Betrugsskandal erschüttert Europas Fußball:
DFB und DFL fordern lückenlose Aufklärung
Liga-Präsident Reinhard Rauball sagte: «Auch wenn der deutsche Profi-Fußball nur partiell betroffen ist, werden Ligaverband und DFL die Aufklärungsarbeit vollumfänglich unterstützen. Wir sind dem Fan schuldig, dass wir alles in unserer Macht stehende tun, um einen sauberen Wettbewerb zu gewährleisten.»
Auch wenn zunächst die Unschuldsvermutung gelte, könne man nicht dulden, «dass auch nur ein einziges Spiel manipuliert ist», erklärte Rauball. Der Kontrollausschuss des DFB werde die weiteren Ermittlungen intensiv beobachten und auf Wunsch aktiv begleiten, teilte der Verband mit. Sollte sich der bestehende Anfangsverdacht bestätigen, werde der DFB die nötigen sportgerichtlichen Schritte einleiten.
Für eventuelle Beteiligte aus der Welt des Fußballs würden die Mittel der Sportgerichtsbarkeit greifen, teilte der DFB mit. «Sollten dabei Trainer, Schiedsrichter oder Spieler überführt werden, wird der deutsche Fußball (...) alle Mittel der Sportgerichtsbarkeit ausschöpfen», sagte Zwanziger. Seit dem Fall Hoyzer 2005 betreiben DFB und Liga ein System zur bestmöglichen Überwachung des Wettmarktes, um Unregelmäßigkeiten frühzeitig zu erkennen. «Bis zum heutigen Tage haben wir dennoch keine Warnmeldung erhalten. Wir werden daher in dieser Hinsicht unsere Anstrengungen forcieren, obwohl es keine 100-prozentige Sicherheit geben kann», sagte Liga-Präsident Rauball.
Insgesamt stehen rund 200 Spiele unter Manipulationsverdacht, festgenommen wurden bislang 17 Verdächtige, davon 15 in Deutschland. Im November 2008 waren die Ermittler über abgehörte Telefongespräche in der Rotlichtszene im Ruhrgebiet auf die Betrügereien aufmerksam geworden. Seit Anfang 2009 stehen Spiele, 32 davon in Deutschland, unter Manipulationsverdacht. Die Ermittlungen sollen noch Monate andauern.
Aus «ermittlungstaktischen Gründen» wollte der zuständige Staatsanwalt weder Namen von Verdächtigen noch die betroffenen Spiele und beteiligten Vereine nennen. Die Betrüger sollen Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle bestochen haben, um Spielausgänge zu beeinflussen. Anschließend hätten die Beschuldigten versucht, hohe Geldbeträge bei europäischen und asiatischen Wett-Anbietern zu setzen. Der Gewinn soll insgesamt mehrere Millionen Euro betragen.
Osnabrücks Präsident Dirk Rasch sagte, dass der Verein nicht wisse, ob bei den betroffenen Partien auch ehemalige VfL-Fußballer involviert sind. «Wir werden uns selbstverständlich für eine enge Zusammenarbeit mit dem DFB, der DFL und der Staatsanwaltschaft zur Verfügung stellen», sagte Rasch. Der Leidtragende sei der VfL. Der FC Augsburg teilte mit, bisher sei niemand auf den Verein mit Informationen oder Ermittlungen zugekommen. Der Verein werde «alles in seiner Macht stehende für eine lückenlose Aufklärung» tun. (dpa/nz)
