04.11.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Rafael van der Vaart
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
«Wir hoffen, dass München noch zwei oder drei Mal verliert», sagte HSV-Kapitän van der Vaart nach dem Heimsieg über Hertha BSC. Die Hanseaten sind dem FC Bayern mehr auf die Pelle gerückt, als dem lieb sein dürfte.
Rafael van der Vaart fühlt sich in der Rolle des Bayern-Jägers pudelwohl. «Wir hoffen, dass München noch zwei oder drei Mal verliert», sagte der Kapitän des Hamburger SV nach dem 2:1 (1:0)-Erfolg gegen Hertha BSC, «das wäre schön für die Liga. Wir müssen jetzt dranbleiben, man weiß nicht, was passiert.» Nach der jüngsten Erfolgsserie, die den HSV bis auf zwei Punkte an den Tabellenführer herangebracht hat, scheint sogar ein Verbleib des Niederländers an der Elbe nicht mehr völlig ausgeschlossen. «Ich will jetzt erstmal diese schöne Saison bis zum Ende genießen. Es macht unheimlich viel Spaß, wer weiß, was danach passiert», sagte van der Vaart.
An den Fans, die noch lange nach Spielende mit dem Erfolgsensemble feierten, werde es auf keinen Fall liegen, falls er doch gehen werde, beteuerte der umworbene Regisseur, mit dem der HSV in den nächsten Wochen Vertragsgespräche aufnehmen will. «Ich glaube, es gibt nur wenige Clubs in Europa, die im Gesamtumfeld attraktiver sind als wir», betonte der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann. «Auch wenn die Chance nur bei einem Prozent liegt, dass Rafael bleibt, werden wir um ihn kämpfen.» Im Gespräch ist eine Verdoppelung seiner Bezüge auf vier Millionen Euro pro Jahr.
Van der Vaart Gold wertSeinen Wert für das Team unterstrich der Regisseur gegen Berlin einmal mehr. An beiden Toren durch Paolo Guerrero (4.) und Bastian Reinhardt (80.) war er beteiligt, seine Ideen und Schnelligkeit machen den Unterschied zu anderen Mannschaften aus. «Wenn wir so spielen wie in den ersten 30 Minuten, können nicht viele gegen uns gewinnen», behauptete der Niederländer selbstbewusst. Und Landsmann Joris Mathijsen fügte hinzu: «Im Moment sind wir ein Topteam, wir haben ein Selbstvertrauen, das ist unglaublich.» Hertha bekam nach dem Ausgleich von Patrick Ebert (59.) auch die Willensstärke des HSV 2007 zu spüren. «Wir haben das Gefühl, zu Hause unschlagbar zu sein», sagte Mathijsen nach dem zehnten Dreier im elften Spiel.
Sogar Trainer Huub Stevens versprühte fast ungewohnte gute Laune. «Ich ziehe den Hut vor meiner Mannschaft, die so viele Belastungen weggesteckt hat und verletzte Spieler gut ersetzt. Die Stimmung hier, das macht richtig Spaß.» Der Coach freut sich jetzt über eine Woche ausschließlichen Trainings, da der HSV im Uefa-Cup spielfrei hat.
Favre vom HSV angetanSein Gegenüber Lucien Favre sparte nicht mit Komplimenten in Richtung des Gastgebers. «Es ist kein Zufall, dass der HSV auf dem zweiten Rang ist. Ich habe ihn auch gegen Bayern und Stuttgart stark gesehen», sagte der Schweizer, der seinen Profis zwar in der Halbzeitpause klar gemacht hatte, wie Engagement auszusehen hat. Das fehlende Vertrauen in die eigene Stärke nach dem Pokal-Aus in Wuppertal konnte er der Hertha aber nicht einimpfen.
«Das ist sehr bitter, weil man es auch nicht so einfach erklären kann», sagte Kapitän Arne Friedrich, «Hamburg hat das Vertrauen der letzten Siege. Da ist es umso schwieriger, dass wir ohne Punkt nach Hause kommen.» Weniger tragisch nahm Manager Dieter Hoeneß die fünfte Auswärtsniederlage der Saison: «Nach den ersten 20 Minuten hatten wir das Spiel im Griff», lautete seine überraschende Analyse. Die Mannschaft habe gezeigt, dass «sie gewillt ist, ein Tor wegzustecken.» (dpa)