27.09.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Ratlos, aber noch nicht am Ende
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Trauriges Bild in Hoffenheim: Passiv und mutlos beugten sich die Berliner der TSG. Während 1899-Trainer Ralf Rangnick alles richtig macht, steht es um Lucien Favre schlecht. Alexander Ludewig rät dennoch, dem Schweizer zu vertrauen.
In der 67. Minute der Partie zwischen
1899 Hoffenheim und
Hertha BSC fiel ausnahmsweise kein Tor, dennoch tobten die 29.600 Fans in der Rhein-Neckar-Arena. Die schlichte Entscheidung von Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick Stürmer Vedad Ibisevic auszuwechseln, entfachte einen Jubelsturm. Zuvor auf dem Spielfeld war es der 25-Jährige selbst, der die Anhänger entzückte und den Gegner an dessen zurzeit empfindlichster Stelle traf, der Psyche.
Egal was sich der Tabellenletzte Hertha BSC für das Spiel bei 1899 Hoffenheim vorgenommen hatte, nach vier Minuten war alles vergessen. Mit einem Doppelschlag erledigte Vedad Ibisevic (1. Minute/4.) den Hauptstadtklub gleich in der Anfangsphase. Mit seinem dritten Treffer (21.) gelang ihm nicht nur der zweitschnellste Hattrick der Bundesliga-Geschichte, sondern auch seine persönliche Befreiung.
Vertrauen zahlt sich ausNachdem Ibisevic nach seinem Kreuzbandriss die komplette Rückrunde der vergangenen Saison aussetzen musste, konnte der Torschützenkönig der Hinrunde erstmals seit neun Monaten wieder in einem Bundesligaspiel jubeln. Neben seinem unbändigen Willen zurückzukommen, hat er dies vor allem Ralf Rangnick zu verdanken. In jedem Bundesligaspiel hatte ihn der Trainer trotz ausbleibender Tore von Beginn an aufgestellt Vertrauen zahlt sich eben aus.
In Berlin hingegen ist es mit dem Vertrauen derzeit recht schwierig. Der Mannschaft geht der Glaube an die eigene Stärke komplett ab; Trainer Lucien Favre gerät ob des Auftretens seiner Spieler und der Resultate immer mehr in die Kritik. Dabei hatte er sich vor der Partie gegen Hoffenheim einiges einfallen lassen, um den Negativlauf zu stoppen und das Team zu stärken. Doch auch das Kurztrainingslager in Bad Schönborn und der Einsatz eines Mentalcoaches blieben wirkungslos. Wenn Kapitän Arne Friedrich nach dem Pokalaus beim Zweitligisten 1860 München noch festgestellt haben wollte, dass Hertha noch lebt, dann ist der Berliner Patient am Sonntagabend in Hoffenheim kollabiert.
Alle Regeln der KunstDenn die Berliner sind natürlich nicht nur an Vedad Ibisevic gescheitert, sie waren als Mannschaft hoffnungslos überfordert. Angetrieben von den spielstarken Mittelfeldakteuren Carlos Eduardo und Sejad Salihovic nahmen die Hoffenheimer Hertha BSC nach allen Regeln der Kunst auseinander. Ob schnelles Kurzpassspiel, weite Flankenwechsel, direkt durch die Mitte oder über die Außenbahnen: Die Berliner kamen immer zu spät, konnten sich zu keiner Zeit vom Druck befreien und waren in der Offensive an Harmlosigkeit nicht zu übertreffen. Bezeichnenderweise fiel der Anschlusstreffer zum 3:1 durch Raffael (45.) per direkten Freistoß.
In der zweiten Halbzeit kassierten die Berliner durch Chinedu Obasi (58.) und Carlos Eduardo (62./Foulelfmeter) ihre Saisongegentreffer Nummer 16 und 17 Ligahöchstwert. Folgerichtig stehen sie mit nur drei Punkten auf dem letzten Tabellenplatz seit der Spielzeit 1990/1991 ist kein Hertha-Team so schlecht gestartet. Und ein Ende der Krise ist auch nach der sechsten Niederlage im siebten Pflichtspiel nicht in Sicht. Die Europa-League-Partie am kommenden Donnerstag bei Sporting Lissabon taugt wohl ebenso nicht zur Wende wie das nächste Ligaspiel drei Tage später gegen den Spitzenreiter aus Hamburg.
Auch wenn Lucien Favre als Trainer die derzeitige Situation zu verantworten hat, sollten sie in der Hauptstadt Ruhe bewahren. Denn dass der Schweizer ein hervorragender Coach ist und die Fähigkeit besitzt, das größtmögliche Potenzial aus einer Mannschaft herauszukitzeln, hat er in der vergangenen Saison in Berlin und auf seinen Stationen davor beeindruckend bewiesen. Die Fehler der Sommerpause, als wichtige Führungsspieler abgegeben und nicht annähernd gleichwertig ersetzt wurden, kann auch ein neuer Trainer jetzt nicht mehr beheben.
Die Statistik zum Spiel1899 Hoffenheim: Hildebrand - Beck, Compper, Simunic (46. Nilsson), Eichner - Carlos Eduardo (76. Zuculini), Luiz Gustavo, Salihovic - Obasi, Ibisevic (67. Maicosuel), Ba.
Hertha BSC: Ochs - Janker (46. Stein), Friedrich, Bengtsson, Pejcinovic - Piszczek, Hartmann, Dardai, Nicu - Raffael - Ramos.
Schiedsrichter: Sippel (München). Zuschauer: 29.600.
Tore: 1:0 Ibisevic (1.), 2:0 Ibisevic (4.), 3:0 Ibisevic (21.), 3:1 Raffael (45.+1), 4:1 Obasi (58.), 5:1 Carlos Eduardo (62./Foulelfmeter).