netzeitung.deSchalke überlässt die Unruhe Gladbach

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Gustavo Varela (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Gustavo Varela
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Gladbach sorgt dafür, dass sich bei Schalke 04 die Aufregung legt, obwohl Torschütze Varela dem ausgebooteten Torwart Rost in die Arme fliegt und Trainer Slomka ignoriert. Die Heynckes-Analyse stößt auf Widerstand.

Von Andreas Morbach, Mönchengladbach

Als alle nach Hause gegangen waren und von den verzweifelten Gastgebern allein Michael Delura übrig blieb, war die Zeit der höheren Mächte gekommen. «Es ist», wisperte Gladbachs vom FC Schalke entliehener Mittelfeldspieler in den leeren Fluren des Borussia-Parks, «als würde es das Schicksal so wollen, das wir uns solche Tore wie heute einfangen.» Was zumindest ein Beweis dafür wäre, dass die für die niederrheinische Borussia zuständigen Schicksalsgötter Humor haben.

Kurioses Billardtor
War doch der erste Gegentreffer, mit dem die Gladbacher nach elf Minuten ihren erbärmlichen Auftritt beim 0:2 gegen den nationalen Unruheherd Schalke 04 einleiteten, ein Prunkstück für jede Kuriositätensammlung: Borussen-Verteidiger eins (Tim Rubink) schießt vor dem eigenen Strafraum den gegnerischen Angreifer Halil Altintop an, dessen missratener Schussversuch in etwa an der Eckfahne gelandet wäre, hätten nicht die Füße Borussen-Verteidiger zwei (Zé Antonio) die Flugbahn des Balles gekreuzt und den Ball ins eigene Tor befördert. «Ein Billardtor», sagte VfL-Sportdirektor Peter Pander. «Ein kurioses Tor», sagte Trainer Jupp Heynckes. Und das Schicksal sagte gar nichts.

Abwehrjungspund überfordert
Deshalb will Heynckes in näherer Zukunft auch nicht irgendwelche Götter, sondern in erster Linie die medizinische Abteilung des Vereins anbeten. Bei dem «ernüchternden“ Auftritt seiner Mannschaft gegen Schalke gingen Gladbachs Trainer vor allem die Stammkräfte in der Abwehr gewaltig ab. So musste statt der international erfahrenen Dänen Thomas Helveg und Bo Svensson der 18-jährige Tim Rubink verteidigen – was dem jungen Mann aus der Gladbacher U 19 allerdings eindeutig misslang. So ließ er sich vor dem 2:0 durch Gustavo Varela (31.) von dem Uruguayer wie ein Trainingshütchen überlaufen. Und zur zweiten Halbzeit brauchte Rubink dann erst gar nicht mehr erscheinen.

»Der Junge hat Nerven gezeigt und konnte sein Potenzial überhaupt nicht abrufen. Aber da hat man eben gemerkt, dass ein Nachwuchsspiel etwas anderes ist als ein Spiel gegen Schalke vor 50.000 Zuschauern«, analysierte Heynckes streng. Dabei möchte der 61-jährige Fußballlehrer die Jugend in seinen jeweiligen Mannschaften doch immer so gerne aktiv forschen lassen, zuletzt jedoch hat Borussias Nachwuchs überwiegend gepfuscht. Eine Folge davon: Vier Niederlagen in Serie in der Liga und fürs Erste ein Stammplatz im Tabellenkeller. Und eine zweite: Der Sportchef beginnt, dem Trainer zu widersprechen.

Schalke etwas entkriselt
Denn während die Schalker sich mit dem ersten überzeugenden Auswärtsspiel seit längerer Zeit etwas entkriselt haben und nicht mehr ganz so aufgeregt über den Reha-Trip ihres verletzten Spielmachers Lincoln in seine brasilianische Heimat oder darüber diskutieren müssen, ob der demonstrative Jubellauf des Torschützen Varela zum degradierten Stammkeeper Frank Rost womöglich eine Geste gegen Trainer Slomka war, ist die Unruhe nun zu Gast in Mönchengladbach. »Nicht nur das Spiel gegen Schalke, die gesamten letzten Wochen haben gezeigt, dass wir in einer sehr schwierigen Situation sind«, bekennt Jupp Heynckes, der die Hauptursache für den mächtigen Durchhänger aber immerhin erkannt zu haben glaubt. »Uns fehlen Spieler in der Verteidigung, für mich ist das das Kernproblem«, erklärt der Chefcoach knapp.

Pander erhöht Druck
Peter Pander ist diese Diagnose allerdings zu einfach. »Wir sollten jetzt nicht den Fehler machen und alles auf die verletzten Spieler schieben«, teilt der Sportdirektor seinem Übungsleiter unmissverständlich mit. »Die Wahrheit ist, dass wir zuletzt einfach oft nicht gut gespielt haben«, betont Pander, der auch Heynckes’ gern benutzten Hinweis, Fortschritte bei der Borussia bräuchten wegen der vielen Fehler und Versäumnisse in der Vergangenheit nun einmal Zeit, nicht mehr ohne weiteres hinnehmen will. »Es gibt hier auch Spieler, die schon im letzten Jahr gespielt haben und trotzdem so fehlerhaft agieren, dass es schwer für uns ist, einen Spielrhythmus zu finden.«

Und jetzt zum HSV
Und so sind die Gladbacher nach guten Saisonstart inzwischen schwer aus dem Takt geraten und blicken selbst dem anstehenden Keller-Duell in Hamburg mit Bangen entgegen. Die Mannschaft von Thomas Doll hat in den elf Runden der laufenden Saison bislang zwar erst einmal gewonnen, dem aktuellen Gladbacher Selbstwertgefühl zufolge könnte sie diesen Wert am Samstag aber glatt verdoppeln. »In Anbetracht unsere letzten Auswärtsspiele sind wir krasser Außenseiter. Aber zumindest ist es wieder eine Chance auf Punkte«, sagt Sportdirektor Pander vor der Fahrt zum drittschlechtesten Team in der Liga bescheiden. Und zur Not muss eben das Schicksal ein wenig nachhelfen.