20. Dez 2006 10:18, ergänzt 13:37
Oliver Kahn hält sich nicht für einen besseren Torwart als Jens Lehmann. Aber der Bayern-Profi kann genau erklären, was den Unterschied zwischen ihm und dem National-Keeper ausmacht.
Kahn hat auch eine sinnvolle Erklärung für seine Überzeugung. «Ich bin 1994 mit dem Karlsruher SC im Halbfinale des Uefa-Cups gescheitert, zwei Jahre später habe ich mit dem FC Bayern diesen Pokal geholt. Ich habe 1999 die Champions League auf brutalste Weise verloren, und dann habe ich sie zwei Jahre später gewonnen, wie man sie nicht schöner gewinnen kann. Ich habe 2002 die WM im Finale unglücklich gespielt. Diese Logik - und an solche Phänomene glaube ich immer noch - hätte sich bei der WM 2006 fortgesetzt.» Bei vielen Karrieren gehen laut Kahn großen Erfolgen immer heftige Niederlagen voraus. Das sei eine Art Prüfung. «Hast du den Erfolg überhaupt verdient? Anscheinend musst du dafür erst mal leiden. Deswegen bin ich davon überzeugt, dass dieses Muster, oder wie auch immer man das bezeichnen mag, möglicherweise wieder eingetreten wäre», glaubt Kahn.
Sein Verhältnis zum ehemaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann, der vor der WM Lehmann als Nummer Eins im deutschen Tor nominiert hatte, ist gespalten: «Dankbar bin ich ihm bestimmt nicht. Andererseits: Der Jürgen hat die richtige Tonalität gefunden für diese Gruppe. Er wollte halt ein Team formen, was tausendprozentig sein Team ist, das ihm tausendprozentig folgt. Er hat seinen Stil gehabt - und der Erfolg gibt ihm recht.»