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Nationale Dominanz, europäische Tristesse: 

Der FC Bayern feiert und setzt sich neue Ziele

05. Mai 2008 14:54
Weißbierdusche zum Titel: Luca Tonis (r.) Frisur ist hin, Mark van Bommel (l.) geht in Deckung
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Die Münchner Bayern genießen den Gewinn des nationalen Doubles aus Meisterschaft und DFB-Pokal und beweihräuchern sich selbst. Doch die große Sehnsucht nach internationalen Erfolgen bleibt bestehen.

Nach 90 tor- und glanzlosen Minuten in Wolfsburg feierten die Bayern ihren 21. Titel wie immer mit überschäumenden Weißbierduschen. Schaut man auf die Jubelbilder und hört die Meister-Interviews drei Spieltage vor Saisonende, scheint die die Welt «der Roten» sogar rosarot. Doch das wirkliche «Mir san mir»-Gefühl ist nicht zu finden. Sicher, zehn Punkte Vorsprung sprechen eine deutliche Sprache. Doch die in dieser Saison immer wieder schwächelnde Konkurrenz hat es dem Rekordmeister auch wirklich nicht allzu schwer gemacht. Und das nationale Double hat Felix Magath auch ohne Millionen-Investitionen zweimal hintereinander gewonnen.

«Ottmar, Du bist fast perfekt»

Die Katerstimmung nach dem 0:4-Debakel im Uefa-Cup-Halbfinale in St. Petersburg schlug im Moment der auch rechnerisch besiegelten nationalen Dominanz ganz schnell wieder in Stolz um. «Es ist eine Genugtuung, Bayern wieder zur Nummer 1 in Deutschland gemacht zu haben», verkündete Hitzfeld, der in seinem 250. Bundesliga-Spiel als Bayern-Trainer seinen 25. Titel einheimste. «Ottmar, Du bist fast perfekt!», lobte Präsident Franz Beckenbauer. Entsprechend ausgelassen war dann auch die Stimmung auf dem Heimflug. Es sei «ganz schön was los gewesen mit Kissenschlacht und so weiter», wie Manager Uli Hoeneß kurz vor Mitternacht nach der verspäteten Landung in München mit heiserer Stimme berichtete.

Danach düsten Vorstand und Mannschaft weiter in die Innenstadt, wo die Party mit einem Duplikat der Meisterschale zunächst im Feinschmecker-Lokal «Käfer» weiterging. Trainer Ottmar Hitzfeld reagierte noch in der Nacht zum Montag und verlegte das ursprünglich für 12.00 Uhr angesetzte Ausnüchterungs-Training auf den Nachmittag. Aber kann man angesichts der Rekord-Investitionen von 80 Millionen Euro mit zwei nationalen Titeln zufrieden sein? Wollten die Bayern, wenn sie schon im «Verlierer-Cup» antreten müssen, diesen nicht auch gewinnen? Sind die vollmundigen Reden vom Triple schon vergessen?

Bayern verdrängen den Mißerfolg

In der «Bayern-Welt» schon. Vor allem Hoeneß mochte sich durch die «Momentaufnahme» St. Petersburg nicht seine Jubel-Stimmung vermiesen lassen. «Ich bin total zufrieden», hielt er den Kritikern entgegen. Die neuen Stars wie Franck Ribéry oder Luca Toni, die neben Hitzfeld und Oliver Kahn die Gesichter einer besonderen Bayern-Saison waren, haben anscheinend die erhoffte Rendite eingebracht. «Es ist 102-prozentig aufgegangen», erklärte Hoeneß.

Nach dem Sturz auf Platz vier in der Vorsaison und der damit verbundenen Verbannung in den Uefa-Pokal, «der ja wirklich keinen Spaß macht», wie Hitzfeld bemerkte, haben die Verantwortlichen den Umbruch gewagt und gewonnen. «Wir mussten tabula rasa machen», erinnerte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Nun soll der eingeschlagene Weg fortgesetzt werden - mit Jürgen Klinsmann und dem neuen Groß-Projekt Europa. «Im nächsten Jahr ist die Champions-League wichtiger als alles andere», betonte Hoeneß.

Klinsmann gratulierte den Verantwortlichen aus den USA zum Double, öffentliche Botschaften lehnte er auch auf Nachfrage ab. Hitzfeld hat nach eigener Einschätzung dafür gesorgt, dass sein Nachfolger «für die nächsten fünf, sechs Jahre eine großartige Mannschaft hat». Und ein wenig klang Hitzfelds Vermächtnis so wie 1990 bei Beckenbauer, als er nach dem WM-Triumph den Stab an Berti Vogts weiterreichte: «Ich glaube, dass nicht viel verbessert werden muss. Bayern muss keine großen Transfers tätigen, denn die Substanz ist groß genug, um auch in der Champions-League ganz weit zu kommen.»

Münchner Personalplanung

Das ist eine der vielen spannenden Fragen, aber zunächst geht es darum: Wer kommt, wer geht? In dieser Woche soll Klinsmann wieder nach München kommen, schon am Montag war beim FC Bayern eine Aufsichtsratssitzung anberaumt. Kapitän Oliver Kahn hört nach seinem achten und letzten Meistertitel, mit dem er mit dem bisher alleinigen Rekord-Champion Mehmet Scholl gleichzog, auf. Michael Rensing (23), der ihn schon beim Meisterstück in Wolfsburg vertrat, soll Kahns Erbe antreten, eine neue Nummer 2 wird noch gesucht.

Nationalspieler Philipp Lahm liebäugelt mit einem vorzeitigen Wechsel, laut Hoeneß zu Manchester United, wie der «kicker» meldete. Jan Schlaudraff wechselt zu Hannover 96, als einziger Neuzugang steht Nationalspieler Tim Borowski von Werder Bremen fest. Die große Transfer-Keule wollen die Bayern in diesem Sommer nicht noch einmal schwingen, auch wenn ein Weltmeister wie der Italiener Gennaro Gattuso (30) vom AC Mailand für das defensive Mittelfeld heiß gehandelt wird.

Das letzte Ziel

Das alles ist Zukunftsmusik: Schon am Mittwoch wollen Ribéry & Co. gegen Arminia Bielefeld vor 69.000 Zuschauern in der Allianz Arena zum Schaulaufen starten. Toni möchte die Torjäger-Krone holen, Kahn als letzte Bestmarke den Gegentor-Rekord von Werder Bremen knacken (22 Gegentreffer in der Spielzeit 1987/88). Erst am 17. Mai beim Saisonfinale gegen Hertha BSC gibt es dann die echte Meisterschale und die große Abschieds-Sause für Hitzfeld und Kahn auf dem Münchner Rathaus-Balkon. Klinsmann soll dort eine andere Trophäe hochhalten, wie Beckenbauer betonte: «Wenn Jürgen die Champions League gewinnt, ist alles in Ordnung...» (nz/dpa)

 
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