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Matthäus' Passion: 

«Ich bin stolz, in Israel arbeiten zu dürfen»

18. Apr 2008 14:13
Lothar Matthäus
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Im Sommer übernimmt Lothar Matthäus das Traineramt bei Maccabi Netanya. Dort will der Rekordnationalspieler, der schon seit Jahren ein Israel-Fan ist, «den Fußball positiv darstellen». Martin Krauß sprach mit ihm.

Derzeit steckt Lothar Matthäus noch mitten in seiner Trainerausbildung, absolvierte Praktika bei Inter Mailand und Werder Bremen. Im Sommer übernimmt der deutsche Rekordnationalspieler beim israelischen Spitzenteam Maccabi Netanya wieder einen Posten als Chefcoach.

Als Fußballer unumstritten, gilt der Trainer Matthäus noch immer als wenig überzeugend - zumindest in Deutschland. Der Wechsel nach Israel ist nach den Engagements in Ungarn, Brasilien, Serbien und Österreich der nächste Versuch, durch Erfolge im Ausland seine Reputation in der Heimat zu verbessern. Vor allem aber möchte er Entwicklungshilfe für den israelischen Fußball leisten, wie der Weltmeister von 1990 im Interview mit der Netzeitung verrät.

Netzeitung: Ein Weltmeister wird neuer Cheftrainer von Maccabi Netanya, ist das eine Aufwertung des israelischen Fußballs?

Lothar Matthäus: Vor allem macht es mich stolz, diesen Vertrag unterzeichnen zu können und in Israel arbeiten zu dürfen. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass sich der israelische Fußball positiv entwickelt.

Netzeitung: Ihr Vorgänger Reuven Atar hat bei Maccabi Netanya gute Arbeit geleistet: Vizemeister und in dieser Saison wieder vorne dabei. Ist das kein schweres Erbe?

Matthäus: Ich habe mich weder als Spieler noch als Trainer jemals vor schwierigen Aufgaben gedrückt. Und als Trainer weiß man, dass es auf die Entwicklungen ankommt: was ich aus einer Mannschaft herausholen kann, wie ich sie verbessern kann. Darauf kommt es an.

Netzeitung: Bislang hatten ausländische Trainer in Israel nicht unbedingt Glück: Luis Fernandez und Ossi Ardilez sind bei Beitar Jerusalem gescheitert – macht Sie das skeptisch?

Matthäus: Nein, ich gehe immer meinen eigenen Weg und schaue nicht nach dem, was andere machen.

Netzeitung: Aber der israelische Fußball gilt als schwieriges Pflaster. Die Auseinandersetzungen zwischen den eher rechts stehenden Fans von Beitar Jerusalem und den Fans des arabischen Klubs Bnei Sakhnin sind nicht ohne.

Matthäus: Ich gehe nach Israel, um den Fußball positiv darzustellen. Berührungsängste in die ein oder andere Richtung kenne ich nicht. Fußball ist mir das Wichtigste. Fußball bedeutet für mich Spaß und Freude.

Netzeitung: Können Sie sich vorstellen, dass es Vorbehalte in Israel gibt, weil Sie Deutscher sind?

Matthäus: Ich bin seit Jahren ein Fan von Israel, das weiß man auch in Israel. Das hat nichts mit Fußball und auch nichts mit dem aktuellen Job zu tun. Ich war in den letzten Jahren privat schon oft hier, habe zuletzt mit meinem Sohn hier auch Urlaub gemacht. Und ich habe in Israel viele gute Freunde. Die Israelis habe ich immer als freundliche und hilfsbereite Menschen erlebt. Natürlich darf man die Geschichte auf keinen Fall vergessen und muss immer wissen, was geschehen ist. Aber ich bin ein Mensch, der stets nach vorne schaut.

Netzeitung: Waren Sie auch schon in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem?

Matthäus: Ich war das erste Mal 1980 in Israel. Bei meinem zweiten Besuch im Land habe ich auch Yad Vashem besucht. Das war anlässlich eines Länderspiels, und die DFB-Elf hat damals auch versucht, dem israelischen Fußball auf seinem Weg nach Europa zu helfen.

Netzeitung: Als Vereinstrainer muss man ja im Land leben, wissen Sie schon, wo Sie hinziehen werden: Netanya, Haifa, Tel Aviv, Jerusalem?

Matthäus: Damit habe ich mich noch nicht beschäftigt, ich weiß, dass Israel überall ein schönes Land ist. Aber dass der Wohnort und der Arbeitsplatz nahe beieinander liegen sollten, ist ja klar.

Netzeitung: Sind Sie auch mit dem Besitzer von Maccabi Netanya, Daniel Jammer, befreundet?

Matthäus: Ich habe ihn vor drei Jahren über einen Freund kennen gelernt, wir verstehen uns gut.

Netzeitung: Jammer hat vor zwei Jahren öffentlich damit geliebäugelt, David Beckham zu Netanya zu holen. Können Sie sich vorstellen, dass er mit Ihnen als Cheftrainer auch solch spektaktuläre Spielerverpflichtungen vorbereitet?

Matthäus: Ich bin noch nicht im Vertrag, und möchte so etwas nicht kommentieren. Man muss ja immer realistisch bleiben.

Netzeitung: Wie beurteilen Sie insgesamt den israelischen Fußball?

Matthäus: Die Nationalmannschaft hat in den letzten Jahren jeweils knapp die Qualifikationen zu den großen Turnieren verpasst: die sind kurz davor. Zuletzt vor neun Monaten in London gegen England, bei dem Spiel war ich auch im Stadion. Der israelische Fußball ist auf einem guten Weg und ich würde mich freuen, wenn es heißt, dass ich als ausländischer Trainer da auch ein bisschen geholfen habe.

Netzeitung: Zu den Erfolgen Israels gehört in letzter Zeit eher der Trainerexport: Avram Grant bei Chelsea. Ist das auch eine Aufwertung des israelischen Fußballs?

Matthäus: Ja, es ist schön, wenn israelische Spieler und Trainer ihren internationalen Weg machen.

Netzeitung: In Deutschland beurteilt man Ihre bisherige Trainerbilanz nicht immer positiv.

Matthäus: Ich kann überall noch hingehen, wo ich gearbeitet habe. Das liegt, glaube ich, daran, dass man dort nicht der Meinung ist, dass ich schlechte Arbeit geleistet hätte.

Netzeitung: Zum Schluss vielleicht noch einen EM-Tipp?

Matthäus: Wir sind keine Wahrsager. Deutschland gehört auf jeden Fall zu den Favoriten, aber man muss sagen, dass die Favoriten breit gestreut sind.
Es genügt ein schlechter Tag, um zu scheitern. Meine Favoriten sind Frankreich oder Spanien.

Interview: Martin Krauß

 
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