Finanzkrise zwingt Fußball-Klubs zum Umdenken:
Ende der Prasserei
03.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Schon seit Monaten wirbt der FC Valencia auf seinen Trikots für ein längst bankrottes Unternehmen, das keinen Euro mehr zahlt. Andere spanische Erstligisten wie Racing Santander oder Deportivo La Coruna spielen ohne Trikotsponsor. Die Hemden des FC Malaga ziert ein Schriftzug der spanischen Hafenstadt an der Costa del Sol, Betis Sevilla macht Reklame für Andalusien.
Der Glaube an unbegrenztes Wachstum ist auch in der reichsten Liga der Welt passé. Mit 736 Millionen Pfund - umgerechnet 858 Millionen Euro - steht der FC Chelsea, Tabellen-2. der Premier League, in der Kreide. Zudem nimmt die Spendierfreudigkeit von Mäzen Roman Abramowitsch spürbar ab. Kostspielige Vorhaben wie ein Neubau am Trainingsgelände wurden gestoppt, die meisten Talente-Späher bereits verabschiedet. Ähnlich wie Klinsmann spricht Felipe Scolari von veränderten Realitäten: «Wir dürfen nicht vergessen, dass viele Klubs Rote Zahlen schreiben, weil sie ausgegeben haben, was sie nicht hatten. Es ist Zeit für eine neue Philosophie», sagte der Chelsea- Coach dem «Observer».
Auch in Italien kann von sorgenfreien Zuständen nicht mehr die Rede sein. Ein Niedergang wie beim einstigen Europacup-Sieger AC Parma, der seit dem Zusammenbruch des Parmalat-Konzerns vor vier Jahren als FC Parma nur noch ein Schattendasein fristet, ist auch für andere Klubs nicht auszuschließen.
Angesichts dieser internationalen Entwicklung wollte Bayern-Coach Klinsmann nicht ausschließen, dass Superstars in Zukunft auch wieder Interesse an der Bundesliga finden: «Es wird neue Konstellationen geben. Spieler, deren Verpflichtung jetzt im Januar undenkbar wäre, sind vielleicht im Juni zu viel niedrigen Summen zu haben.»
Nicht auszuschließen, dass es in Deutschland sogar Profiteure der Krise gibt. Denn nach Meinung von Reinhard Rauball steht die Bundesliga in schwerer werdenden Zeiten vergleichsweise gut da. «Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass sich auch in England, Italien und Spanien manche Dinge normalisieren», sagte der Ligaverbands-Präsident. «Als mich ein Kollege aus der Bundesliga einmal fragte, wie die Diskrepanz zwischen der Finanzkraft der großen Ligen auf der einen und der Bundesliga auf der anderen Seite verkleinert werden könnte, habe ich gesagt: durch den Zeitablauf.» (Heinz Büse, dpa)

