netzeitung.deBayern-Profi Deisler schmeißt endgültig hin

 Herausgeber: netzeitung.de

Sebastian Deisler (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Sebastian Deisler
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nationalspieler Sebastian Deisler schmeißt endgültig hin. Der Mittelfeldakteur des FC Bayern wird keine Bundesliga- Partie mehr bestreiten - doch der Verein hat die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben.

Fußball-Profi Sebastian Deisler vom FC Bayern München beendet mit sofortiger Wirkung seine Karriere. Das teilte der Nationalspieler am Dienstag in München mit. «Die Entscheidung steht. Sie ist in mir gereift», sagte der 27-Jährige. Am Montagabend habe er Bayern-Manager Uli Hoeneß um ein Gespräch gebeten. «Wir haben gekämpft um Sebastian», sagte Hoeneß am Dienstag. «Er ist einer der besten Spieler, die es in Deutschland je gegeben hat.»

Deisler: «Kein richtiges Vertrauen mehr»
Deisler hatte es sich nicht leicht gemacht. «Das war keine Entscheidung, die von heute auf morgen gekommen ist. Sie ist in mir gereift», sagte der Nationalspieler auf eine Pressekonferenz an der Säbener Straße. Schon nach seiner letzten Verletzung habe er über ein Karriere-Ende nachgedacht. «Ich habe mich gequält, um wieder ran zu kommen.» Trotz überstandener Verletzung und eines gelungenen Comebacks im Herbst spüre er «kein richtiges Vertrauen mehr in mein Knie», um weiter professionell Fußball zu spielen. «Ich spiele nicht mehr mit der richtigen Freude Fußball. Ich kann keine halben Sachen machen. Das bringt niemandem etwas.«

Der zu diesem Zeitpunkt unerwartete Rücktritt Deislers löste in Fußball-Deutschland Bestürzung aus. «Es tut mir sehr Leid, dass ein Fußballer mit solch herausragenden Qualitäten auf diese Weise seine Karriere beenden muss», sagte Bundestrainer Joachim Löw, der Deisler auch die Tür zur Nationalmannschaft immer offen gehalten hatte. Für den deutschen Fußball sei dieser Schritt sehr bedauerlich.

«Kann es kaum fassen»
DFB- Präsident Theo Zwanziger sagte: «Dass Sebastian Deisler so früh seine Laufbahn beenden muss, ist natürlich sehr bitter. Besonders für ihn, aber auch für den deutschen Fußball, da es Spieler mit solch überragenden Fähigkeiten eben nur selten gibt.» Betroffen reagierte auch der frühere DFB-Teamchef Rudi Völler: «Ich kann es kaum fassen. Er hatte ein unglaubliches Pech mit seinen ständigen Verletzungen.»
Entscheidung gründlich überlegt
Das jahrelange Drama um Deisler erreichte nach der Rückkehr des deutschen Rekordmeisters aus dem Trainingslager in Dubai seinen Tiefpunkt. Nachdem sich Deisler während des Trainingslagers («Ich kann spielen, ich stehe auf dem Platz») kämpferisch gegeben hatte, habe ihn der Mittelfeldakteur am Münchner Flughafen um ein Gespräch gebeten, so der sichtlich mitgenommene Hoeneß. Bei abschließenden Gespräch habe ihn der 27-Jährige dann von seinem endgültigen Entschluss unterrichtet. «Ich habe bis zuletzt gehofft, dass das alles ein Albtraum ist», sagte Hoeneß. «Ich habe immer noch gehofft, dass er vor dem großen Schritt doch noch zurückschreckt.» Deisler habe schon zuvor wiederholt eine Abreise aus Dubai erwogen.

Deisler musste sich bereits fünf Knie-Operationen unterziehen und wurde im November 2003 und im Oktober 2004 stationär wegen Depressionen behandelt. Er absolvierte 36 Länderspiele für Deutschland. Kurz nach seinem letzten Länderspiel am 1. März vergangenen Jahres in Florenz gegen Italien (1:4) hatte er sich beim Vereinstraining eine Knorpelabsprengung im rechten Knie zugezogen, die ihn bis Mitte November außer Gefecht setzte. Dadurch verpasste er schon zum zweiten Mal nach 2002 eine Weltmeisterschaft.

Kontrakt liegt nur auf Eis
Der in Lörrach geborene Deisler hatte seine Bundesliga-Karriere bei Borussia Mönchengladbach begonnen. Vom Niederrhein wechselte Deisler 1999 zu Hertha BSC, drei Jahre später kam er zum FC Bayern. Dort wurde der Unglücksrabe aber wiederholt von Verletzungen zurückgeworfen und musste stets um den Anschluss kämpfen.

Dennoch will der FC Bayern den bis Mitte 2009 laufenden Vertrag mit Deisler nicht auflösen. Hoeneß gibt die Hoffnung nicht auf, dass Deisler doch einmal wieder Fußball spielen wird. Der Kontrakt werde nur ausgesetzt, wie der Manager betonte. Im Fall des Falles könne der Spieler «jederzeit von der Option Gebrauch machen und zu uns zurückkehren». (nz)