10.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Rudelbildung: Babak Rafati (2.v.r.) und die Spieler von Eintracht Frankfurt
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Am Wochenende zogen sich wieder mehrere Bundesliga-Schiedsrichter den Zorn der Aktiven zu, besonders deutlich wurde VfB-Torhüter Jens Lehmann. Zwei anderen Kritikern, darunter BVB-Coach Jürgen Klopp, drohen jetzt Konsequenzen.
Nach dem 2:2 zwischen Eintracht Frankfurt und dem VfB Stuttgart bezog Schiedsrichter Babak Rafati von allen Seiten verbale Prügel - und Jens Lehmann hob sich aus dem vielstimmigen Kreis der Kritiker besonders hervor. «Wenn man so viele Fehler macht, ist es erstaunlich, dass man noch als Fifa-Schiedsrichter durchgeht. Wir haben allen Grund, uns über die Leistung des Schiedsrichters nicht gerade glücklich zu zeigen. Was der Mann da macht, ist unglaublich», schimpfte der am Montag 39 Jahre alt gewordene Torhüter der Schwaben über den Unparteiischen.
Rafati bringt beide Seiten gegen sich aufMit einer Reihe unglücklicher Entscheidungen hatte sich Rafati, der vor dem 2:0 der Hessen durch Doppel-Torschütze Nikos Liberopolous (18./66.) ein klares Foul des Griechen übersehen hatte, aber nicht nur den Zorn der Stuttgarter zugezogen. Nach dem Anschluss von Martin Lanig (71.) löste der späte Ausgleich von Mario Gomez (87.) heftige Kontroversen aus. Zunächst verweigerte Rafati dem Treffer wegen eines angeblichen Foulspiels des Nationalstürmers die Anerkennung, ehe er sich von seinem Assistenten Robert Hartmann umstimmen ließ. «Zu dieser Entscheidung möchte ich nichts sagen, weil ich nicht so viel Geld habe, wie ich bezahlen müsste», verkniff sich Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel öffentliche Kritik am Schiedsrichter.
Trotz seiner verbalen Schelte muss Lehmann keine Konsequenzen durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) fürchten. «Ein Ermittlungsverfahren wird nicht eingeleitet. Die Aussagen von Jens Lehmann haben aber die Grenze der verfolgungswürdigen Unsportlichkeit nur ganz knapp unterschritten», erklärte Anton Nachreiner, Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses.
Ermittlungsverfahren gegen Klopp und PizarroWerder Bremens Stürmer Claudio Pizarro und Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp hingegen drohen wegen ihrer Aussagen Ungemach. Beide stehen unter Verdacht, sich eines unsportlichen Verhaltens schuldig gemacht zu haben, und wurden zu einer zeitnahen Stellungnahme aufgefordert. Nach Vorliegen und Auswertung der Stellungnahme wird der Kontrollausschuss über den weiteren Fortgang des Verfahrens entscheiden.
Pizarro hatte am Samstag nach dem Bundesliga-Spiel der Bremer beim VfL Bochum (0:0) in einem Fernsehinterview gesagt: «Wir haben gegen zwölf Bochumer gespielt. Der Schiedsrichter war eine Katastrophe.» Klopp hatte nach dem Gastspiel des BVB beim Hamburger SV (1:2) Referee Jochen Drees auf dem Rasen und später in der Schiedsrichter- Kabine in einen Disput verwickelt. Dazu fertigte der Unparteiische einen Sonderbericht an, der dem Kontrollausschuss vorliegt. Drees hatte in einem Fernsehinterview Klopp für die verbalen Entgleisungen des Dortmunders Robert Kovac, der nach Abpfiff der Partie die Rote Karte gesehen hatte, verantwortlich gemacht.
Unverkennbar haben sich die Fronten zwischen den Profis und den Unparteiischen verhärtet. «Wir werden das beim Runden Tisch am 17. November in München aufarbeiten», kündigte Schiedsrichter-Lehrwart Eugen Strigel an. (nz/dpa)