal unnötig spannend machte. Dass seine Mannschaft nach drei Fehlversuchen binnen vier Jahren erstmals ins Finale gelangte, führt Ballack auf deren «Reife» zurück. «Sie bringt nun die Erfahrung mit, in den entscheidenden Momenten das Richtige zu tun. Wir hatten natürlich auch das Quäntchen Glück, im Hinspiel mit dem Auswärtstor», sagte Ballack, «das gehört einfach dazu, wenn man die Champions League gewinnen will. Wir freuen uns auf das Endspiel.» (nz/dpa)