Tränen im Osten, Besonnenheit im Westen:
Rostock und Duisburg sagen Adieu
11. Mai 2008 17:18
 |  Nichts geht mehr: Hansa-Torwart Jörg Hahnel nach dem Abstieg | Foto: dpa |
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Der FC Hansa Rostock und Duisburg sind vor einem Jahr gemeinsam in die Bundesliga aufgestiegen, jetzt verlassen sie zusammen das Fußball-Oberhaus. Die Ziele für die neue Saison gleichen sich ebenfalls.
Sie weinten bitterlich, warfen sich auf den Rasen und nahmen wehmütig Abschied von der Fußball-Bundesliga: Die Spieler des FC Hansa Rostock ließen nach dem feststehenden Abstieg ihrem Seelenkater freien Lauf. In einer der schwersten Stunden der Vereinsgeschichte richtete Trainer Frank Pagelsdorf seinen Blick jedoch bereits in die Zukunft: «Nur der Wiederaufstieg kann das Ziel sein», sagte der 50-Jährige nach der 1:2-Niederlage gegen Bayer Leverkusen, die den Gang in die 2. Liga besiegelte. Doch ob Rostock in der kommenden Saison um den Aufstieg spielen kann, ist angesichts der wirtschaftlichen Situation des Klubs fraglich.
Pagelsdorf bleibt
Fest steht allerdings: Der ostdeutsche Traditionsverein setzt weiter auf Pagelsdorf. «Er bleibt unser Trainer», sagte Hansa-Boss Dirk Grabow mit zitternder Stimme und feuchten Augen: «Wir haben schon einmal bewiesen, dass wir den Weg zurück in die Bundesliga packen können.» Zuletzt war Rostock im Jahr 2005 abgestiegen. Zwei Jahre später machten sie die Rückkehr in die Bell-Etage des deutschen Fußballs perfekt. Nach nur einem Jahr geht es nun wieder abwärts. Und das ohne Stefan Beinlich: Der ehemalige Nationalspieler soll im Verein einen Posten im Management bekommen. Arbeit gibt es genug. So muss Hansa eine «schlagkräftige Truppe aus die Beine stellen», wie es Beinlich selbst formulierte.
Hansas Zukunftsplanung
«Wir stehen mit zwei bis drei Spielern kurz vor dem Anschluss. Das Ziel muss grundsätzlich sein, dass wir uns verstärken», erklärte Pagelsdorf, ohne jedoch Namen zu nennen. Dass dies keine großen Namen sein werden, scheint angesichts des 17-Millionen Etats der Rostocker absehbar. Ob der Leverkusener Sascha Dum an die Ostseeküste wechseln wird, bleibt ungewiss. Laut Hansa-Manager Herbert Maronn sei mit Leverkusen bereits Einigkeit über den Transfer erzielt worden. Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler wollte davon nichts wissen: «Er bleibt in Leverkusen. So einfach ist das.» Es droht ein RechtsstreitEin weiterer möglicher Neuzugang ist Stürmer Robert Lechleiter vom Regionalligisten SpVgg Unterhaching. Den Verein verlassen werden Marc Stein (Hertha BSC), Tim Sebastian (Karlsruher SC) und Routinier René Rydlewicz, der kein neues Vertragsangebot vom Verein erhielt. Die Verträge von Victor Agali, Amir Shapourzadeh und Sebastian Hänge laufen zum Saisonende aus.
Sechster MSV-Abstieg
Auch der MSV Duisburg konnte sich nach dem letztjährigen Aufstieg nur ein Jahr in der Bundesliga behaupten. Der sechste Abstieg der «Zebras» vollzog sich im Gegensatz zu den Rostockern fast geräuschlos und nüchtern. «Natürlich sind wir traurig, aber das muss man erst mal alles verarbeiten. Letztlich war dieser Abstieg auch ein langer Prozess, wir haben es nicht heute aus der Hand gegeben», bekannte Trainer Rudi Bommer nach dem 2:3 (0:3) gegen den Meister FC Bayern München.
Nach dem Schlusspfiff herrschte unter den Duisburger Fans und einigen Profis kurzzeitig Verwirrung. Denn zunächst war gar nicht klar, ob ihr Team denn nun wirklich abgestiegen ist. Die Stadionregie hatte kurz zuvor die 3:2-Führung von Borussia Dortmund bei Arminia Bielefeld vermeldet, damit wäre der MSV noch im Rennen gewesen. So schlichen die Duisburger Spieler vom Feld und ihre Anhänger blieben ratlos zurück. «Das ist schon sehr eigenartig, dass dann ein falsches Ergebnis vermeldet wird. Da kommt dann Hektik auf», meinte Bommer, der eigentlich veranlasst hatte, dass im Stadion keine Zwischenstände von den Partien der anderen Abstiegskandidaten eingeblendet werden
Sofortiger Wiederaufstieg als Ziel
«Jetzt werden wir kurz verschnaufen und dann Gespräche mit den Spielern führen. Unser Profil geht jedenfalls über die 2. Liga hinaus, wir streben wieder die Bundesliga an», sagte MSV-Sportdirektor Bruno Hübner. Trainer Bommer, der ohnehin noch einen Vertrag besitzt und zudem Rückendeckung von Klubchef Walter Hellmich genießt, will das Unternehmen Aufstieg zum zweiten Mal angehen. «Ich möchte gerne weitermachen», sagte der Coach.
Allerdings unter anderen Voraussetzungen. «Mein Wunsch ist es, einen Mannschafts-Block zu behalten und nur vier oder fünf junge Leute zu verpflichten. Und nicht wieder 13», erklärte der Duisburger Coach. Die meisten MSV-Profis besitzen ohnehin Verträge, die auch für die 2. Liga gültig sind. Klar ist, dass der finanzielle Rahmen arg eingeschränkt wird. «Wir rechnen mit ungefähr der Hälfte des aktuellen Budgets», sagte Hübner. (nz/dpa)