netzeitung.deFC Bayern wankt, stürzt aber nicht

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Jakub Blaszczykowski (l.), Mark van Bommel (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Jakub Blaszczykowski (l.), Mark van Bommel
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Irgendwie schafft es der FC Bayern in dieser Saison immer wieder, sich zumindest einen Punkt zu sichern. Warum dies auch in Dortmund so war, erklärt uns Felix Meininghaus.

Thomas Doll wusste genau, was von ihm und seinen Spielern an diesem Sonntagabend erwartet wurde: Borussia Dortmund hatte nicht weniger als eine Mission von nationaler Wichtigkeit zu erfüllen. Und deshalb fand Dortmunds Trainer nach der vor allem in der zweiten Hälfte kurzweiligen Nullnummer gegen Bayern München im Presseraum des Dortmunder Stadions auch nahezu staatstragende Worte: «Wir hätten heute ein Ausrufezeichen für ganz Deutschland setzen können», sagte Doll.
Remis als Achtungserfolg
Ganz Deutschland hat der ersten Saisonniederlage des Branchenprimus von der Isar vielleicht nicht gerade entgegengefiebert, doch zumindest die fußballinteressierte Öffentlichkeit wartet sehnsüchtig darauf, dass die so überlegenen Bayern endlich gestürzt werden. Daraus ist zwar wieder nichts geworden. Aber immerhin haben die Dortmunder beim ansehnlichen 0:0 vor 80.708 Besuchern im ausverkauften Dortmunder Stadion die Über-Bayern mit beherztem Auftritt gehörig ins Wanken gebracht. Dass sie die Unschlagbaren am Rand einer Niederlage hatten, dürfen die viel gescholtenen Profis in schwarz-gelb zumindest als Achtungserfolg verbuchen.
HSV als neuer Konkurrent
Immerhin vermochte der BVB zu verhindern, dass die Bayern Historisches vollbrachten. Mit einem Sieg hätte das Team von Ottmar Hitzfeld nach elf Spieltagen 29 Zähler angesammelt. Doch auch ohne diesen Rekord stehen die Münchener mit nunmehr acht Siegen und drei Unentschieden weiter blendend da. Seit April ist der FC Bayern ungeschlagen, der Vorsprung auf die vermeintlich größten Konkurrenten Werder Bremen und Schalke 04 beträgt beruhigende sechs bzw. neun Punkte. Einzig der Hamburger SV hält sich nach einem Drittel der Spielzeit einigermaßen in Schlagdistanz, was Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dazu veranlasste, die Liste der Widersacher neu zu sortieren: «Alle reden von Bremen und Schalke, aber den HSV muss man auf der Rechnung haben.»

Im Grunde genommen haben die Bayern jedoch in dieser Saison einzig und allein sich selbst auf der Rechnung, daran ändert auch der über weite Strecken blutleere Auftritt in Dortmund nichts. «Sie reden davon, dass es nur noch vier Punkte sind», blaffte Mittelfeldspieler Mark van Bommel einen Journalisten an, der die Frage in den Raum gestellt hatte, ob sich der Holländer Sorgen ob des geschmolzenen Vorsprungs mache. «Das ist doch ein Zeichen, dass alle nur von uns reden.» Dagegen mochte Ulli Hoeneß das Geschehen im Revier nicht weiter einordnen. «Keine Tore, keine Kommentare», knurrte der mächtige Manager und verschwand im Mannschaftsbus.

Ribery nicht zu ersetzen
Dass die Galaktischen der Bundesliga in Dortmund in einem höchst irdischen Gewand aufgetreten waren, taten sie in erster Linie als Spätfolge der Uefa-Pokalbegegnung in Belgrad ab. «Das waren doch irreguläre Verhältnisse in dieser Sandgrube“, betonte Hitzfeld: „Wir hatten schwere Beine und konnten nur 70 Prozent unserer Leistungsfähigkeit bringen.» Den Eindruck der physischen Unpässlichkeit bestätigte van Bommel: «Wir waren ein bisschen kaputt, da muss man auch mal mit einem Unentschieden zufrieden sein und mit einem Punkt nach Hause gehen.» Als weiteres Manko erwies sich der Ausfall von Franck Ribery, der die Dienstfahrt in den Westen aufgrund einer Muskelverhärtung gar nicht erst angetreten hatte. Ohne die Ideen und der Dynamik ihres Spiritus Rector fehlten dem Spiel des Rekordmeisters die zündenden Ideen. Für den Franzosen brachte Hitzfeld den hochgelobten Argentinier Jose Ernesto Sosa ins Spiel, der jedoch auf der Position des Spielgestalters nicht einmal ansatzweise nachweisen konnte, warum Hoeneß für ihn zehn Millionen Euro auf das Konto von Estudiantes de la Plata überwiesen hat.
Gut fürs Dortmunder Ego
Dagegen durften sich die Dortmunder nach manch ärmlichem Auftritt in dieser Saison im Duell mit dem Tabellenführer als klare Punktsieger betrachten. Eine Erkenntnis, die sich zwar nicht im Klassement niederschlägt, jedoch gut für das zuletzt doch arg ramponierte Ego sein dürfte. Vor allem die viel gescholtene Defensivabteilung präsentierte sich gegen die Bayern wesentlich stabiler als in vielen Begegnungen zuvor. Ein Umstand, den Doll vor allem darauf zurückführte, dass seine gesamte Mannschaft den Gegner frühzeitig attackiert hatte: «Wir können das Tempo bis zur 90. Minute hoch halten. Und wenn wir vernünftig hinten rausschieben, haben wir auch in der Innenverteidigung keine Probleme.»

Allerdings versäumten es die Dortmunder, ihre couragierte Leistung mit dem einen Tor zu krönen, das die Begegnung zu ihren Gunsten entschieden hätte. Gleich fünf erstklassige Möglichkeiten ließen die Männer bei ihrem Sturmlauf in der zweiten Halbzeit ungenutzt. Für Doll war ein solch verschwenderischer Umgang mit den Großchancen «das einzige, was einen faden Beigeschmack hinterlässt».