netzeitung.deHitzfeld verabschiedet sich vom Titel

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Frust auf der Bayern-Bank: Trainer Ottmar Hitzfeld, Co-Trainer Michael Henke und Manager Uli Hoeneß (v.r.) (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Frust auf der Bayern-Bank: Trainer Ottmar Hitzfeld, Co-Trainer Michael Henke und Manager Uli Hoeneß (v.r.)
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Die überraschende Pleite gegen Eintracht Frankfurt war womöglich doch zuviel: Beim FC Bayern glaubt man nicht mehr an eine erfolgreiche Titelverteidigung. Bilderschau: FC Bayern hadert, Schalke triumphiert

Als die Spieler von Eintracht Frankfurt über den Rasen tanzten und ihren Befreiungsschlag im Abstiegskampf feierten, gab Bayern Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld in den Stadionkatakomben mit gequälter Miene das Rennen um die deutsche Meisterschaft verloren. «Ich glaube, dass die Entscheidung heute gefallen ist. Wir wollten drei Punkte holen, was uns nicht gelungen ist. Somit haben wir im Titelkampf nichts zu suchen», sagte der sichtlich enttäuschte Coach des Rekordmeisters nach der 0:1-Pleite seines müden Starensembles bei den vom Abstieg bedrohten Hessen.
Aufholjagd jäh beendet
Mit einem Fallrückzieher der Marke «Tor des Monats» hatte Christoph Preuß den Titelverteidiger in der 78. Minute aus allen Träumen gerissen und die kurze Aufholjagd der Bayern in der Fußball- Bundesliga jäh beendet. «Ich habe alles in den Schuss hinein gelegt», jubelte der Siegschütze. Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel staunte über das Kunststück des Mittelfeldspielers, der sich nach vielen Verletzungen gerade erst ins Team zurückgekämpft hatte. «Solch ein Tor sieht man nicht alle Tage», lobte er. Selbst Hitzfeld fand anerkennende Worte: «Das Tor war fantastisch.»

Weniger begeistert war der Bayern-Trainer von seinem Team. Acht Spieltage vor Saisonschluss wuchs der Rückstand auf Klassenprimus Schalke 04 wieder auf neun Punkte an, was Hitzfeld nur drei Tage nach seiner Vertragsverlängerung bis zum Sommer 2008 dazu bewog, die vagen Hoffnungen auf die Meisterschale aufzugeben. «Für uns war das eine bittere Niederlage. Ich habe immer gesagt, dass unser primäres Ziel ein Champions-League-Platz ist», sagte der Wahl-Schweizer.

Keine Ideen, keine Durchschlagskraft
In der vom Gastgeber leidenschaftlich geführten Partie vor 51.500 Zuschauern in der ausverkauften Commerzbank Arena wurden die Defizite der Münchner anno 2007 deutlich. Wille und Laufbereitschaft waren vorhanden, doch im Mittelfeld fehlte es an zündenden Ideen, im Angriff an Durchschlagskraft und beim Abschluss an Kaltschnäuzigkeit. «Wir haben nicht die spielerischen Mittel gefunden, um das Bollwerk der Frankfurter zu knacken. Der entscheidende Pass in die Tiefe und die Kreativität haben gefehlt», monierte Hitzfeld.

Der «General» nahm den spielerischen Offenbarungseid gegen die sehr defensiv agierende Eintracht zum Anlass, Verstärkungen für die kommende Saison einzufordern. «Es ist klar, dass wir mehr Kreativität brauchen, um unseren Ansprüchen gerecht zu werden», sagte Hitzfeld. Die Vereinsspitze hat die Mittel für eine großzügige Shopping-Tour bereits genehmigt. «Es ist unser Bestreben, die Mannschaft für das nächste Jahr gewaltig zu verstärken. Wir vom Aufsichtsrat haben jetzt schon grünes Licht gegeben, den Vorstand zufrieden zu stellen, was das Finanzielle anbelangt», sagte Aufsichtsratschef Franz Beckenbauer. Bis dahin müssen die Münchner versuchen, eine verkorkste Saison in der Champions League zu retten.

Freude bei Frankfurt
Allen Grund zur Freude hatte dagegen Funkel nach den «unverhofften drei Punkten. Wir haben einen kleinen, aber wichtigen Schritt in Richtung Klassenverbleib getan. Endlich hatten wir das Quäntchen Glück, gegen eine Top-Mannschaft zu gewinnen», sagte der Eintracht- Trainer. Mit 30 Punkten verließen die Hessen die Abstiegsplätze, die sie bis zum Saisonende meiden möchten.

«Wir sind auf dem richtigen Weg. Der Erfolg gegen die Bayern war psychologisch wichtig, weil er die Moral stärkt. Wir sind stark genug, die zum Klassenerhalt nötigen Punkte zu holen», verkündete Funkel optimistisch. Auch Hitzfeld zweifelt nicht daran, dass es in der kommenden Saison ein Wiedersehen in der Bundesliga gibt: «Wenn eine Mannschaft im Abstiegskampf steht und gegen Bayern gewinnt, sind solche Punkte noch wertvoller.» (Eric Dobias, dpa)