Trainer-Rauswurf in Gladbach:
Luhukay wird gegangen
05. Okt 2008 18:45
 |  Lang vergangene Zeiten: Jos Luhukay jubelt | Foto: dpa |
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«Das Wort Aufgeben kenne ich nicht», sagt Jos Luhukay. Seine Vorgesetzten hingegen kennen das Wort «Rausschmiss» - Der Gladbacher Coach ist mit sofortiger Wirkung nicht mehr im Amt.
Ende statt Wende: Das 1:2 im rheinischen Derby gegen den Erzrivalen 1. FC Köln war für Jos Luhukay bei Borussia Mönchengladbach eine Niederlage zuviel. Nach sechs Pleiten in sieben Spielen sahen sich die Vereinsverantwortlichen des Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga am späten Sonntagnachmittag nach stundenlangen Beratungen dazu gezwungen, den Niederländer zu entlassen.
«Jos Luhukay ist unser Aufstiegstrainer und ihm gilt unser Dank und unser Respekt. Wir schätzen ihn menschlich und fachlich sehr, trotzdem hat uns die aktuelle sportliche Lage veranlasst, uns von ihm zu trennen», begründete Präsident Rolf Königs die erste Trainer-Entlassung der Bundesliga-Saison.
Zunächst wird Sportdirektor Christian Ziege das Training beim Traditionsklub vom Niederrhein übernehmen. «Wir suchen ab sofort nach einem neuen Trainer, der zum Verein und zur Mannschaft passt, werden dies aber in Ruhe und mit Sorgfalt tun», erklärte Ziege, den die sportliche Talfahrt des Zweitliga-Meisters der vergangenen Saison sichtlich mitgenommen hat. «Es wird keinen Schnellschuss geben, deshalb habe ich mich bereiterklärt, die Mannschaft vorübergehend zu trainieren«, sagte der Sportdirektor.
Rausschmiss am Ende des Beratungs-Marathons
Am Samstag nach der unglücklichen, aber nicht unverdienten Niederlage gegen Köln war der Europameister von 1996 einer Entscheidung noch ausgewichen. Letztendlich konnte aber auch Ziege, der die Borussia zusammen mit Luhukay nach dem Abstieg 2007 direkt ins Oberhaus zurückgeführt hatte, den Niederländer nicht mehr länger halten. Am Ende eines Beratungs-Marathons stand der Rausschmiss des Trainer. An diesem Montag will sich Ziege zusammen mit Königs zur weiteren Vorgehensweise äußern. Ob dann bereits ein neuer Trainer präsentiert wird, ist unklar.
Der in der vergangenen Saison beim FC Schalke 04 entlassene Mirko Slomka erklärte am Sonntag im Pay-TV-Sender Premiere, er habe noch keinen Anruf erhalten. Gehandelt wird zudem Ex-Coach Hans Meyer. Möglich wäre auch eine Lösung mit Ziege als Trainer, dem wegen der fehlenden Trainerlizenz A-Jugend-Coach Sven Demandt assistieren könnte. Präsident Königs gilt als Anhänger dieser Idee.
«Ich und die Mannschaft stehen ganz klar zum Trainer»
Luhukay hatte sich noch am Samstag kämpferisch gezeigt. «Das Wort Aufgeben kenne ich nicht», hatte der Coach gesagt. Auch die Spieler standen offenbar bis zuletzt hinter dem Niederländer, der am 1. Februar 2007 Jupp Heynckes bei den «Fohlen» abgelöst hatte. «Ich und die Mannschaft stehen ganz klar zum Trainer», sagte Nationalspieler Marko Marin, den Luhukay gegen Köln wieder in die Startformation beordert hatte.
Zwar konnte Luhukay nach seiner Amtsübernahme im Borussia-Park den Abstieg in die 2. Liga nicht verhindern, schaffte dann mit dem fünfmaligen deutschen Meister aber in souveräner Manier den direkten Wiederaufstieg. Dabei bewies er zusammen mit Ziege besonders bei der Zusammenstellung des Kaders ein glückliches Händchen.
Aufstiegshelden nicht nominiert
Dieses Glück schien dem Aufstiegscoach in dieser Saison aber verlassen zu haben. Immer wieder änderte der akribische Arbeiter das System, auch weil vermeintliche Stammspieler ihrer Form hinterher liefen. Gegen Köln hatte der 45-Jährige in Sascha Rösler und Alexander Voigt zwei «Aufstiegshelden» nicht berücksichtigt und damit den Kritikern neue Nahrung gegeben.
Nach der vierten Niederlage in Serie war dann endgültig Schluss für den Borussia-Coach, zumal sein Team gegen Köln im zweiten Durchgang die nötige Entschlossenheit hatte vermissen lassen. «Die Mannschaft ist nach dem 0:1 toll zurückgekommen und hat in der ersten Halbzeit gut gespielt. Nach der Pause konnte sie daran leider nicht mehr anknüpfen», hatte Ziege nach dem Spiel zugleich gelobt und kritisiert. Am Ende setzte sich auch beim Sportdirektor die Kritik durch. (nz/dpa)