EM-Spezial Teil 13 - Griechenland:
«Hellas, Hellas»
08. Mai 11:23
 |  Das Gesicht des griechischen Fußballs: Otto Rehhagel | Foto: AP |
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16 Länder nehmen an der Europameisterschaft im Juni in der Schweiz und in Österreich teil. Wir stellen jedes Land vor: seine fußballerischen Fähigkeiten, seine Fans, seine Helden und seine Stadien.
Im Juni findet es statt, das Schaulaufen der europäischen Nationen in kurzen Hosen und auf grünem Rasen. Die Netzeitung stellt die Teilnehmer der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz vor.Dieses Mal: Titelverteidiger Griechenland (Gruppe D zusammen mit Gastgeber Schweden, Spanien und Russland). Lesen Sie am 12. Mai unser Porträt von Schweden: «Heja Sverige».
Griechenland in der Fußballwelt
Dass Griechenland amtierender Europameister ist, können heute noch viele Fans nur nach einigem Nachdenken bestätigen. Erst einmal in der Geschichte des Verbandes konnte Griechenland beispielsweise an einer WM teilnehmen und flog 1994 in den USA auch gleich in der Vorrunde wieder raus. Ähnlich war die Bilanz bei EM: Nur 1980 in Italien waren die Griechen dabei und reiste sofort wieder ab.
Die große Ausnahme ist das Wunder von 2004, als das Team von Otto Rehhagel im Finale Portugal mit 1:0 besiegte. Wegen dieses grandiosen Erfolges belegt Griechenland immer noch Platz acht der aktuellen Fifa-Weltrangliste. Die Qualifikation für die Europameisterschaft musste aber trotz des Titels erspielt werden und gelang in einer Gruppe mit der Türkei, Norwegen und Ungarn erstaunlich souverän.
Klubs
Der griechische Ligafußball wird von drei Klubs dominiert: AEK Athen, Panathinaikos Athen und der amtierende Meister Olympiakos Piräus. Große Vereinserfolge auf europäischer Ebene gibt es aber nicht: Einmal, 1971, erreichte Panathinaikos das Finale im Europapokal der Landesmeister.
Die große Diskrepanz zwischen nationaler Fußballbegeisterung, die sich auch in großen Finanzmitteln äußert, die in den Fußball gepumpt werden, auf der einen Seite und dem weitgehend ausbleibendem internationalen Erfolg erklären sich viele Griechen mit der tief verankerten Korruption in der ersten Liga. Mit dem vielen Geld gelingt es den Vereinen auch, die großen Talente im Land zu halten, aber die können sich kaum weiter entwickeln.
In den letzten Jahren konnten sich einigen griechische Nationalspieler auch in der Bundesliga durchsetzen: Ioannis Amanatidis (Eintracht Frankfurt), Theofanis Gekas (Bayer Leverkusen) oder Angelos Charisteas (Nürnberg) beispielsweise.
Helden
Der größte griechische Fußballheld ist kein Grieche: Otto Rehhagel, manchmal schon Rehhakles gerufen, Ehrenbürger von Athen. Anderen Fußballgrößen wie etwa Rekordtorschütze Nikolaos Anastopoulos oder Rekordnationalspieler Theodoros Zagorakis sind europäische Ehren vergönnt gewesen.Die griechische Liga dümpelt vielmehr schon seit Jahrzehnten vor sich hin und schafft es nicht, sich im europäischen Maßstab, wo die Helden erst geboren werden, zu etablieren.
Fans
Griechische Fans mögen als heißblütig gelten, im Vergleich zu anderen Ländern gibt es hier kein besonderes Gewaltproblem. Neuerdings zieht sich sogar die Polizei aus den Stadien zurück, denn ein Gesetz zwingt die Vereine dazu, sich selbst um die Sicherheit in den Arenen zu kümmern.Zu unterschätzen ist die Gewalt in den Stadien aber nicht: Wegen ihrer Bereitschaft zur Gewaltanwendung dürfen die Ultras bei Derbys nicht in die Stadien der Gegner.
Die Hauptfankonkurrenz besteht zur türkischen Nationalmannschaft. Bei Spielen gegen sie, etwa in der Qualifikation zur EM, fliegen mehr als nur Feuerwerkskörper.Griechische Fans zeichnen sich vor allem durch Lektüre aus: Sieben reine Fußballtageszeitungen erscheinen in Griechenland, sie sind fast alle vereinsgebunden und berichten über die Ungerechtigkeiten, die dem jeweiligen Klub wieder zugestoßen sind. Als einzige Ausnahme unter den Sportblättern gilt die Sportime. Sie ist zwar nicht unbedingt journalistisch besser, aber sie versteht sich als unabhängiges Blatt.
Stadien
Die griechische Stadienlandschaft ist, wie die Liga, von den Athener Vereinen geprägt: AEK Athen empfängt seine Gäste im Olympiastadion, wo 76.000 Fans Platz finden. Panathinaikos Athen hält sich das kleine Apostolos Nikolaidis mit nur 17.000 Zuschauern, und Olympiakos Piräus hält sich das Karaiskaki Stadion mit 33.000 Plätzen.Bis auf das Olympiastadion, das für die Spiele 2004 errichtet wurde, sind die griechischen Stadien auch allesamt modernisierungsbedürftig. Im Olympiastadion konnte allerdings 2007 das Champions-League-Finale zwischen AC Mailand und dem FC Liverpool (2:1) ausgetragen werden.
Für das Web ediert von Martin Krauss