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Herthas Nullnummer gegen den FC Liverpool: 

Komplimente von der Anfield Road

23. Jul 2008 10:40
Elfmeterkiller: Herthas Christian Fiedler
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Der Berliner Bundesligist Hertha BSC hatte sich am Dienstagabend den FC Liverpool zu einem normalen Testspiel eingeladen. Es wurde mehr: Über 50.000 Zuschauer kamen ins Olympiastadion und hatten ihren Spaß. Von Alexander Ludewig

Wenn beide Trainer nach einem Spiel zufrieden sind, kann es nicht so schlecht gewesen sein – zumal nach einem torlosen Unentschieden. Das am Dienstagabend zwischen Hertha BSC und dem FC Liverpool vor knapp 52.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion die Tore fehlten, konnte sowohl Rafael Benitez, spanischer Coach der «Reds»als auch Hertha-Trainer Lucien Favre verschmerzen.

Drei Wochen vor dem Auftakt in der Bundesliga und der Premier League war das Spiel für beide Teams ein gelungener Test. Liverpools Trainer Benitez hat ein «gutes Spiel mit vielen Chancen» gesehen und bescheinigte seinem Team eine ordentliche Arbeit auf dem Platz. Auch die Zuschauer teilten diese Meinung und sorgten für eine «überragende Stimmung für ein Vorbereitungsspiel», so Hertha-Coach Favre.

Dynamisches Sturm-Duo

Im Gegensatz zum Berliner Bundesligisten, der mit der gleichen Aufstellung wie in der Uefa-Cup-Qualifikation gegen Nistru Otaci antrat, fehlten beim FC Liverpool einige Leistungsträger mehr. Kapitän Steven Gerrard oder die spanischen Europameister Xabi Alonso und Fernando Torres saßen nicht einmal auf der Bank. Hertha begann dann die Partie auch druckvoller als der Gast aus der Premier League und hatte durch Sofian Chahed die erste Chance. Der Warnschuss aus 25 Metern (6.) strich knapp am Gehäuse des neuen Liverpool-Keepers Diego Cavalieri vorbei.

Gefährlich kamen die Berliner erst wieder in der 35. Minute vor das Tor des 25-jährigen Brasilianers. Erneut scheiterte Rechtsverteidiger Chahed nach Zusammenspiel mit Marko Pantelic. Auch an der nächsten gefährlichen Szene war der 29-jährige Stürmer beteiligt, im Zusammenspiel mit Raffael. Pantelic, einer der besten Herthaner, zeigte sich wie vor fünf Tagen gegen Otaci sehr spielfreudig sowie mannschaftsdienlich und harmoniert mit seinem brasilianischem Sturmkollegen Raffael immer besser. Liverpool kam in der ersten Halbzeit zweimal gefährlich vor das von der Nummer eins Jaroslav Drobny bewachte Hertha-Tor.

Fiedlers Glanztat

Die zweite Hälfte begannen die «Reds» entschlossener und wurden in der 50. Minute prompt belohnt. Der ehemalige Bundesligaspieler Andrey Voronin wurde im Strafraum von Kaka zu Fall gebracht und trat den fälligen Strafstoß selbst. Auf der Linie stand ihm der zur Halbzeit eingewechselte Christian Fiedler gegenüber. Er tauchte ab und lenkte den Ball um den rechten Pfosten. Danach wurde das Hertha-Urgestein minutenlang von den Fans gefeiert. Nach einigen Wechseln – Lucien Favre tauschte acht Spieler, Rafa Benitez sogar einen mehr – wurde das Spiel der Berliner zerfahrener, besonders die Auswechslung von Raffael ließ den Spielfluss versiegen.

Den Höhepunkt erreichte das muntere Wechselspiel in der 60. Minute. Herthas brasilianischer Neuzugang Cicero Santos kam zu seinen ersten 30 Spielminuten im blau-weißen Dress und zeigte im defensiven Mittelfeld eine gute Leistung, die auch Trainer Favre überzeugte. Auch Kaka, der zweite Neue aus dem Land des viermaligen Weltmeisters, kann auf seiner Position zur Stammkraft werden. In der Innenverteidigung hinterließ der 27-Jährige erneut einen starken Eindruck. Mit Marc Stein stand eine weitere Neuverpflichtung von Beginn an auf dem Platz, offenbarte wie auch schon gegen Otaci die eine oder andere Schwäche. «Im taktischen Bereich muss er schon noch zulegen», so Lucien Favre über den von Hansa Rostock verpflichteten Außenverteidiger.

Höfliche Statements der Trainer

Dass man trotz vieler Wechsel noch geordnet und druckvoll spielen kann, demonstrierte das Spitzenteam aus der Premiere League. Das lag aber vor allem an der individuellen Klasse der eingewechselten Spieler. Der niederländische Nationalstürmer Dirk Kuyt kam in der 74. Minute und leitete mit dem zehn Minuten zuvor eingewechselten Yossi Benayoun einige gefährliche Aktionen ein. Auch Jermaine Pennant und der fleißige Andrey Voronin konnten gefallen.

Natürlich läuft drei Wochen vor dem Ligaauftakt noch nicht alles rund. So bemängelte Hertha-Coach Lucien Favre die «vielen Ballverluste» und will vor allem noch an der «Technik und dem ballorientierten Spiel» arbeiten. Doch es gab auch Lob. Auf der Pressekonferenz, die auf Wunsch der Gäste und nach englischem Vorbild getrennt voneinander abgehalten wurde, hob der 48-jährige Benitez die «vielen guten und jungen Hertha-Spieler» und die Arbeit des Trainers Favre hervor: «Er hat die Mannschaft sehr gut eingestellt». Anschließend verabschiedete er sich ganz gentlemanlike: «All the best for the season» - und verschwand eiligst mit dem Liverpool-Tross Richtung Flughafen.

Hertha BSC: Drobny (46. Fiedler) - Chahed (60. Radjabali-Fardi), von Bergen, Kaka, Stein - Ebert (74. Bigalke), Dardai (66. Lustenberger), Kacar (60. Cicero), Piszczek (79. Riedel) - Raffael (66. Domovchiyski), Pantelic (74. Hartmann)
FC Liverpool: Cavalieri (65. Martin) - Insua (46. Dossena), Agger (46. Hyypia), Darby (46. Skrtel), Carragher (46. Degen) - Pennant (65. Benayoun), Leto (74. Spearing), Plessis (74. Hobbs), Mascherano - Voronin, Pacheco (74. Kuyt)

 
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