netzeitung.deSchalker Profis meiden das M-Wort

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Schalker Sehnsucht: Mancher auf Schalke wähnt sich dem großen Traum bereits ganz nah (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Schalker Sehnsucht: Mancher auf Schalke wähnt sich dem großen Traum bereits ganz nah
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Mit aller Macht stemmen sich die Fußballprofis von Schalke 04 gegen die Titelträume ihrer Fans. Noch sei es viel zu früh zum Feiern, lautet das Credo - dennoch wächst bei den «Königsblauen» die Zuversicht.

Von Ulli Brünger

Die königsblauen Fans stimmen schon Meistergesänge an, doch die Protagonisten des Höhenflugs verlieren auch nach dem für sie perfekten Spieltag nicht die Bodenhaftung. «Wir haben noch nichts gewonnen. Zum Feiern ist es viel zu früh», mahnte Kapitän Marcelo Bordon nach dem hart erarbeiteten 2:0 (0:0) des FC Schalke 04 gegen Hertha BSC. Mirko Slomka sieht ebenfalls keinen Anlass zum Übermut, auch wenn der Vorsprung des Spitzenreiters auf Verfolger Werder Bremen nach dessen 1:4 in Stuttgart schon sechs Punkte beträgt. «Darüber freuen wir uns. Aber es hat nichts zu bedeuten. Es sind noch 13 Spiele, nicht nur zwei», meinte der Schalker Coach, fügte jedoch selbstbewusst an: «Wir haben die Qualität, deutscher Meister zu werden.»

Varelas Kreuzbandriss
Was alles passieren kann, musste Slomka schon wenige Stunden später leidvoll erfahren. Nach einer Kernspintomographie am Samstagabend war klar, dass Gustavo Varela einen Riss des vorderen Kreuzbandes im linken Knie erlitten hatte. Für den 28 Jahre alten Offensivspieler aus Uruguay ist die Saison beendet, Schalke muss im Titelrennen ohne den Angreifer auskommen. Varela, durch schwere Verletzungen (u.a. einen Schädelbruch) schon häufig zurückgeworfen, soll in dieser Woche operiert werden und fällt rund sechs Monate aus.

Sportlich läuft es beim Revierklub wie geschmiert. Seit zwölf Spielen ist die Elf ohne Niederlage, holte 32 von 36 möglichen Punkten. Sechs Bundesliga-Siege in Serie gelangen bisher nur in der Saison 2004/2005, als die Knappen wie 2001 am Ende doch nur Zweiter (hinter Bayern München) wurden. Nun soll der große Coup endlich gelingen. Der Traum vom ersten Meistertitel nach 49 Jahren hat alle zusammengeschweißt. Das Team wirkt nach den Querelen der Hinrunde gereift und entschlossen. «Wir haben ein großes Ziel vor Augen. Dafür lohnt es sich zu kämpfen», betonte Fabian Ernst. Auf die Frage, wer Schalke noch aufhalten könne, antwortete der Ex-Bremer nach kurzem Zögern: «In erster Linie können wir uns nur selber stoppen.»

Schalke ist Friedrichs Favorit
Mit seinen zuletzt starken Auftritten hat sich Ernst wieder ins Gespräch für die Nationalelf gebracht. Einen Fürsprecher hat er in Kevin Kuranyi, der wie Ernst den Sprung ins WM-Aufgebot verpasst hatte, am Mittwoch jedoch ein beachtliches Comeback gegen die Schweiz (3:1) feierte. «Fabian hätte es ebenfalls verdient, wieder dabei zu sein», so Kuranyi. Wie gegen die Schweiz leitete der zur Zeit in Galaform spielende 24-Jährige auch gegen Berlin den Sieg ein. Trotz der im Länderspiel erlittenen Platzwunde an der Stirn wuchtete Kuranyi den Ball per Kopf (64.) nach einer Lincoln-Ecke ins Netz. «Die Wunde war mir in dem Moment völlig egal», sagte er. Peter Lövenkrands (75.), beim 2:0 in Bremen schon Matchwinner, stellte den verdienten Sieg gegen die zweitschlechteste Auswärtself sicher.

Dabei war für die Berliner durchaus mehr drin. Doch mit zwei «Weltklasse-Paraden» (Slomka) gegen Christian Gimenez (6.) und Marko Pantelic (12.) verhinderte der junge Torhüter Manuel Neuer, der keines seiner 14 Bundesliga-Spiele verlor, einen frühen Rückstand gegen die anfangs überlegene Hertha. Trainer Falko Götz trauerte den vergebenen Chancen nach. «Wir haben kein schlechtes Auswärtsspiel gemacht, hatten große Möglichkeiten vor der Pause. Aber um Schalke unter Druck zu setzen, brauchst du eine Führung», sagte Götz. Nach dem Wechsel konnte seine ersatzgeschwächte Elf dem temporeichen und aggressiven Spiel der daheim noch unbesiegten Revierelf dann nichts mehr entgegensetzen. Allein der oft gescholtene Torwart Christian Fiedler verhinderte ein Debakel. Arne Friedrich glaubt, dass Schalke von der Spitze nur schwer zu verdrängen ist. «Wenn sie so weiterspielen, sind sie der Favorit auf die Meisterschaft.» (dpa)