netzeitung.deKahn: «Haben keine Dauerkarte auf den Titel»

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Oliver Kahn (r.) im Spiel gegen Bochum (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Oliver Kahn (r.) im Spiel gegen Bochum
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Oliver Kahn hatte sich den Rückrunden-Start mit dem FC Bayern anders vorgestellt. Im Interview spricht er über Trainer Felix Magath, Real Madrid und die Favoriten-Rolle beim Bundesligaspiel in Nürnberg.

Für den Deutschen Meister Bayern München ist die Titelverteidigung bereits nach dem zweiten Spiel der Rückrunde in weite Ferne gerückt. Der 2:3- Niederlage folgte am 19. Spieltag ein torloses Remis in der heimischen Allianz-Arena gegen den Abstiegskandidaten VfL Bochum.

Oliver Kahn spricht im Interview über den Verbleib von Trainer Felix Magath, Real Madrid und den großen Druck, der auf der Mannschaft lastet.

Frage: Nach der Niederlage in Dortmund musste man damit rechnen, dass die Mannschaft gegen Bochum explodiert. Warum ist das nicht passiert?

Kahn: Davon bin ich auch ausgegangen. Ich denke, dass wir eine ganz vernünftige erste Hälfte gespielt haben. Aber je länger es 0:0 stand, um so unsicherer wurde die Mannschaft. Mit den Pfiffen der Zuschauer wurde es dann immer schlechter.

Frage: Muss man von so einer routinierten Mannschaft nicht erwarten, dass sie sich von Pfiffen nicht aus dem Takt bringen lässt?

Kahn: Es ist normal, dass die Zuschauer pfeifen, denn gegen Bochum erwarten sie einen klaren Sieg. Aber egal, wie abgebrüht eine Mannschaft ist: Ich habe das Gefühl, dass der eine oder andere nicht hundertprozentig mit dem Druck zurecht kommt.

Siegesserie möglich
Frage: Sie sind ein Kämpfer: Geben Sie die Meisterschaft auf?

Kahn: Ich glaube immer noch an die Meisterschaft, auch wenn es momentan nicht so gut aussieht. Der Fußball hat eine ganz spezielle Realität, und die sieht so aus, dass der FC Bayern gegen Bochum 0:0 gespielt hat. Aber der FC Bayern kann auch sieben oder acht Spiele in Folge gewinnen.

Frage: Sollte man das Augenmerk jetzt auf die Champions League und Real Madrid legen?

Kahn: Nein, Real Madrid spielt überhaupt keine Rolle. Das ist weit, weit weg. Die einzige Ausrichtung, die es gibt, ist die Bundesliga. Das nächste Spiel ist in Nürnberg, das wird schwer genug. Aber vielleicht kommt dieses Spiel für uns zum richtigen Zeitpunkt.

Frage: Werden Sie nicht beinahe verrückt, wenn Sie auch noch nach einem bösen Ballverlust wie von Philipp Lahm eine Niederlage verhindern müssen?

Kahn: Nein, dazu kann ich eine Phase einer Mannschaft einfach zu gut lesen. Momentan fehlt das auslösende Moment, das wäre ein Tor in der ersten Hälfte gewesen. Kleine Sachen, Millimeter entscheiden. Wenn der Ball eben mal reinrutscht in der ersten Halbzeit, dann gibt es vielleicht ein drei, vier oder fünf zu eins oder fünf zu Null.

Keine Titel-Garantie
Frage: Glauben Sie, dass der Trainer jetzt ins Wanken geraten könnte?

Kahn: Man muss das alles auch ein bisschen realistisch sehen und nicht immer gleich den Trainer in Frage stellen oder irgendwelche populistischen Aussagen machen. Die Mannschaft ist zwei Mal Meister und zwei Mal Pokalsieger in zwei Jahren geworden. Es ist normal, dass es immer wieder kleinere Verwerfungen gibt.

Der FC Bayern besitzt auch keine Dauerkarte auf die deutsche Meisterschaft und auf Platz eins. Es ist schön zu sehen, dass sich auch der FC Bayern diese Position Jahr für Jahr immer wieder hart erarbeiten muss.

Frage: Ist der FC Bayern am Freitag noch Favorit in Nürnberg?

Kahn: Der FC Bayern ist immer Favorit, egal, wo er hinkommt. Die Nürnberger sind gut drauf. Aber es geht immer nur um Kleinigkeiten. Vielleicht finden wir diese in Nürnberg, die die Mannschaft dann befreien. Denn eine Mannschaft, die als Gruppenerster gegen Real Madrid im Achtelfinale der Champions League steht, kann viel mehr.

Das Interview führte Klaus Bergmann, dpa