Fans beschimpfen Schalker Spieler
Die erzürnten Fans auf den Barrikaden, die Spieler mit den Nerven am Ende, die sportliche Führung im Erklärungsnotstand: Beim FC Schalke 04 spitzt sich die Lage nach der dritten Auswärtspleite in Serie dramatisch zu. Während sich die von den Anhängern wüst beschimpften und mit Schmähgesängen verhöhnten Profis nach dem verpassten Sprung an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga im Bus verkrochen, mussten Manager Andreas Müller und seine Vorstandskollegen noch lange nach dem 1:3 bei Bayer Leverkusen am Sonntag die erhitzten Gemüter rund um die BayArena beruhigen.
Wie drei Tage zuvor beim bitteren Erstrunden-Aus im Uefa-Pokal in Nancy (1:3) brach die Elf nach Gegentoren auseinander und führte die Einschätzung von Fabian Ernst («Wir sind eine intakte Truppe») ad absurdum. Dabei beherrschte Schalke zunächst das Geschehen, ging durch Marcelo Bordon (7.) früh in Führung. Doch mit dem durch eigene Fehler begünstigten Ausgleich des überragenden Gonzalo Castro (28.), der kurz nach der Pause (47.) mit einem sehenswerten Treffer zum 2:1 endgültig die Wende herbeiführte, verlor der selbst ernannte Titelkandidat völlig den Überblick. Carsten Ramelow (56.) gab Schalke mit dem 3:1 den Rest. «Leider haben wir unsere Auswärtsschwäche bestätigt. Dabei hätten wir auf drei Punkte davon ziehen können», haderte Slomka, dessen Elf nun punktgleich mit dem Führungs-Quartett auf dem fünften Platz liegt.
Nach der Pleite in Nancy hatten Müller und Slomka die Spieler mit einer Standpauke wachgerüttelt und waren überzeugt, dass alle enger zusammenrücken und die entsprechende Reaktion zeigen. «Wir haben aber nur 20 Minuten das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Das ist zu wenig», monierte Slomka. Müller ist sicher, dass der «große Druck von Außen» und der «angezettelte Unfrieden» der Elf zu schaffen macht. Alles sei eine Frage des Kopfes. Die Spieler seien «unter diesen Umständen nicht so stabil, Rückschläge wegzustecken». Gleichwohl schiebt Müller nicht alles auf äußere Einflüsse und die Turbulenzen der vergangenen Wochen. «Verantwortlich sind die sportliche Führung und die Mannschaft. Der Verantwortung entziehen wir uns nicht. Und wir wissen, wo wir den Hebel ansetzen müssen.» (dpa)

