Chronologie im Fall Hoyzer
02.02.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) erhält einen Hinweis, dass Schiedsrichter Robert Hoyzer aus Berlin Spiele manipuliert hat, um daraus Geldvorteile zu ziehen. Auf Grund dieser Hinweise leitet der Kontrollausschuss des DFB Ermittlungen gegen Hoyzer ein.
21. Januar:
Eine vom Vorsitzenden des DFB-Kontrollausschusses, Horst Hilpert, anberaumte Vernehmung in der Frankfurter DFB-Zentrale endet damit, dass Hoyzer nach Ansicht des DFB seinen Austritt aus dem Verein Hertha BSC Berlin erklärt hat und damit nicht mehr der Disziplinargewalt des DFB unterliege. Im Gespräch mit Volker Roth, dem Vorsitzenden des Schiedsrichter-Ausschusses, bestreitet Hoyzer die Manipulations-Vorwürfe.
22. Januar:
Der DFB gibt bekannt, dass der Kontrollausschuss Ermittlungen gegen Hoyzer aufgenommen hat. Der Verdacht der Beeinflussung der Spielergebnisse bezieht sich unter anderem auf das DFB-Vereinspokal-Spiel der ersten Runde zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV.
23. Januar:
Der Ex-Trainer des HSV, Klaus Toppmöller, sieht sich als Opfer möglicher Manipulationen von Hoyzer. Er war einige Wochen nach der Pokalniederlage seiner Mannschaft in Paderborn entlassen worden. Es wird bekannt, dass sich die Ermittlungen auch auf weitere von Hoyzer geleitete Spiele erstreckt. Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger spricht erstmals von Betrug. Zudem erklärt er, dass Zeugen aus dem Bereich des Schiedsrichterwesens den DFB auf das Verhalten Hoyzers aufmerksam gemacht haben.
24. Januar:
Erstmals meldet sich Hoyzer zu Wort und erklärt, er habe nie auf von ihm geleitete Spiele gewettet. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig nimmt Vorermittlungen auf. DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder fordert ein völliges Wettverbot für Spieler, Schiedsrichter und Klubverantwortliche. Schiedsrichter Markus Merk spricht sich dagegen aus. Nach einer Sondersitzung des DFB-Präsidiums wird bekannt, dass weitere fünf Spiele unter Manipulationsverdacht stehen. Der Hamburger SV legt Protest gegen die Wertung des Pokalspiels beim SC Paderborn ein. Der «Fall Hoyzer» soll nach Medienberichten kein Einzelfall sein. Für das Gespann, das das Zweitligaspiel Essen gegen Köln geleitet hat, gibt der DFB eine Ehrenerklärung ab. Erwin Horak, Oddset-Chef, schließt Regressansprüche an Robert Hoyzer nicht aus.
25. Januar:
Es wird bekannt, dass die vier Schiedsrichter Lutz-Michael Fröhlich, Manuel Gräfe, Olaf Blumenstein und Felix Zwayer dem DFB den entscheidenden Tipp im «Fall Hoyzer» gegeben haben. Hoyzer bekräftigt, er habe nicht betrogen. Zudem wird bekannt, dass Hoyzer von der Essener Rechtsanwaltskanzlei Holthoff-Pförtner vertreten wird. Hertha BSC Berlin lässt verlauten, dass Hoyzer noch nicht aus dem Klub ausgetreten ist. Schiedsrichter Felix Zwayer bestätigt, dass es vor dem Zweitligaspiel Rot-Weiß Essen - 1. FC Köln (2:2) dazu aufgefordert worden war, mit seinen Entscheidungen Einfluss auf die Partie zu nehmen. Zweitligist SpVgg Greuther Fürth legt Einspruch gegen die Spielwertung der Partie beim MSV Duisburg (0:1) ein.
26. Januar:
Der DFB erstattet Anzeige gegen Robert Hoyzer. Medieberichten zufolge hatte Hoyzer Kontakte zur kroatischen Mafia. Arminia Bielefelds Manager Thomas von Heesen bringt Schiedsrichter Dominik Marks in die Schusslinie. Beim Regionalliga-Spiel zwischen den Amateuren der Ostwestfalen bei Hertha BSC Berlin soll es unter der Leitung von Marks zu auffälligen Entscheidungen gekommen sein. Marks bestreitet die Vorwürfe. Regionalligist FC St. Pauli fordert den DFB auf, die Ermittlungen auch auf das Punktspiel der Hamburger gegen den VfL Osnabrück (2:3) auszuweiten. Hoyzers Rechtsanwalt Stefan Holthoff-Pförtner übt harsche Kritik am DFB und erklärt, bisher finde eine Vorverurteilung seines Mandanten in der Öffentlichkeit statt, die einer Hinrichtung gleich komme.
27. Januar:
Hoyzer gesteht überraschend die gegen ihn erhobenen Manipulationsvorwürfe. Zudem sagt er, dass in die Affäre noch viele andere Leute verstrickt seien. Der Schiedsrichterausschuss reagiert auf den «Fall Hoyzer» mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog. Nach Arminia Bielefelds Manager Thomas von Heesen erhebt auch VfL Wolfsburgs Amateur-Trainer Uwe Erkenbrecher Vorwürfe gegen Dominik Marks. Marks leitete die Regionalligapartie zwischen den Amateurteams des VfL Wolfsburg und des Hamburger SV. Marks wird nach einer Vernehmung vom DFB entlastet.
28. Januar:
Robert Hoyzer wird von der Staatsanwaltschaft Berlin in Essen vernommen. Nach Aussagen seines Anwalts Stephan Holthoff-Pförtner belastet der 25-Jährige dabei weitere Schiedsrichter und auch Spieler. Hoyzer gesteht mehr als 50.000 Euro für die Manipulation von Spielen erhalten zu haben. Am Abend durchsucht die Berliner Polizei vier Objekte, darunter das als Zentrum des Skandals geltene Cafe King, und nimmt vorübergehend vier Personen fest.
29. Januar:
Die Bundesliga steht am 19. Spieltag ganz im Zeichen des Skandals, die DFL und der DFB fordern die Zuschauer zur Unterstützung der Unparteiischen in den Stadien auf. Am Abend bestätigt die Staatsanwaltschaft Berlin, dass Haftbefehl gegen drei mutmaßliche kroatische Wett-Betrüger erlassen wurde. Der DFB kündigt einen Antrag auf Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft Berlin an.
30. Januar:
Nach Hinweisen aus einem offenbar ernstzunehmenden Umfeld auf eine Verwicklung von Referee Jürgen Jansen in den Skandal setzte der DFB den Unparteiischen für das Sonntagspiel der Bundesliga zwischen Meister Werder Bremen und Hansa Rostock wieder ab und überträgt kurzfristig Lutz Wagner (Hofheim) die Leitung der Partie. Der DFB traf die Maßnahme eigenen Angaben zufolge lediglich «zum Schutz eines Schiedsrichters», konkrete Beweise gegen Jansen würden nicht vorliegen. Bundesinnenminister Otto Schily plädiert zur Verhinderung künftiger Manipulationen für die Einführung von Oberschiedsrichtern, die TV-Bilder auf Hinweise für Unregelmäßigkeiten auswerten sollen.
31. Januar:
Der DFB setzt eine `Sonderkommission Wett- und Spielmanipulationen´ unter Leitung von DFB-Justiziar Goetz Eilers ein, die für lückenlose Aufklärung im Betrugs-Skandal sorgen soll. Der SC Paderborn bestätigt, dass Kapitän Thijs Waterink vor dem Pokalspiel gegen den Hamburger SV 10.000 Euro von einem Unbekannten erhalten habe. Paderborns Vereins-Präsident Wilfried Finke
beschuldigt HSV-Spieler, an der Manipulation beteiligt gewesen zu sein, was die Hamburger vehement zurückweisen. Torhüter Ignjac Kresic vom Regionalligisten Dynamo Dresden bestätigt, dass die Mannschaft im Juni 2003 nach einem Sieg 15.000 Euro zusätzliche Prämie von einem unbekannten Sponsor erhalten habe. Laut Informationen der Bild-Zeitung sollen neben Waterink und seinen Teamkollegen Alexander Löbe und Georgi Donkow sowie Kresic und seinem Mitspieler Torsten Bittermann die Referees Jürgen Jansen, Dominik Marks und Felix Zwayer sowie die Spieler Tomislav Piplica (Energie Cottbus), Laurentiu Aurelian Reghecampf (Alemannia Aachen), Steffen Karl und Markus Ahlf (beide Chemnitzer FC) sowie der frühere Fifa-Schiedsrichter Wieland Ziller in den Skandal verwickelt sein. Jansen und Piplica bestritten in eidesstattlichen Erklärungen ihre Beteiligung.
1. Februar:
Klaus Toppmöller deutet in einem Interview an, dass Jürgen Jansen möglicherweise die Meisterschafts-Entscheidung in der Saison 2001/2002 beeinflusst haben könnte, als er am letzten
Spieltag beim 2:2 von Bayer Leverkusen beim FC St. Pauli gegen die von Toppmöller trainierten Rheinländer einen Handelfmeter verhängt hatte. Der Trainer kündigte Klagen gegen alle Personen an, die ihm in diesem Zusammenhang Schaden zugefügt hätten. Zudem wurde im Zusammenhang mit den Manipulationen erstmals auch das von Jansen geleitete Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem SC Freiburg (3:0) am 27. November 2004 genannt. Der DFB gibt
bekannt, dass insgesamt gegen die Wertung von neun Spielen, drei im DFB-Pokal, vier in der zweiten Liga und zwei in der Regionalliga eingelegt wurde. Die am Tag zuvor beschuldigten Spieler und Trainer beteuern ihre Unschuld, Wieland Ziller stellte zudem Strafantrag gegen Robert Hoyzer, Schiedsrichter Dominik Marks will der Staatsanwaltschaft seine Vermögensverhältnisse offen legen. Dynamo Dresden will die 15.000 Euro Prämie für wohltätige Zwecke spenden. Die polizeilichen Ermittlungen weiten sich bundesweit auf 40 Wett-Betreiber und insgesamt 300 Annahmestellen aus, die ermittelnde Staatsanwaltschaft will dem DFB die gewünschte Akteneinsicht gewähren.
2. Februar:
Die Berliner Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen ausgeweitet und bundesweit Hausdurchsuchungen durchgeführt. Dies bestätigte am Vormittag Michael Grunwald, der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft. Nach Informationen der Bild-Zeitung wurden zumindest die Wohnräume von drei im Zusammenhang mit dem Wettskandal genannten Personen durchsucht. Bei den betroffenen Personen soll es sich um Bundesliga-Schiedsrichter Jürgen Jansen (Essen), Zweitliga-Referee Dominik Marks (Berlin) und Schiedsrichter-Obmann Wieland Ziller (Dresden) handeln.
3. Februar:
Der DFB bestätigt nach Akteneinsicht den Verdacht gegen die drei Schiedsrichter. Zudem sei bewiesen, dass Hoyzer mindestens vier Spele manipuliert habe, sagte Theo Zwanziger auf einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main. Unterdessen weist Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder die Forderungen nach seinem Rücktritt zurück.
4. Februar:
Der ebenfalls in Verdacht stehende Schiedsrichter Jansen kritisiert den DFB und versucht auf einer Video-Pressekonferenz, die Beschuldigungen zu entkräften.
6. Februar:
Torhüter Georg Koch bestätigt einen Bestechungsversuch. Als Schlussmann des Zweitligisten Energie Cottbus wurden ihm vor dem letzten Spiel der vergangenen Saison gegen Regensburg 20.000 Euro angeboten, wenn er zwei oder drei Bälle durchlasse. Koch lehnte ab. Der derzeit in Diensten von Zweitliga-Tabellenführer MSV Duisburg stehende Keeper erhielt am 3. Februar zwei Drohanrufe.
DSB-Präsident Manfred von Richthofen fordert einen Rücktritt von Gerhard Mayer-Vorfelder. In einer Umfrage der «Bild»-Zeitung sprechen sich 36 Prozent der Beteiligten für einen Rücktritt aus, weitere 20 Prozent fordern eine Absetzung der Doppelspitze.
7. Februar:
Mayer-Vorfelder hegt Zweifel daran, ob Oddset wirklich die Kriminalpolizei eingeschaltet hat. Der staatliche Wettanbieter ist zunächst zu keiner Pressemitteilung bereit.
8. Februar:
Hoyzer bestätigt, eine weitere Regionalliga-Partie manipuliert zu haben und belastet Sachsen-Schlussmann Marco Eckstein.In der ZDF-Talkshow «Johannes B. Kerner» zeigt der frühere Schiedsrichter Reue und spricht von einem riesigem Skandal, bei dem noch weitere Referees beteiligt sind. Hoyzer kündigte an, alle Namen zu nennen.
Unterdessen wurde der Personenschutz für Georg Koch verstärkt. Oddset bekräftigte in einer Pressemitteilung, sich nach dem Pokalspiel zwischen Paderborn und Hamburg an die Kriminalpolizei gewandt zu haben.
(nz)

