19.10.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Sebastian Deisler (l.) im Zweikampf mit Bill Tchato.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der behandelnde Arzt gibt im Fall von Fußball-Nationalspieler Sebastian Deisler Entwarnung. Der an Depressionen erkrankte Mittelfeldakteur habe keinen Rückfall erlitten.
Fußball-Nationalspieler Sebastian Deisler ist nach Aussagen seines behandelnden Arztes nicht erneut an Depressionen erkrankt. «Diese Überlegungen sind gegenstandslos», sagte Professor Florian Holsboer vom Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie am Dienstag. Der Mediziner sprach von einer «kleinen Verschlechterung», bei der es sich «um eine ganz natürliche Reaktion» handele. Wie lange er dem deutschen Rekordmeister fehlen wird, blieb offen.
Aus Turin abgereistDer Mittelfeldspieler hatte am Montag vor dem Champions-League-Spiel von Bayern München bei Juventus Turin überraschend die Heimreise angetreten. Zuvor hatte der 24-Jährige gegenüber Bayern-Manager Uli Hoeneß erklärt, er fühle sich nicht wohl. Nach Angaben von Bayern-Sprecher Markus Hörwick begab sich Deisler dann am Dienstag wieder in die Behandlung bei Professor Holsboer, von dem er bereits zwischen November 2003 und Januar 2004 betreut worden war.
Holsboer sagte, dass eine Reaktion wie jene von Deisler angesichts der Vorgeschichte mit schweren Depressionen «normal» sei. Leichtes Wiederauftreten der Symtome könne es geben, «wenn er mal nicht gut spielt, wenn er unter Druck gerät, wenn er mal auf der Tribüne sitzen muss», wenn Deisler darüber hinaus mit seiner Leistung «wohl nicht zufrieden» gewesen sei.
Deisler bekommt viel ZeitFür eine Rückkehr will man Deisler auf jeden Fall die nötige Zeit geben, wie auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann betonte: «Sebastian gibt das Tempo vor. Wir - Felix Magath, Uli Hoeneß und ich - nehmen sein Tempo auf und nehmen Rücksicht. Wir müssen behutsam mit ihm umgehen.» DFB-Teammanager Oliver Bierhoff stellte ebenfalls klar, «dass wir ihn in keinster Weise unter Druck setzen dürfen. Wir können nur auf ihn warten und zeigen, dass wir zu ihm stehen.»
Allerdings ist die Hoffnung groß, wie Bayern-Manager Hoeneß erklärte, «dass wir dies möglichst schnell in den Griff kriegen». Auch Klinsmann ist überzeugt, dass man sich keine Sorgen machen muss, «da wir wissen, dass Sebastian richtig behandelt wird».
Dem Vorwurf, Deisler vielleicht zu früh wieder für die Nationalmannschaft nominiert zu haben, wollte sich Klinsmann in einem Interview mit der «Welt kompakt» dabei nicht aussetzen. Die Entscheidung sei gemeinsam mit Spieler und Verein getroffen worden. «Negative Zeichen hätten von ihm kommen müssen, ich hätte sofort darauf reagiert.»
Zu viel zu früh zugemutet?Bayern-Trainer Felix Magath deutete jedoch an, dass man Deisler möglicherweise zu früh zu viel zugemutet habe. Es wäre wichtig gewesen, ihm Zeit zu geben, «sich zu stabilisieren». Deswegen hatte sich Magath auch immer wieder gegen eine frühzeitige Rückkehr in die DFB-Auswahl ausgesprochen, obwohl Deisler selbst darauf gedrängt hatte.
Zuletzt sah sich Deisler aber verstärkter Kritik ausgesetzt. Gegen Freiburg saß er nur auf der Tribüne, am vergangenen Samstag gegen Schalke wurde er zur Pause ausgewechselt. Magath sprach hinterher von «Kopfproblemen», hatte dies aber auf die Spielweise seines Mittelfeldspielers bezogen. «Er will zu viel auf einmal.» (nz)