«Ich hoffe, das Essen schmeckt trotzdem»
17.04.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Wie schon bei seinen früheren Werken stand für den Mittelfeldspieler der «fun» an erster Stelle, und nicht die kreative Umsetzung was man ihm in Anbetracht seiner vier Bilder «Engel ohne Gesicht», «Mein Berlin», «ABC I» und «ABC II» ohne zu zögern abnahm. «Mein Sohn ist fünf, der malt genauso gut wie ich», bewertete Zecke seine eigenwilligen Werke.
Selbst Betrachtern mit nur mäßigem ästhetischen Empfinden fiel es schwer, sich für ein Lieblingsbild zu entscheiden. Der Künstler selbst zeigte sich von «Mein Berlin» am meisten angezogen. «Ich feiere mich eigentlich ungern selbst, aber mal im Ernst: Ist das nicht sensationell?» Brandenburger Tor und Berliner Olympiastadion, in einer Anmutung, wie man sie in den Unterrichtsräumen einer Grundschule erwartet hätte, imponierten, ordentlich voneinander getrennt, durch ihre konsequente Zweidimensionalität.
Freiräume sind sporadisch mit einem Rasen-grün ausgefüllt, der kleine Himmel am oberen Bildrand mit seinen schwarzen Vögeln beeindruckt durch ein tiefdunkles Blau. Die über den Himmel gemalte Sonne geht mit ihrem grünen Lächeln etwas in dem düsteren Himmel unter, aber was Zecke am Bild beeindruckt, ist ohnehin nicht die naturgetreue Nachbildung: «Wenn man das Bild sieht, muss man halt direkt an Berlin denken.» Die beiden Jungs nickten zustimmend.
Mit der Malerei angefangen hat es vor fünf Jahren, als Zecke selbst entscheiden wollte, welcher Name über der Rückennummer seines Hertha-Trikots steht. Die Deutsche Fußball-Liga ließ schon damals nur den Namen zu, der im Personalausweis steht. Einzige Ausnahme: ein eingetragener Künstlername. Den verdiente er sich schließlich 2002 mit seiner ersten Ausstellung, durch die er öffentlich als Künstler Zecke in Erscheinung trat. «Bei der Passbehörde hatten die schon davon gehört, bevor ich den Antrag gestellt hatte. Das ging dann ganz schnell, als ich bei denen auftauchte», erinnert er sich schmunzelnd. Die beiden einzigen Exponate, «Gesicht 2001» und «Krikelkrakel», rissen schon damals die Besucher nicht vom Hocker. Zeckes Ehefrau Vanessa befand freimütig: «Kleinkinder kriegen so was besser hin».
Seinen Spitznamen verdankt er einem schmerzhaften Zeckenbiss während eines Waldlaufs, als er Ende der Neunziger bei Bayer Leverkusen unter Vertrag stand. Der Biss entzündete sich und musste damals ambulant im Krankenhaus behandelt werden: «Als ich zurück in die Mannschaftskabine kam, hat Ulf Kirsten mich sofort 'Zecke' getauft. Das war gar nicht so unpraktisch, wir hatten damals mit 'Andi' Thom ja noch einen zweiten Andreas in der Mannschaft.»
«Eigentlich kommt außer Hertha gar kein anderer Klub in Frage, aber ich will natürlich auch spielen», so Zecke, der in dieser Saison erst 15 Einsätze vorzuweisen hat. Nur zwei Mal stand er in der Startformation. «Aber hier hat sich ja nun einiges geändert, auch in Sachen Trainer. Da muss man mal abwarten.»
Sein Geld wird er so oder so weiter als Fußball-Profi verdienen, was in Anbetracht der damaligen Gemälde-Erlöse eine gute Entscheidung zu sein scheint: rund 200 Euro gab es seinerzeit pro Bild. Zeckes neuerlicher Ausflug ins künstlerische Metier hatte dieses Mal wie gesagt rein karitative Gründe. Man wird ihm die lausige Qualität seiner Bilder verzeihen.

