netzeitung.deKahn greift in der Triumphstunde Kritiker an

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Oliver Kahn und die Bayern feiern auf einem Rheinschiff. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Oliver Kahn und die Bayern feiern auf einem Rheinschiff.
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Der FC Bayern München fand erst auf einem Rheinschiff die richtige Muße, seinen 20. deutschen Meistertitel zu feiern. Grund zu kritischen Tönen fand einmal mehr Torhüter Oliver Kahn. Bilderschau: Der 33. Spieltag

Der Ort der Entscheidung war derselbe. Nur die ausgelassenen Jubelszenen samt Weißbierdusche fielen dieses Mal aus. Der FC Bayern München feierte seinen 20. deutschen Meistertitel auf dem Kaiserslauterner Betzenberg mit angezogener Handbremse. Ein Grund sicherlich: Der gastgebende FCK befindet sich nach dem 1:1 einen Spieltag vor Schluss immer noch mitten im Abstiegskampf. Im vergangenen Jahr hatte der Rekordmeister aus München bereits drei Spieltage vor Ultimo den Titel in der Pfalz manifestiert.

«Es war eine herausragende Saison»
Im Anschluss an das Bundesligaspiel bestieg der Tross des frisch gebackenen Champions ein Schiff und kam auf dem Rhein in Richtung Köln in Partylaune. Bayern-Trainer Felix Magath erkannte gelöst beim Rückblick auf die Spielzeit: «Das war eine herausragende Saison. Wir haben einige Rekorde aufgestellt.» Man habe jetzt etwas Einmaliges geschaffen, «indem wir das Double verteidigt haben im darauf folgenden Jahr. Das hat noch niemand geschafft». Alle Beteiligten könnten stolz sein, dass der FC Bayern so eine «klasse Mannschaft» habe, so der Coach.

Torhüter Oliver Kahn zeigte sich ebenfalls über das Erreichte glücklich: «Wir sind sehr, sehr zufrieden mit der Saison, und wir haben die Grundlagen geschaffen, im nächsten Jahr wieder anzugreifen.» Was ihm allerdings gar nicht passte, ist die in seinen Augen übersteigerte Erwartungshaltung und die fehlende Anerkennung an das Münchner Starensemble. «Es ist schon ein bisschen, ich nehme das Wort nicht gern in den Mund, pervers, und ich finde das auch so eine Abartigkeit, die sich da eingeschlichen hat, zu sagen, der FC Bayern hat jetzt die Saison gerettet», wetterte Kahn.

Und einmal in Fahrt giftete der Mannschaftskapitän weiter: «Da müssen einige nicht mehr alle Tassen im Schrank haben, denn der FC Bayern hat nicht die Saison gerettet, sondern der FC Bayern hat wieder einmal Geschichte geschrieben mit dieser Mannschaft, die zweimal das Double geholt hat. Das ist einfach etwas Großartiges.»

«Viva Bavaria»
Nach dem Meistertor von Andreas Ottl (68.), mit dem das 21 Jahre alte Eigengewächs die Lauterer Führung von Halil Altintop (26.) egalisierte, und der Berliner Schützenhilfe gegen den Hamburger SV (4:2) schmetterten die Bayern-Profis lauthals ein «Viva Bavaria» auf dem mit rund 400 Gästen gefüllten Party-Boot. Die besonders ausgelassene Südamerika-Connection intonierte außerdem immer wieder ihr Lieblingslied: «Deutscher Meister wird nur der FCB!»

Eine Kampfansage an Europas Elite wurde aber ganz gezielt vermieden. «Wir werden nächstes Jahr den Druck von der Mannschaft total wegnehmen», kündigte Manager Uli Hoeneß an, in der Champions League werde nur das Überstehen der Vorrunde als Ziel ausgegeben: «Wir können nicht sagen, wir werden Champions-League-Sieger.» Der deutsche Fußball zähle nicht mehr zum Favoritenkreis, stellte Mehmet Scholl nüchtern fest: «Die Bundesliga hat an Klasse verloren. Eine Auswahl mit den besten Spielern schafft es maximal ins Viertel- oder Halbfinale.»

Auch Bayern steht vor einem Umbruch. Michael Ballack ist in Zukunft nicht mehr dabei, neben Lizarazu und Jeremies steht wohl auch Scholl vor dem Abschied. Die Zukunft soll Schweinsteiger, Santa Cruz, Hargreaves oder dem designierten Kahn-Nachfolger Michael Rensing gehören (mit dem die Bayern bis 2010 verlängert haben) - sowie Lukas Podolski: Der 20-jährige Nationalspieler wird wohl schon nach der WM für Bayern stürmen.

Van Buyten im Gespräch
Auch Daniel van Buyten könnte in München anheuern. Der belgische Abwehrchef des Hamburger SV «will zu uns», wie der Bayern-Manager berichtete: «Aber das muss der Spieler selber mit dem HSV regeln.» Dagegen ist der Brasilianer Lincoln als Spielmacher kein Thema mehr, nachdem die Schalker eine Bayern-Anfrage negativ beschieden. «Im Moment suchen wir so einen Typen wie Lincoln nicht mehr», so Hoeneß.

Die Lücke, die Ballack hinterlässt, soll womöglich intern und durch einen Stilwechsel geschlossen werden. «Wir werden anders spielen», kündigte Magath mehr Kombinationsfußball an. Für den 29-jährigen Ballack schloss sich in Kaiserslautern ein Kreis: Dort, wo er 1998 im Trikot des FCK seinen ersten Titel holte, machte er zum Abschied aus der Bundesliga das dritte Double in vier Jahren beim FC Bayern perfekt.

Der wohl künftige Chelsea-Profi war mit seiner Kopfballstärke noch einmal an Ottls Tor beteiligt, aber bei der Party auf dem Rhein schien er schon fast nicht mehr dazuzugehören. Vielleicht war der Nationalmannschafts-Kapitän gedanklich auch schon beim nächsten großen Ziel. «Fast 90 Prozent unserer Mannschaft hat ja noch die WM vor sich. Deshalb ist alles etwas gebremst», bemerkte Kahn.


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