netzeitung.deToni und Klose machen noch keinen Müller

 Herausgeber: netzeitung.de

Klose (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Klose
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ausgerechnet zum Geburtstag von Gerd Müller bekamen die hochgelobten Stürmer nichts zustande. «Ein, zwei Mal pro Jahr hast du so ein Spiel dabei. Da kann man schießen bis man schwarz wird», lautete ein Resümee der Partie gegen Frankfurt.

Das Protokoll des Einbahnstraßen-Fußballs sprach Bände: 38:5 Torschüsse, 16:2 Ecken, 34:3 Flanken. Doch ausgerechnet zum Geburtstag von Bayern Münchens Jahrhundert-Torjäger Gerd Müller scheiterten seine hochgelobten Stürmer-«Enkel» Luca Toni und Miroslav Klose wieder und wieder. «Ein, zwei Mal pro Jahr hast du so ein Spiel dabei. Da kann man schießen bis man schwarz wird», beschrieb Mark van Bommel das torlose Remis gegen Eintracht Frankfurt und einen trotz guter Leistung enttäuschenden Nachmittag. Der Vorsprung des Spitzenreiters auf den Hamburger SV schmolz durch das 0:0 auf zwei Zähler. «Nervös macht es uns nicht, weil wir heute gut gespielt haben», sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Erstmals ist die neue, teure Tormaschine des FC Bayern ins Stocken geraten. Zwar gelangen dem Duo Klose/Toni (je acht Liga-Tore) gegen den Zweitligisten Mönchengladbach unter der Woche im DFB-Pokal gemeinsam drei Treffer, doch in der Bundesliga sind die Münchner seit drei Spielen ohne Stürmertor; in den letzten beiden Liga-Partien gelang überhaupt kein Treffer. Für den Montag gab Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld frei, um die Akkus für das Gruppenphasen-Spiel am Donnerstag im Uefa-Cup gegen Bolton Wanderers wieder aufzuladen. «Das Spiel gegen Frankfurt hat viel Kraft gekostet. Die Spieler bekommen frei, damit sie den Kopf wieder frei bekommen», sagte Hitzfeld am Sonntag nach Beratung mit Teamarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.

Doch nicht nur mit dem «Doc» hatte Hitzfeld nach dem 0:0 gesprochen, sondern auch die Statistiken gewälzt. 38 Torschüsse (dritthöchster Liga-Wert) habe es seit 15 Jahren nicht mehr gegeben, ebenso seien die 15 von Oka Nikolov gehaltenen Schüsse Rekord, analysierte der Bayern-Coach. «Das sagt ja alles», sagte Hitzfeld, der von seinem Team künftig bessere Flanken und vor allem bessere Standards erwartet.

Gefühlter Sieg
Auf den ersten Blick scheint nach dem 0:0 in Dortmund und dem torlosen Remis gegen Frankfurt das Rezept gefunden, wie man die schier übermächtigen Bayern in dieser Saison vielleicht doch stoppen kann. Tatsächlich bleiben die Münchner unbezwungen, wenngleich die Frankfurter ihren ermauerten und erkämpften Punkt wie einen Sieg feierten; ein Ende der Dominanz ist weiter nicht in Sicht. «Wenn wir mal ins Rollen kommen, dann sieht die Welt wieder ganz anders aus», versprach Hamit Altintop für die kommenden Wochen - als erstes soll am Donnerstag durch einen Sieg im Uefa-Cup gegen die Bolton Wanderers in Europa die Weiche auf Weiterkommen gestellt werden.

Zwei völlig unterschiedliche Comebacks erlebten am Samstag die Torhüter. Bayern-Keeper Oliver Kahn, der die Kapitänsbinde ein weiteres Spiel Vertreter Lucio überließ, stellte bei seiner Rückkehr nach vier Wochen auf den Posten von Michael Rensing die vereinsinterne Hackordnung wieder her. Seine weniger als zehn Ballberührungen gingen beim Nikolov-Auftritt aber unter. «Wir haben ihn ja auch regelmäßig warmgeschossen», sagte Hitzfeld über den Frankfurter Ersatz des kurzfristig erkrankten Markus Pröll, der bei seinem ersten Saisonspiel von Beginn an die Chance eindrucksvoll nutzte. «Ich fahr ja nicht hierhin, um Urlaub zu machen, denn ein Ausfall kann immer passieren», sagte der 33-jährige Nikolov.

Die Frankfurter Notabwehr - die neuformierte Dreierkette hatte weniger Saisonspiele als Klose und Toni Saisontore auf dem Konto - schlug sich gegen das Starensemble mehr als achtbar. Aber der größte Angreifer blieb den harmlosen Hessen auch erspart: Gerd Müller. «Lauf dich schon mal warm, wenn es in der 75. Minute noch 0:0 steht», scherzte der Münchner Stadionsprecher bei seiner Gratulation zum 62. Geburtstag in der Halbzeitpause - doch der «Bomber der Nation» hoffte wie alle 69.000 Zuschauer beim Scheibenschießen des FC Bayern bis zum Schluss vergeblich auf den erlösenden Schuss seiner Nachfahren und blieb sitzen. (nz/dpa)