27.03.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Schweizer Gelassenheit: Jakob "Köbi" Kuhn (l.) mit Gökhan Inler
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Kurz vor der EM lassen sich Trainer Köbi Kuhn und seine Schweizer «Nati» auch von einer deutlichen Testspiel-Niederlage gegen die DFB-Elf nicht aus der Ruhe bringen. Ein grober Fehler, findet Leon Knigge .
So manch einer hat die Hände vor dem Kopf zusammengeschlagen, als der Schweizer Trainer Köbi Kühn nach dem 0:4 gegen die Deutschen vor die deutsche TV-Kamera trat: «Die Deutschen waren heute klar die bessere Mannschaft. Man kann den Deutschen nur gratulieren», diktierte der Coach devot ins teutonische Mikrofon, bevor er noch ein paar weitere Nettigkeiten über den Gegner losließ. Von Ärger über die eigene Truppe war nichts zu spüren und das als Coach einer hochtalentierten Mannschaft, die sich Hoffnungen auf den EM-Titel macht.
Herr Kuhn ist Trainer einer Mannschaft, die als «Goldene Generation» in ihrem Land gepriesen wird und endlich mal Hoffnungen auf einen Titel weckt. Er ist der Chef einer Elf, die allein durch ihren Gastgeberstatus schon gewisse Chancen auf die EM-Krone hat. Sicher, das Spiel gegen Ballack und Co. war ein Freundschaftskick, aber es war auch ein Heimspiel und einer der wenigen noch verbliebenen Tests vor dem Turnier.
Man stelle sich vor: Unsere deutschen Jungs lassen sich 0:4 vom Platz fegen (ob nun unglücklich oder nicht) und unser Bundes-Jogi würde vor die Presse treten und nicht über die Unzulänglichkeiten der eigenen Jungs fluchen, sondern dem Gegner zu seinem tollen Spiel gratulieren. Das würde dem erst garnicht in den Sinn kommen, denn obwohl wir Deutschen auch ganz gern mal jammern, wenn's nicht so recht flutscht mit unseren elf Besten, haben wir soviel Selbstbewusstsein dann doch: Wenn es nicht läuft, dann sind nur unsere Kicker schuld, und nicht der total starke Gegner. Denn eigentlich können sie es ja, und zwar im Idealfall besser, als alle anderen. Als große Fußball-Nation mit internationalem Anspruch macht man das so.
Liebenswerte SchweizerLiebe Schweizer, ihr seid wirklich sympathisch! Wenn man den Schweizer Ex-Schiri und Kloppo-Gegenpart Urs Meier im ZDF beobachtet, wie er live im Fernsehen nach Niederlagen seiner Schweizer richtig leidet, dann hätte man den Jungs mit dem weißen Kreuz auf dem roten Trikot wenigsten den Ehrentreffer gegönnt. Wirklich liebenswert, die Jungs aus der Schweiz, aber genau das ist ihr Problem! Wenn man bei den großen Turnieren nicht ständig nur einen Blumentopf mit nach Hause nehmen will, sondern auch mal den echten Kelch aus Edelmetall, dann muss man auch mal den Maik Franz rauskehren. Mal die Klappe aufreißen und Ellenbogen raus! Und wenn der Schiri die Gelbe Karte zückt, dann nimmt man es hin wie ein Mann: fluchend, aber mit heimlichem Stolz über die eigene Robustheit und mit der Anerkennung der eigenen Jungs im Rücken.
Den Diplomaten-Oskar gewinnt man so natürlich nicht mehr, aber die Fans in der Kurve und vor dem Fernseher werden es einem danken. Dann könnte es endlich mal heißen «Hüp Schwiez, Hüp!», und zwar mit dem Euro-Pott! Aber beeilt euch, liebe Schweizer, denn es ist für lange Zeit die letzte Chance es mit einem einheimischen Trainer zu schaffen. Der Germanen-General Hitzfeld lässt schön grüßen.