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Spiel ohne Stürmer: 

Wenn nur die Tore fehlten

17. Apr 2008 22:30
Nimmt bald wehmütig Abschied: HSV-Trainer Huub Stevens
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Die Defensive gewinnt bekanntlich Meisterschaften, der Sturm die dazu notwendigen Spiele - auch ein Grund warum Huub Stevens die Bundesliga nicht als Meistertrainer verlassen wird, meint Alexander Ludewig.

«Ich habe ein gutes Bundesliga-Spiel gesehen». Mit diesen Worten eröffnete Huub Stevens sein Fazit auf der Presssekonferenz nach dem torlosen Unentschieden gegen Hertha BSC im Berliner Olympiastadion. Die anwesenden Pressevertreter brauchten eine Weile, um die Einschätzung des HSV-Trainers zu verdauen, beließen es aber bei einer vorsichtigen Nachfrage am Ende der PK. Die darauffolgende Antwort des Hamburger Coaches geht als «Stevenssches Knurren» durch, dessen Inhalt wie so oft zwischen Angriff und Selbstverteidigung gegen die Medien lag.

Langeweile im Olympiastadion

Stevens' Trainerkollege Lucien Favre hatte auch nichts Neues zu bieten. Er sprach von kleinen und nochmals kleinen Schritten, welche sein Team irgendwann nach vorne bringen werden. «Ich kann mit dem 0:0 leben», so der Hertha-Coach. Anhand der beiden Trainer lässt sich der Unterschied zwischen den Mannschaften sehr gut aufzeigen. Während Lucien Favre permanent in der Coaching Zone zu sehen war und das Spiel seines Teams mit Anweisungen vom Spielfeldrand beleben wollte, verbrachte Stevens die meiste Zeit auf der Bank - mit der Hoffnung aus einer stabilen Defensive irgendwann und irgendwie das entscheidende Tor zu machen.

Damit wären wir wieder beim 54-jährigen Holländer und seiner schon mal liebevoll «Stevensive» genannten Auffassung vom Fußball. Mit seinem Motto von der stehenden Null erreichte er mit dem FC Schalke 04 1997 immerhin einen Sieg im Uefa-Cup, wurde im Jahr 2001 «Meister der Herzen» und gewann im gleichen Jahr sowie 2002 den DFB-Pokal. Doch in Erinnerung sind auch quälend langweilige Auftritte seiner Teams – neben dem 1. FC Köln eben auch die «nicht ganz so erfolgreiche Zeit bei Hertha BSC», so Stevens selbst.

Mit Pfiffen in die Kabine

Was für den Defensivfanatiker Stevens ein gutes Spiel war, quittierten die gut 40.000 Zuschauer mit einem Pfeifkonzert nach Spielende. Sicher, die Norddeutschen gestatteten harmlosen Herthanern gerade mal eine hundertprozentige Torchance, die der glücklose Ebert obendrein kläglich vergab. Doch welche Aussagekraft hat das, wenn den Berlinern die drei besten Torschützen (Pantelic 11 Tore, Okoronkwo 4, Raffael 3) fehlen und mit ihnen auch jegliches Offensivpotential. Die von Lucien Favre aufgebotene Sturmspitze Andre Lima muss mit keinem weiteren Wort erwähnt werden.

«Es haben uns nur die Tore gefehlt», trieb es der 54-jährige Niederländer noch weiter. Sieht man von einer Großchance durch den früh eingewechselten Änis Ben-Hatira, dem verschossenen Elfmeter und einer Brechstangen-Offensive in den letzten zehn Minuten ab, bleibt kaum Zwingendes übrig. Bezeichnend für diesen Abend, dass Stürmer Ivica Olic den Strafstoß neben das vom guten Jaroslav Drobny gehütete Hertha-Tor setzte. Die Chance auf die Führung besorgte dem Kroaten jedoch ein Abwehrspieler - Guy Demel konnte nach einem 50 Meter Sturmlauf erst im Sechzehner von Simunic gestoppt werden. Sicherlich haben dem Hamburger SV die Tore gefehlt, aber auch die nötigen Chancen.

Ohne Sturm geht es nicht

Ein Blick auf den Hamburger Kader lässt erahnen, wie sich der Fußball-Lehrer das Spiel vorstellt. Eine recht namhafte Abwehr, ein sehr gutes Mittelfeld und dann? Paolo Guerreo hat sich auch bei den Bayern immer zwischen vier und sechs Saisontoren bewegt. Ivica Olic, obwohl in dieser Saison schon zehnmal erfolgreich, hat ebenfalls nicht den Ruf eines Knipsers. Und Mohamed Zidan – nicht mehr als ein weiterer Versuch sich bei einem großen Verein durchzusetzen. Die Besetzung der HSV-Offensive wurde im Gegensatz zu den anderen Mannschaftsteilen mehr als stiefmütterlich behandelt. Allein die Genialität eines Rafael van der Vaart reicht eben nicht für einen Titel, auch nicht in der Bundesliga. Und dass Huub Stevens seinen niederländischen Landsmann zu dessen Unbehagen mehrmals im Angriff aufgeboten hat, rundet das Bild ab.

Nun verlässt Huub Stevens die deutsche Eliteliga im Sommer nach knapp zehn Jahren, ohne sie einmal gewonnen zu haben. Doch ihm bleiben «Freunde, viele Freunde», so seine Antwort auf die Frage was er denn aus seiner Zeit in der Bundesliga mitnehme. Vielleicht war der eine oder andere in Eindhoven ganz froh, dass er nach dieser Frage nicht auf den Fußball zu sprechen kam.

 
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