Völlers Nerven liegen blank
28.08.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Zum Schluss brannten selbst bei Rudi Völler die Sicherungen durch. Wie zu seinen besten Zeiten stürmte Bayer Leverkusens Sportdirektor nach dem 1:2 (1:1) beim VfL Wolfsburg auf das Spielfeld und attackierte Schiedsrichter Peter Sippel wegen dessen vermeintlicher Fehlentscheidungen verbal sehr vehement und emotional. Erinnerungen wurden wach an das Länderspiel auf Island, als ARD-Moderator Waldemar Hartmann die geballte Wut vom damaligen Teamchef Völler zu spüren bekam.
«Ich habe kein Verständnis, dass das Schiedsrichtergespann permanent auf die Provokationen von D'Alessandro hereingefallen ist. Das gehört nicht auf den Fußball-Platz. Dieses sich permanent Fallenlassen, als wäre man gerade erschossen worden von der Tribüne aus, das geht nicht», ereiferte sich der frühere Teamchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.
Die passende Antwort hatte der 35-jährige Münchner aber schon unmittelbar nach dem Abpfiff in einem Sonderbericht schriftlich formuliert. «Die Art und Weise, wie er auf uns zugegangen ist, können wir nicht akzeptieren», begründete der Referee seine außergewöhnliche Maßnahme.
Das unangenehme Nachspiel wäre Völler erspart geblieben, wenn seine Mannschaft den Bonus des frühen Führungstores von Dimitar Berbatow (22.) mitgenommen hätte. Hatte sie aber nicht. «Wir werden zu leichtfertig, haken die Sache zu früh ab. Das zieht sich nun schon durch die gesamte Saison», haderte Kapitän Carsten Ramelow. Das hatte auch Völler so gesehen. «Wir haben in der zweiten Halbzeit ein ganz schlechtes Spiel abgeliefert. Darüber wird noch zu reden sein», kündigte der Weltmeister von 1990 dringenden Gesprächsbedarf an.
D'Alessandros argentinischer Landsmann Juan Carlos Menseguez sorgte mit seiner genialen Vorarbeit zum 2:1 von Pablo Thiam (54.) dafür, dass die 18.201 Fans in der nur gut zur Hälfte gefüllten Volkswagen Arena angesichts des ersten Sieges in der Bundesliga-Saison in Verzückung gerieten.
Davon ließen sich die Protagonisten aber nicht anstecken. «Die harte Arbeit der vergangenen Wochen hat erste Früchte getragen. Nun müssen wir so weitermachen», forderte Kapitän Thiam wohl auch eingedenk der Erfahrungen der vergangenen Saison. Da wurden die «Wölfe» nach einem glänzenden Start noch durchgereicht. (dpa)

