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Klasnic-Arzt rudert zurück

27. Nov 2007 09:55, ergänzt 20:49
Falsch behandelt? Ivan Klasnic
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Der Arzt von Ivan Klasnic hat in einem Interview schwere Vorwürfe gegen die medizinische Abteilung von Werder Bremen erhoben. Nur einen Tag später will er alles nicht so gemeint haben.

Dem viel bestaunten Comeback von Ivan Klasnic folgt ein schwerwiegendes Nachspiel. Der Arzt des Stürmers von Werder Bremen hat massive Vorwürfe gegen die medizinische Abteilung des Fußball-Bundesligisten erhoben und ihr sowie anderen Ärzten eklatante Versäumnisse vorgehalten. «Es ist von heute an gerechnet sechs Jahre her, dass sichere medizinische Signale da waren, die darauf hingewiesen haben, dass er nierenkrank ist. Die sind nicht beachtet worden», sagte der Medizin-Professor Arno E. Lison in der TV-Sendung «Sportblitz» von Radio Bremen. Am Dienstag versuchte der Mediziner zurückzurudern und seine Kritik zu relativieren.

Dr. Lison wollte nur «sensibilisieren»

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  • In dem am Montagabend ausgestrahlten Interview hatte Lison gesagt, dass Klasnic bei richtiger Behandlung keine Spenderniere benötigt hätte. Einen Tag später ließ er in einer Pressemitteilung erklären: «Ich bedauere ausdrücklich, dass der Eindruck entstanden ist, meine Worte hätten sich gegen Werder Bremen und dessen Mannschaftsarzt Dr. Götz Dimanski gerichtet. Das ist falsch.» Er habe nur sensibilisieren wollen. In dem Interview hatte er seine Vorwürfe jedoch auf Nachfrage ausdrücklich «auch an die Ärzte von Werder Bremen» gerichtet.

    Sollte sich der Vorwurf einer zu späten Behandlung beweisen lassen, könnte Ivan Klasnic auf Schadenersatz klagen. Zu Berichten, dass daran bereits gearbeitet werde, sagte Klasnic-Anwalt Klaus-Peter Horndasch am Dienstag: «Kein Kommentar.» Der Anwalt vertritt auch die Angelegenheiten von Lison.

    Mannschaftsarzt droht «gewaltigen Knatsch» an

    Werder Bremen verzichtete nach Lisons Rückzieher auf eine Kommentierung. Werders Mannschaftsarzt Götz Dimanski sagte der «Kreiszeitung Syke» (Dienstag-Ausgabe): «Ich kann nicht glauben, dass sich ein Arzt dazu hinreißen lässt, so etwas zu publizieren». Er drohte «gewaltigen Knatsch» an.

    Lison hatte in dem TV-Interview gesagt: «Dass jemand über fünf Jahre lang solche Fehler macht und immer den gleichen, und so gravierend, das ist schon sehr bedrückend.» Der Mediziner vom Klinikum Bremen-Mitte erklärte weiter: «Also, eigentlich muss jeder normale Hausarzt das auch erkennen, und er hätte es auch sicher erkannt.»

    Lison hatte Klasnic das erste Mal vor zwei Jahren behandelt: «Wir haben ihn ja kennengelernt im Zusammenhang mit seiner eitrigen Blinddarmentzündung, und zu dem Zeitpunkt waren bereits 70 Prozent der Nierenfunktion verloren gegangen, unter Aufsicht verschiedener beteiligter Ärzte, ohne dass zielgerichtet eingegriffen worden ist.»

    «Schwerwiegende Schäden schon 2001 nachweisbar»

    Nach Lisons Angaben im Interview hätte die Nierenerkrankung bei den regelmäßigen sportmedizinischen Untersuchungen auffallen müssen: «Dort werden Blutuntersuchungen verlangt und körperliche Tests. Und in diesen Blutuntersuchungen war, wenn ich es jetzt richtig zitiere, 2001 schon nachweisbar, dass dort schwerwiegende Schäden sich abspielen, und es ist keine gezielte Maßnahme ergriffen worden, um dort einzugreifen.»

    Klasnic hatte nach langer Leidenszeit am Samstag als erster Fußball-Profi nach einer Nierentransplantation ein Pflichtspiel in der Bundesliga absolviert und gegen Energie Cottbus 64 Minuten gespielt. Er ist damit der erste Bundesliga-Profi, der seinem Beruf mit einer Spenderniere nachgeht. Der 27-jährige Stürmer hatte zu Beginn des Jahres bei einer Transplantation in Bremen die Niere seiner Mutter erhalten, doch sein Körper stieß das Organ ab. Im März erhielt der kroatische Nationalspieler dann bei einer Operation in Hannover die Niere seines Vaters.

    Lison wies am Dienstag auch darauf hin, dass Radio Bremen «entgegen mehrerer ausdrücklicher Willenserklärungen meinerseits» das Interview gesendet habe. Ein Sprecher des Senders erklärte hingegen: «Presserechtlich ist das kein Problem. Wenn eine Kamera eingeschaltet ist, gibt es keine Vertraulichkeit.» (dpa)

     
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