28. Aug 2005 10:54
Rudi Völlers Auftritt nach der 1:2-Niederlage von Bayer Leverkusen erinnerte stark an seinen Wutausbruch als DFB-Teamchef auf Island. Der Sportdirektor war nach dem Schlusspfiff in Wolfsburg außer sich.
Von Gert GlanerZum Schluss brannten selbst bei Rudi Völler die Sicherungen durch. Wie zu seinen besten Zeiten stürmte Bayer Leverkusens Sportdirektor nach dem 1:2 (1:1) beim VfL Wolfsburg auf das Spielfeld und attackierte Schiedsrichter Peter Sippel wegen dessen vermeintlicher Fehlentscheidungen verbal sehr vehement und emotional. Erinnerungen wurden wach an das Länderspiel auf Island, als ARD-Moderator Waldemar Hartmann die geballte Wut vom damaligen Teamchef Völler zu spüren bekam.
«Ich habe kein Verständnis, dass das Schiedsrichtergespann permanent auf die Provokationen von D'Alessandro hereingefallen ist. Das gehört nicht auf den Fußball-Platz. Dieses sich permanent Fallenlassen, als wäre man gerade erschossen worden von der Tribüne aus, das geht nicht», ereiferte sich der frühere Teamchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.
Wolfsburgs Spielmacher Andres D'Alessandro war an beiden Szenen maßgeblich beteiligt, die zu den Roten Karten gegen Roque Junior (76./Tätlichkeit) und Marko Babic (90./grobes Foulspiel) führten. Sippel stand auch nach einem ersten TV-Studium zu seinen Entscheidungen und nahm die Anschuldungen äußerlich gelassen. Die passende Antwort hatte der 35-jährige Münchner aber schon unmittelbar nach dem Abpfiff in einem Sonderbericht schriftlich formuliert. «Die Art und Weise, wie er auf uns zugegangen ist, können wir nicht akzeptieren», begründete der Referee seine außergewöhnliche Maßnahme.
Das unangenehme Nachspiel wäre Völler erspart geblieben, wenn seine Mannschaft den Bonus des frühen Führungstores von Dimitar Berbatow (22.) mitgenommen hätte. Hatte sie aber nicht. «Wir werden zu leichtfertig, haken die Sache zu früh ab. Das zieht sich nun schon durch die gesamte Saison», haderte Kapitän Carsten Ramelow. Das hatte auch Völler so gesehen. «Wir haben in der zweiten Halbzeit ein ganz schlechtes Spiel abgeliefert. Darüber wird noch zu reden sein», kündigte der Weltmeister von 1990 dringenden Gesprächsbedarf an.