15.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Herbstmeisterliche Feiern: Die Profis der TSG
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Meisterschaft soll in Hoffenheim kein Thema sein, mit Prämien für das Erreichen eines internationalen Wettbewerbs beschäftigen sich die Verantwortlichen aber sehr wohl. In der Winterpause sollen diesbezüglich weitere Schritte folgen.
Prämienverhandlungen für eine Europacup-Teilnahme, aber weiterhin keine offiziellen Titelambitionen: Herbstmeister 1899 Hoffenheim blieb sich in der größten Stunde seiner Vereinsgeschichte treu. «Einen Tabellenplatz als Ziel wird von mir keiner hören», sagte Ralf Rangnick nach dem 1:1 (0:1) des Aufsteigers gegen den FC Schalke 04 zum Jahres-Abschluss.
Der Trainer konnte sich wegen des verpassten Siegs nicht so richtig freuen, doch seine Spieler tanzten ausgelassen, und auch Mäzen Dietmar Hopp war selig. «Man stelle sich vor, Herbstmeister vor dem FC Bayern», meinte der Milliardär. «Ich bin mehr als glücklich und stolz.»
Kleine Schritte statt großer SprüngeIm Trainingslager in La Manga/Spanien will Manager Jan Schindelmeiser mit den Profis Bonus-Zahlungen aushandeln für den Fall, dass die Sensationsmannschaft in die Champions League oder einen Uefa-Cup-Platz erreicht. «Ich glaube nicht, dass wir so vermessen sein werden, eine Meisterprämie zu verhandeln», erklärte Hopp. In 31 von 45 Fällen war der Herbstmeister am Ende auch der Titelgewinner. «Wenn die Saison normal zu Ende geht, wird Bayern Meister», sagte jedoch Rangnick.
«Es geht darum, unser Niveau zu stabilisieren, uns Schritt für Schritt weiter zu verbessern. Wir werden keine Sprünge mehr mit Sieben-Meilen-Stiefeln machen», meinte der Erfolgscoach über seine Pläne für die Rückrunde. Schindelmeiser sprach von «Fein-Tuning».
Rangnick dämpft die EuphorieNach der Verpflichtung von Torhüter Timo Hildebrand wird sich der Aufsteiger möglicherweise weiter verstärken, wenn, dann aber nur mit jungen Spielern. «Mal sehen, ob wir auf der einen oder anderen Position noch was tun», offenbarte Perfektionist Rangnick, der die Anspannung so schnell nicht abschütteln konnte.
«Mit dem 1:1 heute müssen wir leben. Ich freue mich schon über Platz eins, aber noch mehr hätte ich mich über zwei Punkte mehr gefreut», sagte der 50-Jährige nicht gerade euphorisch und räumte ein, dass ihn noch immer die 1:2-Niederlage die Woche zuvor beim FC Bayern München schmerzt: «Das hat viel mehr wehgetan.»
Die Rolle des GejagtenDie neue Rolle des Gejagten, die Hoffenheim nun einnimmt, macht Rangnick weniger zu schaffen. «Wir sind ja schon ein paar Spieltage die Gejagten. Aber es wird so sein, dass sich die Gegner auf uns einstellen.» Das war auch den Schalkern glänzend gelungen, die dem Spitzenreiter beim letzten Auftritt in der mit 26.300 Zuschauern ausverkauften Mannheimer Carl-Benz-Stadion alles abverlangten.
Selim Teber erzielte erst in der 72. Minute mit einem Freistoßtor den Ausgleich, zuvor hatte Gerald Asamoah (40.) die Gäste in Führung gebracht. In der hektischen Partie sahen Jermaine Jones und Orlando Engelaar Gelb-Rot, zudem wurden die Schalker Assistenten Mike Büskens und Youri Moulder auf die Tribüne geschickt.
Baustelle auf SchalkeEs sprach für die Hoffenheimer, dass sie sich nicht groß als Herbstmeister feiern ließen, sondern als anständige Gäste auf T- Shirts und Spruchband («Danke Mannheim») für die Unterstützung bedankten. Zur Rückrunde geht's in die neue 60-Millionen Euro teure Rhein-Neckar-Arena nach Sinsheim, und Hopp erhofft sich davon auch einen Imagewandel. «Wir sind nicht mehr der Dorfverein, sondern der Verein der Rhein-Neckar-Region mit 2,4 Millionen Einwohnern», erklärte er.
Bei Schalke sind nach der schlechtesten Hinrunde seit fünf Jahren Aufräumarbeiten angesagt. «Wir haben diese Woche noch einiges zu tun. Wir müssen an den Lösungen, die wir im Kopf haben, arbeiten», meinte Manager Andreas Müller im Hinblick auf geplante Neuverpflichtungen. «Auch mit dem Trainer werden wir uns nochmal zusammensetzen.» Fred Rutten war nach einem einigermaßen versöhnlichen Jahresausklang mit einem blauen Auge davongekommen. «Ich bin sicher nicht zufrieden mit Platz sieben», meinte er über seine mit Meisterschaftsambitionen in die Saison gestartete Mannschaft. «Aber ich habe sehr viel Vertrauen, dass es in der Rückrunde besser wird.» (dpa)