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«Fast schon ein Mordversuch»: 

Wiese-Attacke schockiert den HSV

08. Mai 13:54
Ohne Rücksicht auf Verluste: Werder-Keeper Tim Wiese brutla gegen Olic
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Fassungslos reagierten die Hamburger auf den Kung-Fu-Tritt des Bremer Torhüters Tim Wiese gegen Ivica Olic. Werder Bremen will keine Absicht erkannt haben und freut sich lieber auf die Champions-League.

Für Franz Beckenbauer war das Kamikaze-Foul von Werders Torhüter Tim Wiese «fast schon Mordversuch», doch die Bremer hatten nicht einmal eine Entschuldigung parat. «Ich habe erst den Ball getroffen, Ivica Olic muss da ja nicht hingehen», sagte Wiese frech nach seiner Kung-Fu-Attacke im Nordderby gegen den Kroaten, der nur mit Glück keine Verletzung davontrug. Auch Manager Klaus Allofs, zutiefst erleichtert über das 1:0 gegen den Hamburger SV, verteidigte seinen nur mit Gelb bestraften Schlussmann: «Er wollte den Ball spielen.» Geschockt von der Brutalität zeigte sich HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer: «Wenn ich sehe, dass der Stollen von Wiese bei 1,80 Meter Höhe ist, habe ich nichts anderes als Rot gesehen.»

Wagners krasse Fehlentscheidung

Auch Torhüter-Kollege Frank Rost attestierte Schiedsrichter Lutz Wagner (Hofheim), dem das Spiel zusehends entglitt, eine krasse Fehlentscheidung: «Ivica war frei durch und wird ganz klar weggeräumt. Wir haben in solchen Situationen schon oft Rote Karten gekriegt.» Mit Sarkasmus kommentierte der HSV-Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann den negativen Höhepunkt des von wenig Fußball-Feinkost geprägten Spiels: «Das hat jeder im Stadion gesehen, aber Herr Wagner hatte wohl erst in der zweiten Halbzeit die Roten Karten mitgebracht.»

Acht Gelbe, eine Gelb-Rote (57./Frank Baumann) und eine Rote Karte (89./Jurica Vranjes) dokumentierten den erbitterten Kampf der Nordrivalen um das Millionen-Geschäft Champions-League. «Wir sollten nicht in Depressionen verfallen, wenn zwei Spieltage vor Schluss noch der Uefa-Cup winkt, auch wenn wir jetzt bitter enttäuscht sind», sagte Hoffmann.

Der 100 Millionen Euro-Unterschied

Hugo Almeida entschied mit seinem zehnten Saisontor (50. Minute) das Spiel und sicherte seinem Klub zumindest schon einmal die Champions League-Teilnahme. Zwar hatte der HSV deutlich mehr Chancen, konnte sie aber im Gegensatz zu Werder nicht verwerten. «Die Bremer haben über die Saison ihre Hausaufgaben besser gemacht», erkannte Hoffmann an und bezifferte den Unterschied zwischen dem Tabellen-Vierten, der um den Uefa-Cup kämpfen muss, und dem Zweiten ganz klar: «Fünf Teilnahmen nacheinander in der Champions-League bedeuten 100 Millionen Euro, das ist nicht so schnell wegzudiskutieren.» Seine große Erleichterung über den Riesenschritt Richtung kontinentaler Meisterklasse zeigte Thomas Schaaf noch auf dem Rasen. Freudig wie selten ging er mit seinen Profis in die Fankurve und bedankte sich bei den Anhängern.

Traurige Gesichter trugen die Gastgeber, die wenigstens mit einer guten Nachricht aufwarten konnten: Die Verpflichtung des niederländischen Trainers Martin Jol als Nachfolger für Huub Stevens soll nur noch eine Formsache sein. Der Aufsichtsrat der Hanseaten will am kommenden Dienstag sein offizielles Okay nach halbjähriger Suche geben. «Es hat in den Verhandlungen nie eine Rolle gespielt, ob wir international dabei sind», behauptete Hoffmann, der keine Kritik an dem langwierigen Prozedere zulassen wollte. (dpa)

 
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