Keine Feier für den Meyer
02. Nov 2007 13:14
 |  Hans Meyer, fast 65 | Foto: dpa |
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Hans Meyer, Trainer des 1. FC Nürnberg, tritt am Samstag ins offizielle Rentenalter ein. Eine Ehrung für den Humoristen der Liga fällt beim Spiel gegen Stuttgart aber nicht nur wegen der schwierigen sportlichen Lage des Clubs aus.
Fünf Monate nach dem Pokalrausch herrscht bei Hans Meyer angesichts des peinlich frühen Scheiterns des Unternehmens Titelverteidigung endgültig Katerstimmung. Selbst sein 65. Geburtstag an diesem Samstag kann Hans Meyer nicht aus dem Stimmungstief holen. für den Trainer-Oldie zählt nur das Bundesliga-Duell der Frustrierten gegen den VfB Stuttgart. «Wir haben andere Sorgen, als einer schönen Chance im DFB-Pokal nachzutrauern», malt der Fußball-Coach die prekäre Bundesliga-Lage des 1. FC Nürnberg in düsteren Farben - zum Feiern im Stadion ist ihm am Ehrentag ohnehin nicht zumute. «Es wird keine offiziellen Zeremonien geben», erklärt Sportdirektor Martin Bader. «Das will er nicht.»
«Der perfekte Trainer»
«Ich kann gar nicht alt genug werden, um alle Überraschungen, die der Fußball so parat hat, verkraften zu können», hat Meyer einmal gesagt. Das gilt besonders für seine zwei Jahre beim lange Zeit als Fahrstuhl-Mannschaft geltenden «Club»: Meyer rettete die Franken nicht nur vor dem Abstieg, sondern führte sie zum DFB-Pokalsieg und in den UEFA-Pokal. Erstmals seit 45 Jahren steht Nürnberg nun sogar in einer zweiten Runde eines europäischen Wettbewerbs. «Hans Meyer ist der perfekte Trainer für uns», jubelte Präsident Michael A. Roth. «Er ist der Hans im Glück für uns.» Als weniger nette Überraschung dürfte Meyer vermerken, dass ihm ausgerechnet sein früherer Verein FC Carl Zeiss Jena mit dem Pokal- Aus eine bittere Niederlage zugefügt hat. Verteidiger Meyer wurde in der DDR-Oberliga mit Jena zwei Mal Meister, hier feierte er auch seinen größten Erfolg als Trainer: In der Saison 1980/81 räumten die Thüringer im Europapokal der Pokalsieger den AS Rom, den FC Valencia und Benfica Lissabon aus dem Weg und zogen sensationell ins Finale ein. Dort blieb mit dem 1:2 gegen Dinamo Tiflis zwar die Krönung aus, doch Meyer sieht in dem europäischen Siegeszug sein Meisterstück. «Wenn man mit einer Bezirksauswahl Jena drei Mal Weltklasse schlägt und ins Europacup-Finale kommt, ist das noch ein Stückchen mehr wert als der DFB-Pokal.»
Spätstarter in der Bundesliga
Nach dem Mauerfall wurde Meyer («Bis 1990 habe ich nicht für Geld, sondern den Sozialismus gearbeitet») von der lukrativen Bundesliga zunächst verschmäht. Der Ost-Trainer musste den Umweg über den niederländischen Club Twente Enschede antreten. Erst 1999 konnte er mit seiner Verpflichtung bei Borussia Mönchengladbach auch im gesamtdeutschen Fußball Fuß fassen. Den Traditionsclub führte er zurück in die Bundesliga, 2004 rettete er als «Feuerwehrmann» Hertha BSC vor dem drohenden Absturz in die Zweitklassigkeit. Im November 2005 übernahm er dann das schwierige Traineramt in Nürnberg. «In schöner Regelmäßigkeit ist Fußball doch immer das Gleiche.» Mit der ihm eigenen Abgeklärtheit hat sich Meyer seit seinem späten Einstieg in die gesamtdeutsche Fußball-Szene nicht nur die Sympathie vieler Fans gesichert, sondern auch manchen Titel. So wurde er jüngst von der Deutschen Akademie für Fußballkultur zum «Sprüchemacher des Jahres» gekürt. Meyer ist zwar nur selten um einen flotten Spruch verlegen, doch das Image des «Sprücheklopfers» ärgert ihn - wenngleich er in seiner kauzigen Art keine Gelegenheit zu ironischen Aussagen auslässt. «Es kann von keinem vernünftigen Menschen jeden Tag was Gescheites kommen», erregt er sich etwa über eine tägliche Rubrik mit seinen Aussagen. Überhaupt ist ihm übertriebene Verehrung ein Dorn im Auge: «Wollten Sie mir einen Heiligenschein aufsetzen, ich würde ihn sofort herunterreißen.»
«Ich bin ja auch Historiker»
Dass ihm mit dem Pokalsieg der Nürnberger das Kunststück gelang, als erster DDR-Trainer einen gesamtdeutschen Titel zu holen, hat Meyer als späte Anerkennung verbucht. «Ich bin ja auch Historiker, aber ich hätte nie gedacht, dass ich noch einmal Geschichte schreibe», sagte der Fußball-Lehrer, der schon mit Jena drei DDR- Pokalsiege holte. Nun ist das Rentenalter erreicht, doch ans Aufhören denkt Meyer trotz aller aktuellen Probleme nicht. «Ich kann mir sogar gut vorstellen, noch ein, zwei Jahre dranzuhängen», meinte er im Frühjahr. (Michael Fox, dpa)