netzeitung.deWas erlauben Karlsruher SC?

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Edmund Becker (Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH)

Lupe Edmund Becker
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Karlsruher SC steht in der Fußball-Bundesliga auf Rang zwei, ist erster Bayern-Verfolger. Wie das passieren konnte, darüber sprach Netzeitung.de mit KSC-Coach Edmund Becker.

Netzeitung: Herr Becker, wenn Sie auf die Bundesligatabelle schauen, müssen Sie sich dann kneifen, um wirklich zu glauben, dass der KSC Rang zwei belegt?

Becker: Ja schon. Doch ich stelle die 18 Punkte in den Vordergrund, nicht die Tabelle.

Netzeitung: 18 Punkte aus neun Spielen sind aber ebenso sensationell wie Rang zwei.

Becker: Das ist ein überragender Start, den wir auch genießen. Wir wissen das aber auch richtig einzuschätzen.

Netzeitung: Ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, nach diesem Traumstart, dass Ihre Frau zu Hause sagen muss. He Ede – bleib auf dem Boden.

Becker: Gar nicht. Für mich sehe ich auch in dieser richtig komfortablen Situation keine Gefahr abzuheben, das versuche ich natürlich auf die Mannschaft zu übertragen. Wir wollen den Supersieg in Schalke und die 18 Punke genießen, aber wir wissen, wir müssen weiter arbeiten. Es ist ein schmaler Grat zwischen Freude und zu viel Freude, die in Überheblichkeit münden kann.

Abheben ausgschlossen
Netzeitung: Haben Sie Angst, dass jemand im Team abhebt?

Becker: Nein, denn es sind in der Mannschaft Strömungen zu erkennen, dass alle realistisch blieben. Ein Beispiel: In der Kabine hieß es nach dem Schalke-Spiel: Das war super, aber es nützt nur etwas, wenn wir das schwere Spiel gegen Bielefeld nicht positiv bestehen. Die Spieler meinten auch: Wir haben verdient gewonnen, aber es muss noch dies oder das besser werden. Jeder weiß, dass jedes Bundesligaspiel für uns eine absolute Herausforderung ist. Ich habe den Jungs gesagt, genießt die Situation, legt aber wieder rechtzeitig den Schalter um. Aber dafür werden wir im Training schon sorgen.

Netzeitung: So langsam muss es Ihnen unheimlich werden, wie die Spieler ihre Forderungen umsetzen. Da fordern Sie vor dem Spiel in Schalke, dass die Stürmer Tore schießen müssen – prompt trifft Christian Timm gleich im Doppelpack.

Becker(lacht): Schön, oder? Aber das war ja keine unmögliche Forderung. Stürmer müssen treffen, dafür haben wir sie geholt. Dafür stehen sie im Kader. Es waren zwei überragend herausgespielte Tore, bei denen die Mannschaft gezeigt hat, wie gut sie Fußball spielen kann.

Netzeitung: In Schalke musste der lange Jahre gesetzte Godfried Aduobe auf der Bank Platz nehmen. Akzeptiert er so etwas?

Becker: Ich glaube, Godi hat schon Schwierigkeiten, diese Situation zu akzeptieren. Aber ich habe am Tag vor dem Spiel mit ihm gesprochen, habe ihm erklärt, dass er in den letzten vier Spielen nur zweimal jeweils eine Halbzeit spielte. Dann kam Porcello nach einer langen Verletzung zurück und spielte gut, erzielte zwei Treffer. Ich muss so eine Mannschaft, die Dortmund besiegte, stehen lassen. Ich hatte das Gefühl, dass Aduobe das nachvollziehen konnte.

Alles andere als schlaflos
Netzeitung: Schläft Edmund Becker ruhig, wenn er solche Entscheidungen treffen muss?

Becker: Ich schlafe ordentlich, aber solche Entscheidungen beschäftigen mich schon, obwohl ich abgeklärter geworden bin.

Netzeitung: In eine Nationalelf wurde lediglich Tamas Hajnal, der Ungar, berufen. Er wird in der EM-Qualifikation antreten. KSC-Kapitän Mario Eggimann wurde trotz überragender Leistungen nicht vom Schweizer Nationalcoach Köbi Kuhn berücksichtigt. Verständlich für Sie?

Becker: Das hat mich überrascht und war für `Eggi´ nicht erfreulich. Das war für ihn eine wahnsinnige Enttäuschung. Ich habe ihm gesagt: Wenn er weiterhin so spielt, dann kann auch der Schweizer Nationaltrainer auf Dauer nicht an ihm vorbeigehen. Solche Enttäuschungen gehören zum Fußball, wir müssen jetzt dafür sorgen, dass sich das nicht negativ auf seine Leistung auswirkt.

Netzeitung: Wenn Eggimann weiterhin gut spielt und nicht berufen wird, würden Sie das anprangern?

Becker: Ich würde dann pro Spieler Einfluss nehmen.

Netzeitung: Sie halten am Ziel 40 Punkte fest. Da bedeutet zur Winterpause sollten 20 Zähler, also die Hälfte, auf dem Konto sein.

Becker: Vorrunde, Rückrunde, so kann man nicht rechnen. Mainz hatte in der vergangenen Saison nach der Vorrunde zwölf Zähler auf der Habenseite und hat dann noch in der Rückrunde 26 Punkte geholt. So etwas kann´s auch umgekehrt geben. Man kann nach einer tollen Vorrunde etwas zu locker in die Restspiele reingehen, Verletzungspech haben – und schlecht abschneiden. Wir wollen 40 Punkte, so schnell wie´s geht. Dann sehen wir weiter, dann können wir gerne über neue Ziele reden.

Netzeitung: Weil es so gut für den KSC läuft, wird auch besser verdient als erwartet. Denkt man seitens der Verantwortlichen daran, in der Winterpause nochmals Akteure zu verpflichten?

Becker: Man soll ja bekanntlich niemals nie sagen, und man weiß ja nicht, ob Verletzungen passieren. Aber ich kann mir das eigentlich im Moment nicht vorstellen. Unser Kader hat unser Vertrauen und agiert prima.

Mit Edmund Becker sprach Peter Putzing