«Das Kämpfen hat mich meine Frau gelehrt»
Roberto Hilbert: Wo hat der Verein die denn her?
Hilbert: Wenn man noch so klein ist, freut man sich doch einfach nur, dass man spielen darf. So ab der B-Jugend habe ich erst gewusst, dass ich tatsächlich Talent habe. Dann träumt man plötzlich davon, mal mit Fußball sein Geld zu verdienen. Als ich zum 1. SC Feucht in die Bayernliga gewechselt bin, wusste ich erst, dass ich Profi werden kann.
Hilbert: Das haben sie in Forchheim toll gemacht, sie haben uns Kinder damals spielerisch an die Sache herangeführt.
Netzeitung: Nun ist der Ernst des Lebens angebrochen, der birgt allerdings auch eine Menge Spaß. Sie wechselten aus Fürth zu einem Bundesligisten, wurden auf Anhieb deutscher Meister und Nationalspieler. Wie kommen sie mit dem Erfolg klar?
Hilbert: Ich wollte ja da hin. Ich wollte deutscher Meister werden, ich wollte Nationalspieler werden. Dass es so schnell klappt, hätte wohl keiner geglaubt. Ich gehe positiv damit um und bin einfach jeden Tag aufs neue froh, dass ich in dieser tollen Situation stecke.
Netzeitung: Bei ihrem ersten Länderspieleinsatz im März gegen Dänemark schienen Sie sehr nervös. Viele hatten damit gerechnet, dass Joachim Löw Sie nicht wieder nominieren wird.
Hilbert: Ich war das erste Mal dabei. Wir waren fast alle Neulinge. Schon vor dem Spiel haben die Medien darauf herumgehackt, dass nur eine B-Mannschaft aufläuft. Damit wurde ganz unnötig großer Druck auf uns ausgeübt. Ich war sehr nervös und wollte im Spiel viel bewegen, das hat am Ende natürlich nicht geklappt. Mein Selbstvertrauen für die nächsten zwei Länderspiele gegen San Marino und England habe ich mir beim VfB Stuttgart geholt.
Netzeitung: Sind Sie ein Kämpfertyp?
Hilbert: Auf jeden Fall.
Netzeitung: Woher haben Sie das?
Hilbert: Ich habe das von meiner Frau gelernt. Sie ist ein Kämpfertyp.
Netzeitung: Ihre Frau Saba ist Afrikanerin.
Hilbert: Saba ist aus Eritrea, einem Land, das viele Jahre Bürgerkrieg erlebt hat. Als ich damals in Feucht gespielt habe, habe ich nebenbei eine Ausbildung gemacht. Meine Frau Saba war am gleichen Institut heute sind wir eine kleine Multikulti-Familie mit deutscher und afrikanischer Verwandtschaft.
Hilbert: Ich habe meine Jugend schon genossen. Aber ich habe früh auf eigenen Beinen gestanden und dadurch, dass ich eine eigene Familie gegründet habe, musste ich auch schnell Verantwortung übernehmen. Ich versuche das auch auf den Beruf zu übertragen.
Netzeitung: Ihre Stieftochter ist 13 Jahre alt, nur neun Jahre jünger als Sie selbst. Sind Sie für sie eher ein Kumpeltyp?
Netzeitung: Dann haben Sie allen Grund glücklich zu sein, nur beim VfB Stuttgart läuft es bislang noch nicht ganz rund. Woran liegt es?
Hilbert: Es ist schwieriger als im Meisterschaftsjahr, da haben wir nicht diesen Druck verspürt, die Leute hatten uns lange nicht auf der Rechnung. Jetzt sind wir amtierender deutscher Meister und stehen ständig im Fokus.
Hilbert: Erst einmal will ich mit dem VfB Stuttgart Erfolg haben. Das ist mein Job, mein Verein, dem gilt die volle Konzentration. Ich hoffe natürlich, dass ich über gute Leistungen in der Bundesliga auch bei Joachim Löw meine Chance bekomme. Ich bin mir sogar sicher, dass ich das schaffen kann. Aber gesetzt bin ich noch lange nicht. Ich habe ja erst drei Länderspiele bestritten.
Netzeitung: Das deutsche Mittelfeld ist eine Ansammlung von Stars. Warum sollte Joachim Löw sich dennoch für Sie entscheiden?
Hilbert: Unser Mittelfeld ist absolute Sahne mit Schneider, Ballack, Frings oder Schweinsteiger. Ich möchte eine gute Alternative sein und der Mannschaft noch mal einen Schub nach vorne geben, wenn ich in den letzten zwanzig Minuten eingewechselt werde. Ich bin von meinen Fähigkeiten überzeugt und versuche, mich einzubringen.
Netzeitung: In der Champions League hat der VfB Stuttgart mit dem FC Barcelona einen fast unschlagbaren Gruppengegner. Werden Sie Ronaldinho um sein Trikot bitten?
Hilbert: Nun, ich werde ihm nicht hinterrennen. Vielleicht fragt er ja mich, ob er meines bekommen kann.
Mit Roberto Hilbert sprach Dorothea Jantschke

