10.11.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Borussia Dortmund kontert Werder aus
Werder Bremen hat es gegen Borussia Dortmund verpasst, sich von der Konkurrenz abzusetzen. Die offensive Strategie der Westfalen geht voll auf.
Die Elf des Tabellenführers aus Bremen hat es vor eigenem Publikum gegen den Zehnten aus Dortmund verpasst, sich vorübergehend weiter von den Konkurrenten aus Stuttgart, Schalke, Berlin und München abzusetzen. Die Elf von Trainer Thomas Schaaf unterlag vor 41.000 Zuschauern im Bremer Weserstadion dem BVB mit 1:3 (1:1). Der Schweizer Nationalspieler Alexander Frei (7. Minute), der Brasilianer Tinga (52.) und schließlich Marc-André Kruska per Elfmeter (85.) trafen in der temporeichen Partie für die Westfalen, Nationalspieler Miroslav Klose erzielte den einzigen Bremer Treffer des Tages (29.). Dortmund macht durch seinen Erfolg vorübergehend einen Sprung vom Zehnten auf den vierten Tabellenplatz, Werder liegt nach wie vor zwei Punkte vor Stuttgart (23) und drei vor Schalke. Die Schwaben könnten also am Sonntag mit einem Sieg bei Bayern-Bezwinger Hannover 96 neuer Tabellenführer werden.
Freis vierter Treffer«Wir waren viel zu passiv», kritisierte Werder-Trainer Thomas Schaaf. «Das war nicht das, was wir von uns erwarten und was wir auch leisten können.» «Der Sieg war absolut verdient. Das tut mir gut», sagte BvB-Trainer Bert van Marwijk, der schon vor dem Spiel angekündigt hatte: «Wir werden unsere Taktik nicht ändern, aber auch nicht blind nach vorne rennen.»
Dortmunds Trainer hatte sein Team sehr offensiv aufgestellt und in Smolarek, Frei und Valdez drei Spitzen aufgeboten. Und prompt wurde der zuletzt viel kritisierte Holländer für so viel Mut belohnt: Nach sieben Minuten erreichte Nelson Valdez ein Zuspiel seines Kollegen Nuri Sahin und flankte den Ball von der rechten Strafraumgrenze nach innen, quer hinüber auf den – allerdings abseitsverdächtigen – Alexander Frei. Und der Schweizer bedankte sich für das präzise Zuspiel mit seinem vierten Saisontreffer für die Westfalen - unbedrängt und aus kurzer Entfernung.
Kloses DribblingDie Werder-Elf ließ sich vom Dortmunder Treffer nicht von ihrem Angriffsfußball abbringen, den sie bereits in der Anfangsphase des Spiels gezeigt hatte. Die erste Torchance für den Tabellenführer brachte allerdings eine Standardsituation. Christian Wörns hatte Klose von den Beinen geholt und dafür Gelb gesehen (14.) – Womés Freistoß strich allerdings am Tor von BVB-Keeper Roman Weidenfeller vorbei.
Die Platzherren waren auch nach einer halben Stunde die aktivere Elf – 6:2 Torschüsse dokumentierten das Bremer Übergewicht – zunächst nur theoretisch. In der Praxis war es Miroslav Klose, der in der 29. Minute den Ausgleich für die Grün-Weißen besorgte. Mit einem feinen Dribbling verknotete er erst Wörns und Kringe die Beine und schob dann den Ball zum 1:1 rechts an Weidenfeller vorbei ins Dortmunder Gehäuse - sein fünfter Treffer in dieser Spielzeit. Doch auch die Spieler des Tabellen-Zehnten aus Dortmund wollten offenbar beweisen dass sie nicht als Zählkandidat angetreten waren. Smolarek vergab aussichtsreich in der 38. Minute die Gelegenheit zur Führung des BVB.
Hunt will ElfmeterIn der Folgezeit vermaßen beiden Teams mit hohem Tempo die gesamte Länge des Spielfeld, mit hohem Tempo ging es von links nach rechts und wieder in die umgekehrt Richtung. Aufgeregt ging es zu, als Hunt im Dortmunder Strafraum fiel (42.), doch Schiedsrichter Wack pfiff den von den Einheimischen gewollten Elfmeter nicht. Und viel Zeit, um durchzuatmen blieb nicht: Knapp vor der Pause vergab Frei die Chance, seinen zweiten Treffer an diesem Abend zu erzielen, völlig unbedrängt köpfelte der Schweizer den Ball am rechten Pfosten des Bremer Tors vorbei.
Auch in der zweiten Hälfte setzte sich die verbissene Auseinandersetzung fort. Dortmund gab keinen Zentimeter Boden preis, Werder erlaubte sich in Person von Womé Nachlässigkeiten in der Defensive. Der Kameruner vertändelte den Ball in der 52. Minute zu einem unnötigen Eckball für den BVB. Valdez' scharf hereingetretenen Ball verwandelte der Dortmunds brasilianischer Neuzugang zur Führung für die Schwerz-Gelben. Erneut hatten die Westfalen den Gegner durch eine schnelle Führung zum Handeln gezwungen.
Weidenfeller wird zur WandAber auch diesmal zeigten die Norddeutschen keine Wirkung. In der 67. Minute hätte der stark spielende Paraguayer Valdez, der noch vor dem Spiel seine eigene Chancenauswertung bemängelt hatte, die Vorentscheidung erzielen können. Allerdings bewies er auch in dieser Szene, weshalb ihm ein Ruf als Chancentod nacheilt. Der Bremer Borowski tat es ihm auf der Gegenseite vier Minuten später gleich. Eine Viertelstunde bewahrte Weidenfeller seine Elf nach einem Kopfball von Almeide mit einer Glanzparade vor dem Ausgleich.
Werder warf jetzt alle Kräfte nach vorne - zwölf seiner 30 Treffer hatte Schaafs Elf in der letzten Viertelstunde erzielt. Klose vergab, Almeida vergab (beide 83.), Dortmunds Keeper Weidenfeller wurde zur unüberwindlichen Wand für die anstürmenden Bremer, die alles auf eine Karte setzten.
Und so kam es wie es kommen musste: Als Naldo in der 85. Minute den bei einem Konter enteilten Valdez von den Beinen holte, war Werders Schicksal besiegelt: Kruska trat den Elfmeter in die Bremer Maschen. Die Bundesliga bleibt spannend. (nz)