Wildmoser wird zum Abschied bespuckt
16.03.2004
Herausgeber: netzeitung.de
«Es hat mich unheimlich viel Zeit und Geld gekostet», klagte der Ex-Präsident im Fernsehen. Im Zusammenhang mit den bekannten Schmiergeldzahlungen in Höhe von 2,8 Millionen Euro beteuerte Wildmoser aber erneut seine Unschuld. In der Sitzung des Aufsichtsrates am Montagabend hatte der Großgastronom den Weg für einen Neuanfang frei gemacht. Zusammen mit ihm traten auch seine Stellverteter Kurt Sieber und Paul Wonhas zurück. Der Wurst- und Fleischwarenfabrikant Karl Auer, der seit 1996 Mitglied im neunköpfigen Aufsichtsrat ist, wurde zum Nachfolger bestimmt. Diese Personalie kam selbst für Auer überraschend.
«Damit habe ich wirklich nicht gerechnet», sagte der 56-Jährige, «aber meine Kollegen haben mich aufgemuntert.» Auer und der neue Vizepräsident Hans Zehetmair erklärten nach der dreieinhalbstündigen Aufsichtsrats-Sitzung, dass mit der Ära Wildmoser auch die Zeit einer Vereinsführung nach Gutsherrenart bei den «Löwen» zu Ende gegangen sei. «1860 war ein Familienbetrieb mit respektablen Ergebnissen. Aber jetzt brauchen wir Teamwork, neue Strukturen und eine Verteilung der Kompetenzen», sagte Zehetmair, der Auer als «gelungene Lösung» bezeichnete.
Die Bayern wiederum hatten am Montag auf ihrer zeitgleich anberaumten Sitzung festgelegt, zwei Kandidaten für die zwei frei gewordenen Posten in der Geschäftsführung des Stadion GmbH vorzuschlagen. Beim Bau der Allianz-Arena will der FC Bayern offenkundig die Zügel in die Hand nehmen. Der TSV 1860 sei in Sachen Stadion derzeit handlungsunfähig, sagte Hoeneß. Deshalb schlägt der FC Bayern in der Gesellschafterversammlung am Mittwoch auch zwei Kandidaten seiner Wahl für die Nachfolge des zurückgetretenen Fritz Scherer und des abberufenen und weiter inhaftierten Karl-Heinz Wildmoser junior vor. «Es geht nur um die Fachkompetenz», sagte der Bayern-Manager.
Als klar gilt, dass der FC Bayern eine Zivilklage gegen Karl-Heinz Wildmoser junior einreichen wird. Das Gleiche soll nach Auffassung des Rekordmeisters auch 1860 München tun. Auch «Löwen»-Trainer Falko Götz konnte dem Rücktritt von Wildmoser etwas Positives abgewinnen. «Das zeugt von Verantwortung, dass er zurückgetreten ist, damit der Verein keinen Schaden nimmt. Das ist menschlich sicherlich schwierig für ihn, weil ich weiß, wie sehr Herr Wildmoser am Verein hängt.» Vom neuen Präsidenten hat Götz zunächst Rückendeckung erhalten. «Er genießt das vollste Vertrauen von mir und dem Aufsichtsrat», sagte Auer. (nz)

