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Flucht nach Peking: 

Diego und Rafinha setzen sich ab

22. Jul 2008 17:02
Über Paris nach Peking: Diego checkt ein
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Der Streit um die Olympiateilnahme von ausländischen Fußballprofis in der Bundesliga nimmt imer skurillere Züge an. Jetzt haben sich Werders Spielmacher Diego und Schalkes Rafinha eigenmächtig nach Paris abgesetzt.

Am Dienstag noch war Diego pünktlich bei seinem Verein SV Wreder Bremen zum Fototermin erschienen. Alles ganz normal: Mit seinen Mitspielern stellte er sich lächelnd zum Mannschaftsfoto auf. Doch schon die Trainingseinheit danach ließ der Brasilianer aus, es folgte stattdessen nochmals ein Gespräch mit Werder Geschäftsführer Klaus Allofs über die vom Mittelfeldspieler angestrebte Olympiateilnahme. Anscheinend ohne Ergebnis. Denn Diego checkte gegen Mittag auf dem Bremer Flugahefn nach Paris ein: Treffpunkt des brasilianischen Olympiakaders! Ähnlich turbulent ging es auf Schalke zu. Rafinha, brasilianischer Rechtsverteidiger der Königsblauen, hat sich ebenfalls eigenmächtig nach Paris verabschiedet.

Flucht aus der Liga

Nun wollen der FC Schalke 04 und Werder Bremen nach der «Flucht» von Rafinha und Diego eine Grundsatzentscheidung vom Internationalen Sportgerichtshof CAS. Während Werder und Diego erklärten, sich dem Schiedsspruch dieser Instanz unterwerfen zu wollen, droht der FC Schalke 04 Rafinha mit einer saftigen Geldstrafe und einer Sperre für das olympische Fußballturnier. Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs wollte beide Fälle zwar nicht in einen Topf werfen, sagte aber unmissverständlich: «Tatsache ist, wenn wir am Mittwoch ins Trainingslager nach Österreich fahren, wird Diego unentschuldigt fehlen.»

«Wir haben den brasilianischen Fußballverband CBF und das IOC schriftlich dazu aufgefordert, dass Rafinha bei Olympia nicht spielen darf. Falls der CBF unserem Wunsch nicht entsprechen wird, werden wir vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS eine Klage einreichen», kündigte Schalkes Manager Andreas Müller an. Beide Vereine sind der Ansicht, dass es keine Abstellungspflicht für ihre Spieler für olympische Turniere gibt.

Der Streit spitzt sich zu

Allofs zeigte sogar Verständnis für seinen Spielmacher: «Diego steht unter großem Druck aus seinem Heimatland.». Ähnlich sieht es sein Schalker Kollege. «Ich glaube, dass vom Verband viel Druck auf Rafinha ausgeübt und er von seinem brasilianischen Umfeld bedrängt und einfach schlecht beraten wurde», meinte Müller. Der Manager betonte, dass der Spieler einen Vertragsbruch mit Schalke begangen habe. «Es widerspricht der olympischen Charta, dass solch ein Spieler bei Olympia antreten darf», betonte Müller, der damit auch eine Sperre Rafinhas für die Olympischen Spiele fordert.

Beide Klubs holten Rat beim Deutschen Fußballbund (DFB) ein. «Wir haben uns mit Präsident Theo Zwanziger und Generalsekretär Wolfgang Niersbach abgestimmt, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein», sagte Müller. Der DFB hat Schalkes Protest an den Weltverband Fifa weitergeleitet und teilt die Rechtsauffassung, dass keine Abstellungspflicht besteht. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärte der DFB: «Das Miteinander von Vereinsfußball und den Terminen und Verpflichtungen der Nationalmannschaften kann nur funktionieren, wenn frühzeitig Rechtssicherheit geschaffen und die geltenden Regularien klar kommuniziert werden. Es kann nicht sein, dass ein europäischer Spitzenklub drei Wochen vor dem Saisonstart von so einer Entwicklung überrascht wird.»

Die Fifa hatte sich in einem Schreiben an die betroffenen Klubs lediglich auf ein Gewohnheitsrecht zur Abstellung berufen und damit für viel Verwirrung bei den Vereinen gesorgt. IOC-Präsident Jacques Rogge hatte sogar von einer Sperre für die Spieler gesprochen, die trotz Nominierung nicht von ihren Klubs freigestellt werden.

Empfindliche Strafen

Sollte Rafinha seinen Boykott durchziehen und mit Brasilien in Peking starten, kommt ihn das teuer zu stehen. Die Geldstrafe könnte bis zu 800.000 Euro betragen. Müller hat bisher vergeblich versucht, Rafinha telefonisch zu erreichen. Die zu erwartenden Konsequenzen sind dem Profi schriftlich in englischer und portugiesischer Sprache in den Hausbriefkasten zugestellt worden. Dennoch ist Schalke bereit, die ganze Geschichte zu vergessen, wenn der Spieler einlenkt und doch noch ins Trainingslager des Bundesligisten nachreist. «Wir hoffen, dass bei Rafinha nun ein Sinneswandel einkehrt. Falls er am Mittwoch oder Donnerstag bei uns im Trainingslager auftaucht, wird es aber keine weiteren Konsequenzen geben», versprach Müller. (nz/dpa)

 
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